/ Wort zum Tag
Gottes hochgekrempelte Ärmel
Die Bibelstelle Jesaja 52,10 – ausgelegt von Monika Scherbaum.
Der HERR hat offenbart seinen heiligen Arm vor den Augen aller Völker, dass aller Welt Enden sehen das Heil unsres Gottes.
Haben Sie diese Woche schon die Ärmel hochgekrempelt? Beim Hausputz, beim Handwerken, im Büro? Wenn ich mir die Ärmel hochkrempele, heißt das: Schluss mit Reden, jetzt packe ich an.
Genau dieses Bild nutzt der Prophet Jesaja. Wie heißt es in Jesaja 52,10: „Der HERR hat offenbart seinen heiligen Arm vor den Augen aller Völker, dass aller Welt Enden sehen das Heil unsres Gottes.“
„Seinen Arm entblößen“ bedeutet im Hebräischen: die Ärmel hochkrempeln, bevor man loslegt. Gott packt an.
Israel sitzt mutlos im Exil. Vertrautes ist verloren, die Zukunft ungewiss. Viele denken: Gott hat uns vergessen. Doch Jesaja ruft: Gottes Handeln bleibt nicht verborgen. Gott greift ein und sieht, was uns belastet.
Ich denke an Menschen, die mir sagen: „Ich weiß nicht, wie es weitergeht.“ Krankheit, Streit, Zukunftsangst. Und dann geschieht etwas, das niemand planen konnte: ein Gespräch, das Frieden bringt; eine Therapie, die Hoffnung schenkt oder eine Freundschaft, die sich überraschend vertieft. Gottes Arm wird sichtbar.
Auch ich spüre diese Spannung in unserer Zeit. Sicheres wird brüchig. Gemeinden werden kleiner, Gebäude müssen verkauft werden und vertraute Formen verschwinden. Ich frage mich manchmal selbst: Wo ist Gottes starker Arm?
Gottes Antwort ist anders. In Jesus gibt Gott alles. Ich sehe seine Arme ausgestreckt am Kreuz: Jesu Tod für meine und ihre Schuld, Jesu Auferstehung für ein neues Leben. Sein Heil meint etwas Einfaches: dass Zerbrochenes wieder ganz wird. Genau das tut Gott in Jesus Christus. Versöhnung zwischen Gott und den Menschen.
Und ich erlebe es: Gottesdienste auf allen Kontinenten, Glaube in vielen Sprachen. Digitale Möglichkeiten tragen Gottes Wort in Sekunden über Grenzen hinweg. Menschen, die nie eine Kirche betreten würden, stoßen online auf berührende Bibelverse und christliche Radio- und Fernsehsender.
Menschen aus aller Welt leben heute in unserer Nachbarschaft. Die Völker stehen buchstäblich vor unserer Tür – manchmal schlicht in Gestalt des freundlichen Paketboten. Weltmission geschieht mitten in unserem Alltag.
Damit bin ich gefragt, damit sind Sie gefragt. Israel sollte im Exil nicht passiv warten, sondern den Glauben leben und die Stadt mitgestalten.
Gottes Heil zeigt sich für mich oft im Kleinen: wenn ich Beistand leiste, wo Not ist; wenn ich aufmerksam durch den Tag gehe und wenn Gemeinden neue Wege und Formen suchen, und Beziehungen knüpfen. Nicht: Wie haben wir es immer gemacht? Sondern: Was hat Gott heute mit uns und mit mir vor?
Sie können gewiss sein: Gott ist da. Er streckt uns seinen heiligen Arm entgegen. Und der Heilige Geist öffnet Wege, die Sie und ich heute noch gar nicht erahnen.
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