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Von ganz allein

Michael Sarembe über 2. Korinther 9,7.

Jeder gebe, wie er es sich im Herzen vorgenommen hat, ohne Bedauern und ohne Zwang.

2. Korinther 9,7

Angenommen, eine gute Freundin sagt zu Ihnen: Du solltest echt mal etwas für Dich tun! Woran würden Sie denken? Ein Wochenende im Spa? Ein gemütliches Essen beim Italiener? Eine Tour mit dem E-Bike?

Unser heutiges Bibelwort macht einen ziemlich unorthodoxen Vorschlag. Es stammt vom Apostel Paulus, dem großen Briefeschreiber des Neuen Testaments, aus einem seiner Briefe an die christliche Gemeinde in Korinth.

Nun war diese Gemeinde, man kann schon sagen, ein etwas verrückter Haufen in einer gesellschaftlich und religiös ziemlich überspannten Stadt. Fast könnte ich sagen, der japanische Autobauer Toyota habe seinen Werbespruch von Korinth abgeschaut: Nichts ist unmöglich! Was es auf dem religiösen Markt gab, konnte man in Korinth finden. Von herkömmlich gewöhnlich bis zu ausufernd ekstatisch war alles dabei; von klassischer Anbetung des Zeus über Tempelprostitution im Tempel der Aphrodite bis hin zu düsteren Feierlichkeiten, bei denen es letzten Endes um dämonische Praktiken ging – alles war dabei. Jedes Bedürfnis fand seine Befriedigung. Das religiöse Ego konnte sich austoben wie nirgendwo sonst.

Und jetzt kommt der Apostel Paulus mit einer Aufforderung daher, die es so in Korinth tatsächlich noch nicht gegeben hatte! Er fordert die Christen in Korinth dazu auf, für die notleidende Gemeinde in Jerusalem zu spenden. Sie sollen ein Opfer sammeln für die Christen in Jerusalem. Und da Paulus kein Deutscher war, hat er auch keinen nach Gehaltstufen unterteilten Spendenkatalog mitgeschickt, sondern er hat geschrieben: „Jeder gebe, wie er es sich im Herzen vorgenommen hat, ohne Bedauern und ohne Zwang.“

Er wusste, dass die Not der Christen in Jerusalem die Gemeinde in Korinth bewegen würde, dass sie ihr Herz berühren würde. Und er wusste, dass das Ganze nur Sinn machen würde, wenn die Christen es von Herzen gern tun würden. Denn was wir für andere tun, was wir freiwillig tun, das sollten wir von Herzen tun, damit es fröhlich geschieht. Wenn wir etwas mit Hintergedanken tun, tun wir es nicht gerne. Und es ist geradezu eklig, wenn einem jemand etwas unter die Nase reibt, was er früher einmal für uns getan hat. Das macht uns ein schlechtes Gewissen und wir geraten unter Druck. Wenn wir Gutes tun oder etwas geben, wie Paulus das hier anbietet, dann sollen wir es von Herzen tun und nicht aus Zwang oder weil man das eben so tut.

Denn das Spannende ist, dass unsere Motivation auf uns zurückfällt. Tun wir das, was wir tun, gerne - bereitet es uns Freude. Tun wir es aus Zwang oder weil wir uns dazu verpflichtet fühlen - dann fühlt es sich für uns an, als hätten wir einen Fehler begangen und wir ärgern uns darüber. Paulus sagt uns also: Was du tust, gerade beim Spenden, das tue gerne und von Herzen. Denn das war auch die Art und Weise, die Jesus gepflegt hat. Sein Helfen, Heilen, Predigen, sein Umgang mit Menschen kam aus seinem Herzen. Das war zutiefst echt, authentisch.

Und zu solcher Authentizität will Paulus uns beim Geben, beim Spenden verhelfen. „Jeder gebe, wie er es sich im Herzen vorgenommen hat, ohne Bedauern und ohne Zwang.“

Spenden, Geben soll etwas sein, das von Herzen geschieht. Und dann kann es zu etwas werden, das uns richtig guttut. Womit wir wieder bei der Eingangsfrage wären. Wenn ich etwas für mich tun will, dann kann das bedeuten, dass ich von Herzen gebe. Dietrich Bonhoeffer hat gesagt: „Es gibt kaum ein beglückenderes Gefühl als zu spüren, dass man für andere Menschen etwas sein kann.“ Über etwas Gutes, das ich tu, brauche ich also gar nicht unbedingt reden, damit es zu mir zurückkommt. Das tut es ganz von alleine.

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Kommentare

Stefan K. /

Guten Morgen, lieber Pfarrer Sarembe; auch die heutige Morgenandacht hab ich sehr genossen. Sie ist so klar und auf den Punkt, dass man wirklich was für sich mitnehmen kann, was einem stärkt. Ganz herzlichen Dank