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Lohnt sich Integrität?

Jörg Dechert über 1. Samuel 26,24.

Mein Leben werde wert geachtet in den Augen des HERRN, und er errette mich aus aller Not!

1. Samuel 26,24

Neulich habe ich eine neue Fernsehserie entdeckt: Bosch. Im Mittelpunkt steht Harry Bosch, ein erfahrener Detective des Los Angeles Police Departments. In den Irrungen und Wirrungen der Handlung geht es weniger um kriminalistische Rätsel oder heldenhafte Action, sondern um den inneren Kompass von Harry Bosch. Immer wieder gerät der in Situationen, in denen seine Integrität auf den Prüfstand gestellt wird: Steht er treu zu seinen Zusagen - oder gibt er auf und wirft die Brocken hin? Handelt er integer – oder nimmt er unmoralische Abkürzungen, wenn keiner hinsieht?

Ich glaube, wir alle sind im Alltag immer wieder wie Harry Bosch vor die Frage gestellt: Halten wir fest an Treue und Gerechtigkeit – oder verbiegen wir unsere Maßstäbe und nehmen die Abkürzung, den kurzfristig leichteren Weg?

Denn machen wir uns nichts vor: In dieser Welt wird Integrität nicht schnell belohnt. Oft kostet der gerade Weg, das ehrliche Wort, die verantwortungsvolle Tat einen Preis. Vielleicht in der Karriere. Oder in einer Beziehung. Oder Geld und Zeit. Und diesen Preis werde ich nur dann auf Dauer bezahlen, wenn ich die Gewissheit in mir trage, dass sich Integrität lohnt. Dass sie bei dem zählt, der sie als Einziger wirklich wahrnehmen und beurteilen kann - Gott.

Ich möchte Sie heute mitnehmen in ein Erlebnis des alttestamentlichen Davids, als er bereits ernannter Nachfolger des amtierenden Königs Saul war, der aufgrund seiner Selbstherrlichkeit bei Gott in Ungnade gefallen war. Aber noch war Saul am Leben. Und damit auch an der Macht. Denn Saul dachte gar nicht daran, zurückzutreten und Gottes Wunschkandidaten David Platz zu machen. Im Gegenteil: Er setzte die Macht seines Amtes dafür ein, an der Macht festzuhalten und David von der Macht fernzuhalten – soll es ja auch heute noch geben.

Einmal hat David die Chance, Saul aus dem Weg zu räumen, wie wir im 1. Samuelbuch in Kapitel 26 nachlesen können. Saul war mit seiner Armee unterwegs, David zu stellen – wieder einmal. Als es Nacht wird, schleicht sich David mit seinem Kampfgefährten Abischai ins Heerlager Sauls, bis hinein ins Zelt des schlafenden Königs. Abischai sieht darin eine Führung Gottes: Jetzt oder nie – bringen wir Saul um! Hat Gott nicht David als den rechtmäßigen König ausgewählt?

Aber David hält Abischai zurück, Vers 10:

So wahr der HERR lebt: Der HERR wird ihn schlagen, oder es kommt sein Tag, dass er sterbe oder in den Krieg ziehe und umkomme. mir lasse der HERR fern sein, dass ich meine Hand sollte an den Gesalbten des HERRN legen.

David ist glasklar: Ich nehme das Recht nicht in die eigene Hand. Ich nehme nicht die Abkürzung zur Macht. Wenn Gott mich als König will, wird er dafür den richtigen Zeitpunkt und den richtigen Weg haben.

Eine kleine Lektion erteilt David Saul dann aber schon, denn er nimmt dessen Speer und Wasserkrug an sich und schleicht sich wieder aus dem Lager. Aus sicherer Entfernung brüllt David dann herüber zu Saul, weckt das halbe Lager auf: Sieh her, Saul, ich habe deinen Speer, aber dir nichts Böses angetan! Saul, du bist der, der sich gegen Gottes Führung auflehnt, der an seinem Amt festklammert, der seine Macht missbraucht und dem jedes Mittel recht ist. Ich, David, entscheide mich für den Weg der Integrität!

Hinter dieser Entschlossenheit Davids steht seine geistliche Überzeugung: Integrität gefällt Gott. In Vers 23 und 24 ruft er es zu Saul herüber, und es muss in dessen Ohren richtig geklingelt haben:

Der HERR aber wird einem jeden seine Gerechtigkeit und Treue vergelten. Und siehe, wie heute dein Leben in meinen Augen wert geachtet war, werde mein Leben wert geachtet in den Augen des Herrn, und er errette mich aus aller Not!

Wow. David ist nicht nur mutig, weil er sich für den Weg der Integrität und gegen die unmoralische Abkürzung entscheidet. David hat auch ein großes Gottvertrauen, denn er rechnet fest damit, dass Gott diese Integrität ehren wird. Eines Tages. Auf seine Art. Und dass es das im Rückblick wert gewesen sein wird, sich für ein Leben der Integrität zu entscheiden.

Wer so lebt, der kann auch heute mit David sagen: Mein Leben werde wert geachtet in den Augen des Herrn, und er errette mich aus aller Not!

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Anstoß

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Kommentare

Christl W. /

Lieber Herr Dechert, wenn Sie in einer Andacht sieben Mal das Fremdwort
Integrität bzw. integer verwenden, sollten Sie daran denken, dass es unter
Ihren Hörerinnen und Hörer solche gibt, die zwar nicht dumm sind, aber nicht wissen, was damit gemeint ist ...