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/ Wort zum Tag

Worte haben Macht

Janine Haller über Johannes 1,1–3.

Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Dasselbe war im Anfang bei Gott. Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist.

Johannes 1,1–3

Als Teenager habe ich meine Grenzen ausgetestet - wie meine Klassenkameraden auch. Nicht so sehr mit Taten, sondern eher mit Worten. Meine Pflegemutter hat mich mehr als einmal zurechtgewiesen, dass sie gewisse Worte nicht von mir hören wolle. Über die Jahre habe ich gelernt: Sprache hat Macht. Das spüren wir spätestens dann, wenn uns Aussagen eines anderen verletzen. Viel schlimmer noch, wenn sie uns kaputtmachen.

Demgegenüber stehen heute wunderbare Worte aus dem Anfang des Johannesevangeliums: Am Anfang war das Wort. Das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott selbst. Von Anfang an war es bei Gott. Alles wurde durch das Wort geschaffen; nichts ist ohne das Wort entstanden.(Joh 1,1-3 HFA)

Was beim ersten Hören philosophisch klingt, ist bei näherer Betrachtung wahnsinnig spannend. Johannes schafft es, in nur wenigen Sätzen viel Wichtiges zu verpacken. Mich erinnert der erste Teil an die Schöpfungsgeschichte. Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Alles entstand, weil Gott sprach. Gottes Wort hat Schöpfungsmacht.

Da stellt sich mir die Frage: Welche Macht haben meine Worte? Bin ich mir der Bedeutung und Macht meiner Worte überhaupt bewusst?

Vor Jahren gab es einen Hollywood-Film, in dem der Hauptdarsteller noch 1000 Worte sprechen durfte, dann würde sein Leben enden. Während die Wörter anfangs noch sprudelten, wurde er immer bedächtiger mit seinen Worten. Ich finde, diese fiktive Geschichte zeigt sehr gut, wie wichtig Sprache für unsere zwischenmenschlichen Beziehungen ist. Diese sind immer wieder sehr zerbrechlich: Versteht mein Gegenüber meine Worte? Interpretiert er das Gesagte so, wie ich es tatsächlich gemeint habe? Oder manipuliere ich gar den anderen mit meinen Worten?

Jesus sagt in seiner berühmtesten Rede, in der Bergpredigt: Ihr seid das Salz der Erde. (Mt 5,13)

Damit Essen schmeckt, salzen wir es. So soll unser Leben reden. Dabei meine ich nicht, jedem Honig um den Bart zu schmieren. Unsere Worte sollen die leckere Würze im Leben des anderen sein. Auf die richtige Dosierung oder Würze kommt es eben an. Worte haben Macht, und es liegt in meiner Entscheidung, wie ich diese Macht nutze.

Vielleicht ist heute ein guter Tag, die Schöpfungsmacht der Worte zu nutzen, um bei meinem Gegenüber mit meinen Worten ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern.

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Kommentare

Herbert L. /

Liebe Frau Haller,
vielen Dank für die interessante Andacht. Können sie mir bitte den Titel des Hollywood Films verraten? Vielen Dank.
Herzliche Grüße
Herbert Laupichler