Navigation überspringen

/ Wort zum Tag

Berge um Jerusalem

Luitgardis Parasie über Psalm 125,2.

Um Jerusalem her sind Berge, und der HERR ist um sein Volk her von nun an bis in Ewigkeit.

Psalm 125,2

Um Jerusalem sind Berge, ja. Aber mal ehrlich, genützt hat es Jerusalem nichts. Um das Jahr 600 vor Christus wurde Jerusalem von den Babyloniern erobert, der Tempel zerstört, die ganze jüdische Oberschicht nach Babylon verschleppt.

Erst viele Jahre später konnten die Kinder der Verbannten wieder ins Land zurück, den Tempel wieder aufbauen. Doch dann wurde Israel von den Römern besetzt. Das war zur Zeit, als Jesus lebte. Und dann, im Jahr 70 nach Christus, wurde Jerusalem wieder zerstört, die Juden über die ganze Welt zerstreut. Und heute? Jerusalem ist ein Pulverfass, am Tempelberg und in der Altstadt konkurrieren drei Religionen, Christen, Juden und Moslems. Klagemauer, Felsendom, Grabeskirche.

Um Jerusalem sind Berge. Wieso sollte das ein Trost sein? Die Berge blicken doch unbeteiligt auf die Stadt herab und können Krieg und Schrecken nicht verhindern.

Der Psalmsänger wagt einen kühnen Vergleich: Um Jerusalem her sind Berge, und der HERR ist um sein Volk her von nun an bis in Ewigkeit. Ich finde, dass dieser Vergleich wirklich hinkt. Dass Gott um seine Leute herum ist, das finde ich im Gegensatz zu den Bergen sehr tröstlich. Gott ist ein mitfühlendes Wesen, er kann trösten, wie eine Mutter tröstet, er nimmt Anteil an meinem Ergehen und er hört mein Gebet. Das alles können Berge nicht.

Der Vergleichspunkt liegt - glaube ich - darin, dass Gott so fest steht wie die Berge. Dass er unerschütterlich an meiner Seite ist, um mich herum ist. Dass er nicht wankt, wenn um mich herum alles wankt. In einem Lied heißt es: „Es mag sein, dass alles fällt, dass die Burgen dieser Welt um dich her in Trümmer brechen. Halte du den Glauben fest, dass dich Gott nicht fallen lässt. Er hält sein Versprechen.“

Meine Patentante Renate war so eine Frau, die an diesem Glauben festhielt. Sie war eine begeisterte Pfarrfrau, fröhlich und herzlich. Dabei hätte sie allen Grund zum Jammern gehabt. Ihre Tochter bekam als Kind Leukämie. 11 Jahre Hoffen und Bangen. Dann starb sie, mit 22 Jahren. Damals sagte Tante Renate zu mir: „Ich halte mich fest an dem Satz von Jesus: An jenem Tage werdet ihr mich nichts mehr fragen.“ (Joh. 16,23) Weil es im Himmel Antwort gibt.

Doch damit nicht genug. Mit Anfang 50 wurde bei Tante Renate Krebs festgestellt. Sie wusste, dass sie nicht mehr gesund werden würde. Aber nicht, dass sie sich nun hängen ließ und nur noch über ihre Krankheit sprach. Ihr Mann und sie kauften eine teure Orgel für zuhause. Daran freute sie sich wie ein Kind. Ich denke an einen Besuch bei ihr. Sie hatte starke Schmerzen. Doch zum Kaffeetrinken wünschte sie sich das Lied: „Lobe den Herren“. Ich konnte vor Tränen nicht mitsingen. Aber sie spielte auf ihrer Orgel und sang dazu laut alle fünf Strophen: „...der dir Gesundheit verliehen, dich freundlich geleitet. In wie viel Not hat nicht der gnädige Gott über dir Flügel gebreitet“. Ich konnte es nicht fassen, aber Tante Renate hatte mit dem Text offenbar keine Probleme.

Mit Mut und Tatkraft ging sie an, was noch zu regeln war. Die Lieder und den Bibelvers für ihre Beerdigung suchte sie selber aus und schrieb sie auf. Ein weißer Sarg und das Lied: „In dir ist Freude in allem Leide oh du süßer Jesus Christ.“

Um Jerusalem herum sind Berge. Jerusalem war für die Christen seit jeher auch ein Sehnsuchtsort. Ein Bild für das ewige Leben bei Gott, wo es kein Leid und keinen Tod mehr gibt. Und in diesem himmlischen Jerusalem, da werden auch Tante Renates Fragen beantwortet werden.

Sie möchten noch tiefer in die Bibel eintauchen? Wir empfehlen unsere Sendereihe:

Anstoß

Ihr Kommentar

Die E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.
Alle Kommentare werden redaktionell geprüft. Wir behalten uns das Kürzen von Kommentaren vor. Ein Recht auf Veröffentlichung besteht nicht.

Kommentare

Rainer /

Hallo Frau Parasie, vielen Dank für die anschauliche Darstellung und die sehr persönlichen Worte. Gott segne Sie weiterhin reichlichst.

Erich /

Liebe Frau Parasie,
vielen Dank für diese starke Andacht. Es hat mich sehr berührt, dass und wie Sie die Erfahrungen und das unerschütterliche Gottvertrauen Ihrer Patentante mit uns geteilt haben.
schalom erich