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Singen macht Sinn

Dorothee Döbler über Psalm 13,6.

Ich will dem HERRN singen, dass er so wohl an mir tut.

Psalm 13,6

Singen Sie? Als ich das erste Mal Christen traf, war ich überrascht: Die singen ja! Ist das nicht ein bisschen peinlich? Wo wird heutzutage denn noch gesungen? Bei den großen Fußballspielen, das stimmt. Und auch auf Konzerten. Da muss aber schon ordentlich Stimmung sein. Dass man unter der Dusche singt, ist auch ein Gerücht. Zumindest hat das noch keiner meiner Schlafgäste gemacht.

Dafür gibt es kaum einen Menschen, der nicht gern Musik hört. Musik macht etwas mit mir. Sie kann mich so tief in meinem Inneren berühren wie kaum etwas anderes. Musik macht mich fröhlich oder zieht mich herunter, sie putscht mich auf oder hilft mir, ruhig zu werden.

Vor ein paar Jahren habe ich eine faszinierende Reihe im Fernsehen gesehen. Da stellte die Schauspielerin Annette Frier einen Chor aus Laien zusammen. Voraussetzung war nicht etwa, dass man singen konnte oder musikalisch war. Nein, Voraussetzung war, dass es einem seelisch schlecht geht. Zum Casting wurden nur depressiv kranke Menschen zugelassen. Und umso schlechter es jemandem ging, umso größer war die Chance, dass er mitmachen durfte.

Zum Schluss war also eine bunt zusammengewürfelte Gruppe beieinander, aus der ein Chor wurde. Sie sangen nichts Besonderes, Lieder halt, Schlager. Aber man konnte von Sendung zu Sendung beobachten, wie der Gesang die Menschen veränderte. Es löste sich etwas in ihnen. Sie wurden offener, freier von ihrer innerlichen Last. Das Projekt endete mit einem großen Konzert in der Berliner Philharmonie. Und die einhellige Meinung aller Chormitglieder war: Wir wollen auch nach Ende des Projekts zusammenbleiben und weiter singen!

Warum singen wir heute so wenig? Dass Singen guttut, das wissen die Menschen eigentlich seit jeher. In der Bibel gibt es sogar eine Liedersammlung, den Psalter. In einem der Psalmen singt David, der König von Israel, ganz offen von seiner Angst: davon, dass er sich alleingelassen fühlt, dass er Todesängste hat.

Das Lied endet unerwartet, nämlich mit einem Dank an Gott: Ich will dem HERRN singen, dass er so wohl an mir tut.


Er dankt Gott, obwohl es ihm schlecht geht? Gott tut „so wohl an ihm“, obwohl David in seinem Leben gerade nichts Gutes sieht? So ist es mit dem Singen. Es verändert etwas in uns. Wir bekommen einen anderen Blick auf das, was uns belastet. Wir können wieder nach vorn schauen.

Diese Erfahrung haben die Menschen aus dem Chorprojekt auch gemacht. Aber bei David geht es noch etwas tiefer. Er singt nicht nur, weil es ihm guttut. Er singt nicht, weil ein Chorleiter ihn dazu ermutigt. Er singt, weil er ein Gegenüber für seinen Gesang hat. Sein Lied ist ein Gespräch, ein Gespräch mit Gott. Und im Singen spürt er, dass er von Gott eine Antwort bekommt: ‚Dir geht es schlecht, ja. Aber schau auch auf das, was du an Gutem von mir erfahren hast!‘

‚Ja, das stimmt‘, wird es David bewusst: ‚Ich hab mich allein gefühlt, aber ich war ja gar nicht allein. Ich dachte, ich bin hilflos. Aber Gott war ja immer an meiner Seite!‘ Das Lied hat David verändert.

Wie ist es bei Ihnen: Singen Sie? Zu Gott? Probieren Sie es aus! Ich bin gespannt auf Ihre Erfahrungen.

Sie möchten noch tiefer in die Bibel eintauchen? Wir empfehlen unsere Sendereihe:

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Kommentare

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Hallo, liebe Dorothee! Danke für diese ermutigenden Gedanken in einer, im Moment erst langsam wieder sangesfreudigen Zeit. Deine Worte tun mir gut!