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/ Wort zum Tag

Mehr als unsere „Heldentätlein“

Andreas Schenk über Psalm 71,16.

Ich gehe einher in der Kraft Gottes des HERRN; ich preise deine Gerechtigkeit allein.

Psalm 71,16

Was treibt mich im Leben an? Worauf berufe ich mich, was gibt mir Kraft? Für mich sind drei Säulen im Leben wichtig:

1. meine Familie, die Menschen um mich herum.

2. meine Arbeit und mein Glaube. Diese beiden Bereiche sind bei mir eng miteinander verbunden, weil ich Pfarrer bin.

3. der Sport: Ich bewege mich gerne und verfolge das Sportgeschehen aktiv mit.

Für diese Dinge lebe ich. Sie geben mir im Alltag Kraft.

Manchmal frage ich mich aber, wie das sein wird, wenn ich alt bin. Oder wenn mir das eine oder andere dieser Standbeine abhandenkommen sollte. Irgendwann kann ich vielleicht nicht mehr draußen laufen gehen. Schon jetzt schmerzt eine Ferse oft. Was wird mit mir geschehen, wenn ich meine Joggingrunde nicht mehr machen kann?

Oder mein Pfarrersein: Auch da stoße ich an Grenzen. Wie finde ich jene Menschen in der Gemeinde, die Hilfe oder seelische Unterstützung bräuchten? Bin ich nahe genug an Gott und an den Menschen und ihrem Alltag? Ich bin nicht sicher, wie lange ich so meine Arbeit wahrnehmen kann. Was wird mit mir sein, wenn ich nicht mehr in Predigten oder bei Trauergesprächen über das nachdenken darf und muss, was auch mich trägt?

Und die Familie: Die Kinder werden älter. In zehn Jahren werden sie wohl weitgehend ausgeflogen sein. Meine Frau finde ich wunderbar. Aber ich weiß auch, dass wir keinen Anspruch auf Gesundheit und fünfzig Ehejahre haben. Wie könnte ich ohne sie leben?

Die heutige Tageslosung scheint mir bei solchen Gedanken ein guter Wegweiser zu sein. Sie stammt aus Psalm 71. Man könnte diesen Psalm auch als „Alterspsalm“ bezeichnen. Darin wird zweimal explizit auf das Alter Bezug genommen. So steht etwa in Vers 18:

Verlass mich nicht, Gott, im Alter, wenn ich grau werde, bis ich Kindeskindern deine Macht verkündige und deine Kraft allen, die noch kommen sollen. (Psalm 71,18)

Ich stelle mir gerne vor, wie dieser Psalm von einer alten, lebensweisen Frau gebetet wird. Sie fühlt sich bei Gott geborgen und hat Gottes Kraft erfahren. Sie weiß, dass sie diese auch für ihr gegenwärtiges Wegstück nötig hat. So sagt Vers 16, die Tageslosung: Ich gehe einher in der Kraft Gottes des HERRN; ich preise deine Gerechtigkeit allein. Psalm 71,16

Was hier schlicht mit „Kraft Gottes“ übersetzt wird, könnte auch mit Großtaten oder Machttaten übersetzt werden. Im Hintergrund stehen wohl konkrete Erfahrungen des Wirken Gottes. Diese Taten Gottes sind beständiger als all unser Wirken und Tun.

Meine Heldentaten gleichen oft eher „Heldentätlein“. Sie werden mir im Alter jedenfalls kein Ort der Geborgenheit und Zuflucht sein, bestenfalls gute Erinnerungen. Aber wenn das, was mich im Leben jetzt stärkt, wegfallen sollte, brauche ich endgültig einen anderen Halt. Und das gilt auch schon jetzt.

Glücklich ist, wer nicht nur auf seine eigenen Kräfte vertraut, sondern einhergeht in der Kraft Gottes. Und glücklich ist, wer statt der eigenen Heldentätlein die Gerechtigkeit Gottes preisen kann.

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Kommentare

Ute D. /

Sehr geehrter Herr Schenk,
mit großem Interesse habe ich heute Ihre Erklärung zum Losungstext gelesen.
Er hat mich sehr angesprochen und berührt.
Als Vorsitzende des Kirchenvorstandes unserer Kirchengemeinde bin ich damit beschäftigt, Themen für die Klausurtagung im August zusammenzustellen. Das eigentliche Thema: "Wie geht es mit unserem Gemeindeleben nach Corona weiter?". Schon vor Corona kam es zu Überlegungen, wie mit der bisherigen Seniorenarbeit künftig umgegangen werden soll. Die mehr

Hans und Ruth L. /

Liebe Freunde
Zuerst herzlichen Dank für Ihre wert-vollen Sendungen - - wie auch die eben gehörte.
Leider ist der Cursor seit kurzem nicht mehr verschiebbar, um z.B. eine Aussage nochmals zu hören. Wir danken Ihnen, wenn dies wieder möglich wird.
Mit Segenswünschen für Ihren wertvollen Dienst grüssen wir freundlich

Helga S. /

Ich bin 83 Jahre alt, Gott ist meine Zuversicht und Stärke, meine Hoffnung, meine Freude!