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/ Wort zum Tag

Christ, der Retter ist da

Jürgen Werth über Psalm 38,22.

Verlass mich nicht, HERR, mein Gott, sei nicht ferne von mir!

Psalm 38,22

Immer wieder haben Menschen versucht, das geheimnisvolle weihnachtliche Geschehen in Worte zu fassen, in Bilder und Geschichten. Doch immer wieder mussten sie feststellen, dass sich das Unfassbare nicht fassen, das Unvergleichliche nicht vergleichen lässt. Und haben es trotzdem gewagt, es mit menschlichen Worten und Farben zu beschreiben.

Joseph Mohr war einer von ihnen. Er hat eines der anrührendsten Weihnachtslieder geschrieben, die wir kennen: „Stille Nacht, heilige Nacht“. Vom holden Knaben singt er da, vom trauten, hochheiligen Paar. Und jubelt am Ende: „Christ, der Retter ist da!“

Wir würden uns heute, rund zweihundert Jahre später, wohl anders ausdrücken. Aber die Botschaft des Liedes ist immer noch die Botschaft von Weihnachten, damals wie heute: 

Christ, der Retter ist da! Unser Retter aus der Todverfallenheit des Lebens, aus der Sinnlosigkeit, Hoffnungslosigkeit, Mutlosigkeit. Unser Retter aus der Ungerechtigkeit, die diese Welt regiert. Der Erlöser aus der Unmenschlichkeit, mit der Menschen andere Menschen und Tiere knechten und quälen. Unser Retter aus der Rücksichtslosigkeit, mit der wir die Schöpfung ausbeuten; der Befreier aus der Haltlosigkeit, die uns durchs Leben taumeln lässt. Der Retter aus der hemmungslosen Gier, durch die die Wenigen auf Kosten der Vielen immer reicher werden. 

Menschen ohne den Himmel haben nur noch die Erde. Menschen ohne Ewigkeit haben nur noch die Zeit. Menschen ohne Gott sind sich selbst und einander ausgeliefert. 

Aber: Christ, der Retter ist da!

Joseph Mohr jedenfalls hat es inmitten eines menschlichen Dramas entdeckt. 

In seiner Gemeinde war ein uneheliches Kind zur Welt gekommen. Das junge Paar durfte nun nicht mehr dazugehören, weder zur Gesellschaft noch zur Kirche. Auch nicht zu Gott? Vielleicht haben sie mit dem Bibelwort für heute gebetet:

„Verlass mich nicht, Herr, mein Gott, sei nicht ferne von mir!“

Verloren wären die jungen Leute gewesen, wenn da nicht dieser Pfarrer gewesen wäre, eben jener Joseph Mohr, der in ihnen etwas anderes sah als all die anderen. Er sah in ihnen vor allem Menschen, denen Gott sein besonderes Erbarmen schenken wollte. Ja, ihnen galt die Weihnachtsbotschaft in besonderem Maße: Christ, der Retter ist da! Für sie hatte der Pfarrer sein Lied geschrieben. Zunächst und vor allem für sie. 

Und doch singt es heute beinahe die ganze Welt. Singt es und hört es und glaubt es.

Kein Mensch auf der Welt kann zu weit weg sein von dem Ort der Hilfe und Erlösung. Keine Nacht ist zu finster. Denn das Licht scheint. Christ, der Retter ist da! Nicht nur damals in Bethlehem, sondern auch bei uns heute.

Er kommt. Er kommt zur Welt. Die Türen, die Himmel und Erde voneinander trennen, sind sperrangelweit geöffnet. In beide Richtungen. Gott kommt. Zu Großen und Kleinen. Zu denen, die eine scheinbar wichtige Rolle spielen in dieser Welt, und zu denen, die übersehen, übergangen und ausgegrenzt werden. Und alle dürfen zu ihm kommen. Unbedeutende Hirten und wohlhabende Sterndeuter. Sie. Ich. Gott ist nicht ferne geblieben. Er ist ganz nah. 

Ich wünsche Ihnen ein fröhliches Christfest!

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Kommentare (1)

Silvia /

Vielen Dank! Das gaben Sie sehr gut und beruehrend geschrieben und vorgelesen! Christ, der Retter und die Rettung! Ein so wichtiges Wort, gerade an diesem Heiligabend! Ich kannte diese Geschichte mehr