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/ Wort zum Tag

Gottes Liebe provoziert unser Denken

Werner Karch über 1. Johannes 4,10.

Darin besteht die Liebe: nicht dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt hat und gesandt seinen Sohn zur Versöhnung für unsre Sünden.

1. Johannes 4,10

Die Ermordung des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke sowie der Strafprozess und die Verurteilung des Mörders sind mir noch sehr gegenwärtig.

Dabei fällt mir auf, dass unser Strafrechtssystem darauf ausgelegt ist, den Schuldigen zu bestrafen. Er muss seine Tat sühnen durch Freiheitsentzug. Darüber hinaus soll die Gesellschaft vor ihm geschützt werden und dem Opfer soll Gerechtigkeit widerfahren. Dem Opfer hilft ein Urteil, das erlittene Unrecht etwas leichter zu ertragen. Es weiß, dass der Täter für seine ungerechte Tat bestraft wird, womit die Waage wieder im Gleichgewicht ist.

Das Prinzip, dass der Schuldige seine Schuld selbst tragen muss, ist in unserem Justizsystem fest verankert. Kein anderer kann sagen: „Ich nehme die 15 Jahre Gefängnis auf mich, dass der Täter frei sein kann“! Das geht nicht - wohl in keinem Rechtssystem auf der ganzen Welt. Der Schuldige muss bestraft werden – kein anderer.

Bei Gott ist das etwas anders: „Die Liebe hat ihre Grundlage nicht darin, dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt und seinen Sohn als Sühneopfer für unsere Sünden gesandt hat.“ (1.Joh.4,10)

Ist Gottes Rechtssystem anders als unseres? Das Wort Liebe taucht in der Regel in unserem Justizsystem nicht auf. Bei Gott schon.

Jeder Mensch, der gottlos lebt, häuft jede Menge Verfehlungen gegen Gott und seine Mitmenschen auf. Nach Gottes Rechtssystem rufen diese Verfehlungen sein Gericht und seine Strafe hervor, weil es Unrecht ist. Diese Konsequenz muss der Mensch in eigener Verantwortung vor Gott tragen – letzten Endes bedeutet dies eine ewige Trennung von ihm. Gottes Liebe allerdings erlaubt es, dass diese Strafe von einem anderen getragen und damit gesühnt werden kann. Aber: Wer macht so etwas? Wer nimmt so etwas auf sich?

Nach dem 1. Johannesbrief kam Jesus Christus als der Sohn Gottes genau dazu in die Welt, um die Schuld des Menschen vor Gott zu tragen und zu sühnen. Seines Todes, als Sühne für die Verfehlungen des Menschen, wird bei uns jährlich an Karfreitag gedacht. Seiner Auferstehung, als Bild für den von Schuld befreiten Menschen, wird an Ostern gedacht. Jeder Mensch, der an diese Gerechtigkeit Gottes glaubt, wird wieder annehmbar für Gott. Das einmalige Opfer von Gottes Sohn hat den Menschen für gerecht, d.h. unschuldig erklärt, weil die Sühne stattgefunden hat.

Die Liebe Gottes geht andere Wege als wir Menschen. Er will den Menschen nicht für immer verlieren. Der Gerechte will sich mit dem Ungerechten versöhnen, weil er ihn liebt und nicht auf ihn verzichten will.

Bei Gott wird dadurch jeder Mörder wieder zum Gerechten, wenn er dieses Opfer von Jesus Christus annimmt und an ihn glaubt. Er wird seine Strafe, die durch unser Justizsystem ausgesprochen ist, weiterhin tragen müssen. Aber vor Gott ist ihm vergeben – Gott nimmt ihn an.

Das ist unerhört, provokant und für uns Menschen nicht so ohne weiteres nachvollziehbar. Aber es gibt mir einen Einblick in Gottes Wesen – Liebe.

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Kommentare

Martin P. /

Walter Lübke war von 1999 bis 2009 Abgeordneter des Hessischen Landtags und von 2009 bis zu seinem Tod Regierungspräsident im Regierungsbezirk Kassel. Aber kein Ministerpräsident. Das ist in Hessen seit 2010 Volker Bouffier.

Joachim S. /

Der Vergleich ist gut. Leider stecken in den Ausführungen Fehler: Herr Lübcke war Regierungspräsident, nicht Ministerpräsident! Und in diesem Fall ( das ist zugegeben fast schon makaber) hilft das Urteil dem Opfer nicht mehr.