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/ Wort zum Tag

Licht im Dunkel

Die Bibelstelle Psalm 71,20 – ausgelegt von Helmut Heiser.

Gott, der du uns viel Angst und Not hast erfahren lassen, du wirst uns wieder beleben.

Psalm 71,2

Psalm 71 richtet unseren Blick auf die Tiefen menschlichen Lebens. Er spricht von Erfahrungen „vieler Angst und Not“, also von Erfahrungen, die ich nicht gern erleben möchte, die aber jedem Menschenleben begegnen können. Auch heute werden sie im Leben vieler Menschen durch Kriegsgeschehen, persönliches Schicksal oder Katastrophen präsent sein. 

Der Psalmbeter hat dies erfahren, schaut nun schon ein wenig darauf zurück und lässt uns in sein Herz hineinblicken. Er hat offensichtlich viel Angst und Not erlebt. Er sucht zu verarbeiten, was er sich selbst nicht wünschte. Es beschwert ihn noch wie ein großer Stein und trennt ihn wie eine hohe Mauer vom Leben. Wie kann er nun mit dem, was sein Leben so getroffen hat, künftig zurechtkommen? 

Wie soll er mit den seelischen oder körperlichen Verletzungen oder Behinderungen, den möglicherweise dauerhaften Schmerzen umgehen, die entstanden sind?

Wie kann, wie soll nun sein Leben weitergehen, ohne dass ihn diese Ereignisse zukünftig bestimmen und ihn am Leben hindern?

Aus seinen Worten heraus ist zu spüren: noch hat er die im Hintergrund seines Gebets stehende Angst und Not nicht verarbeitet. Noch steht er sehr unter ihrem Eindruck, ist von ihnen ganz betroffen, gelähmt und bedrückt. Die Leichtigkeit und Selbstvergessenheit zu einem unbeschwerten Lob Gottes und zur freien Entfaltung seines Lebens fehlt ihm ganz und gar.

Doch jetzt leuchtet ein Lichtstahl der Hoffnung auf: er klammert sich mitten in dem, was ihn an Schwerem belastet, an Gott. An ihn wendet er sich mit einer festen Perspektive, die allein Gott ihm schenken kann. Er vertraut ihm auch in dieser schweren Herausforderung und betet: „Du wirst uns wieder beleben.“ 

Da schwingt kein beschwörender Unterton mit, sondern eine Hoffnungsperspektive, von der noch gar nichts sichtbar ist. Und doch wirkt sie wie eine mutige, zuversichtliche Vorwegnahme einer neuen „Wiederbelebung“ in sein von Angst und Not gegenwärtig noch so betroffenes und bedrängtes Leben hinein. Das hilft ihm, den Tag zu bestehen.

Das Vertrauen auf Gottes Größe und dessen liebendes Herz mit einer ganzen Zuwendung zu ihm geben ihm die Kraft, an dieser Hoffnung auf dem Weg seines Lebens durch Angst und Not festzuhalten.

Was bedeutet das Beispiel des alttestamentlichen Beters nun für uns Menschen heute?

Es kann uns einen guten Weg zeigen, Ereignisse oder Erfahrungen, durch die unser Leben schwer getroffen wird, ebenfalls im Gebet vor Gott zu bringen und Gottes Nähe zu suchen.

Gerade dann, wenn bestehende Verhältnisse oder Beziehungen plötzlich grundlegend verändert und belastende und lebensverändernde Folgen auf dem Weg in die Zukunft zu tragen sind. Gerade Christinnen und Christen sind dann eingeladen, ihre ungewisse Zukunft Tag um Tag mutig vor Gott zu bringen in der Hoffnung: „Du wirst uns neu beleben“. In Jesus haben sie ein Beispiel, der sich selbst noch im Angesicht des Todes an Gott gewandt hat. Und Gott hat ihn erhört.

In der zuversichtlichen Hinwendung und im Beten zu Gott, der in Jesus Christus selbst Mensch geworden ist, bleibt unser Leben geborgen.

Seine Gegenwart gibt uns auch auf Wegen durch Angst und Dunkelheit eine helle Perspektive. Sie kann uns ihre Kraft durch die Auferweckung und Gegenwart Jesu auch in der Dunkelheit zuteilwerden.

So begleite, stärke und segne Jesus uns auch an solchen Tagen, die uns nicht gefallen.

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