/ Wort zum Tag
Loben zieht nach oben
Die Bibelstelle Psalm 103,2 – ausgelegt von Michael Wehrwein.
Lobe den HERRN, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.
„Undank ist der Welt Lohn.“ Wahrscheinlich kennen Sie dieses Sprichwort.
Wahrscheinlich kennen Sie auch Situationen, die dies bestätigen. Sie sind gut und freundlich zu einem Mitmenschen. Aber statt Dankbarkeit und Freundlichkeit sind Gleichgültigkeit und Undank die Folge. Wer Undank erfährt, ist sehr leicht enttäuscht und traurig.
Aber wie steht es im eigenen Leben mit der Dankbarkeit? Wie oft sage ich einem Mitmenschen gegenüber ein von Herzen kommendes Danke?
Wie oft sage ich Gott gegenüber Danke für all das, was er mir geschenkt hat und schenkt? Wie oft kommt ein Lob für seine guten Taten über meine Lippen? Oft sind es Klagen oder Bitten. Ich sage viel lieber Bitte. Wenn Sie über die Inhalte Ihrer Gebete eine Strichliste führen, nehme ich an, die Bitten haben das Übergewicht.
Ich denke immer wieder an eine Geschichte aus dem Evangelium. Da sind 10 kranke Menschen. Sie erfahren Gutes. Jesus heilt sie alle. Neun von den Geheilten gehen ihrer Wege. Sie vergessen den, der sie geheilt hat. Nur einer von den Gesundgewordenen kehrt um und sagt Danke. Er will nicht nur hinnehmen, annehmen und genießen. Er denkt an den Grund seiner Heilung. Er kehrt um zum Geber der guten Gabe. Erst im Danken ist er ganz geheilt. Die Heilungsgeschichte zeigt neben dem Dankbaren auch die andere Wirklichkeit. Undank ist der Welt Lohn. So sind wir Menschen weithin. Vieles nehmen wir als selbstverständlich hin.
Wer dankt, kehrt um zum Geber aller guten Gaben. Zu einem intakten Gottesverhältnis gehört die Besinnung auf die Güte und die Guttaten Gottes.
Dazu gehören der Dank und der Lobpreis dafür.
Tagaus, tagein empfange ich viele Wohltaten unseres Schöpfers. In der Auslegung zur 4. Bitte des Vaterunsers zählt Martin Luther auf, was dazugehört. Er sagt: „Alles, was zur Leibes Nahrung und Notdurft gehört“. Er zählt nicht nur Essen und Trinken auf, sondern auch gute Regierung, Frieden, Gesundheit, gute Freunde und vieles mehr. Gerade die Gesundheit des Leibes und der Seele ist ein großes Geschenk. Aber nicht nur dafür gilt es Gott zu danken und ihn zu loben. Ich werde auch an den Grund unseres Glaubens und an die Heilstaten Gottes erinnert. Die größte Tat Gottes ist die Sendung seines Sohnes. In ihm hat sich Gott uns in Liebe zugewandt. Wir leben von seiner Liebe und seinem Erbarmen. Im Psalm 103 erinnert sich David an die Barmherzigkeit. Er stimmt das Hohelied der Barmherzigkeit Gottes an. Gleich zu Beginn erinnert er sich an Gott und mahnt sich selbst,
ihn und sein Tun nicht zu vergessen. Er stimmt den Vers gegen das Vergessen an und dichtet: „Lobe den Herrn, meine Seele und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.“ Den Grund seines Lobpreises benennt er in den folgenden Zeilen: Er dichtet: „Der dir alle deine Sünde vergibt und heilet alle deine Gebrechen, der dein Leben vom Verderben erlöst, der dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit, der deinen Mund fröhlich macht und du wieder jung wirst wie ein Adler.“ Diese Erfahrung hat nicht nur David gemacht. Viele Menschen im Lauf der Jahrhunderte haben dies erfahren. Auch Sie und ich können Gottes Nähe erfahren und seine Kraft erleben. Gottes Macht und Kraft ist groß. Er wirkt und bestimmt unsere Wirklichkeit. Seine Treue hat kein Ende. Sie gilt auch Ihnen und mir. Die Erinnerung an Gottes Heilstaten will mich immer wieder neu zur Umkehr und zur Dankbarkeit führen. Klagen und Undankbarkeit drücken nach unten. Gott loben und ihm danken zieht nach oben.
Ja, lobe den Herrn, meine Seele und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.
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