/ Das Gespräch
Die Dolmetscherin
Titus Müllers Roman über die Nürnberger Prozesse und die Gräuel der Nazizeit.
1 Milliarde Reichsmark Enschädigung sollen die Juden durch die entstandenden Schäden während der Reichspogromnacht am 9. November 1938 an das Deutsche Reich zahlen, ohne, dass sie ihre Versicherungen in Anspruch nehmen dürfen – so stellt es sich Reichsmarschall Hermann Göhring vor, der ewige zweite Mann hinter Adolf Hitler. Die vernichteten Werte empören ihn, die durch die SA geschundenen und misshandelten Menschen lassen Göhring, der sich selbst gerne wie einen Operettenherrscher und guten "Onkel Hermann" inszeniert, kalt.
Der aufsehenerregendste Prozess der bisherigen Weltgeschichte
Sieben Jahre später steht Göhring vor Gericht. Der Krieg ist verloren, und gegen Göhring und weitere 23 führende Männer des Naziregimes beginnen am 20. November 1945 die sogenannten Nürnberger Prozesse, bis zu diesem Zeitpunkt einmalig in der Weltgeschichte; geführt von den vier Siegermächten USA, Großbritanien, Frankreich und der UdSSR.
Der Autor und Historiker Titus Müller schildert in seinem Spiegel-Bestseller-Roman "Die Dolmetscherin" den Prozess und das zerrissene Leben der Menschen, das sich um den Prozess herum abspielt, aus der Perspektive der jungen Asta, die als Dolmetscherin das Geschehen im Gerichtssaal hautnah miterlebt und damit nocheinmal eintauchen muss in die Gräuel der Nazidiktatur.
Verbrechen gegen die Menschlichkeit als neuer juristischer Begriff
Im Gespräch mit ERF Moderator Andreas Odrich berichtet Titus Müller, warum er seinen Verlag zunächst überzeugen musste, diesen bedrückenden Stoff aufzugreifen ("Ich musste es tun, weil wir daran erinnern müssen!"), warum dieser Prozess einen bis zu diesem Zeitpunkt einzigartigen Platz in der Weltgeschichte einnahm, und dass das Wort vom "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" als juristischer Begriff hier geprägt wurde.
Titus Müller berichtet aber auch davon, wie und warum er die Hoffnung nicht aufgibt, dass sich langfristig die christlich-jüdischen Werte von der Einzigartigkeit und Schutzbedürftigkeit jedes einzelnen Menschen durchsetzen werden.
Historische Stoffe in spannenden Spionageromanen
"Die Dolmetscherin" reiht sich ein in eine ganze Reihe von Romanen, in denen Titus Müller selbstbewusste junge Frauen als Hauptfiguren in die Geschehnisse in Deutschland nach Ende des zweiten Weltkriegs und in die Wirren des sogenannten Kalten Krieges zwischen Ost und West einbindet, wo sie sich im Kampf der widerstreitenden Systeme behaupten müssen, um zu ihrer eigenen Haltung zu gelangen; sei es zu Zeiten der Blockade und der Luftbrücke, dem Arbeiteraufstand in der DDR rund um den 17. Juni 1953, oder dem Bau und Fall der Mauer.
Müllers Romane gelten als historisch sauber recherchiert und faktenfest, auch bezüglich des immer wiederkehrenden Motivs der Spionage und Agententätigkeit, das jeweils den nötigen Spannungsbogen liefert und die Leser trotz der schwierigen Themen fesseln soll.
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