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Zugehörig

Der Bibeltext Galater 2,1-10 – ausgelegt von Frank Fenske.

Danach, vierzehn Jahre später, zog ich abermals hinauf nach Jerusalem mit Barnabas und nahm auch Titus mit mir. Ich zog aber hinauf aufgrund einer Offenbarung und legte ihnen, besonders denen, die das Ansehen hatten, das Evangelium dar, das ich predige unter den Heiden, auf dass ich nicht vergeblich liefe oder gelaufen wäre. Aber selbst Titus, der bei mir war, ein Grieche, wurde nicht gezwungen, sich beschneiden zu lassen.[...]

Galater 2,1–10

Mitglied sein – und doch nicht dazugehören?

Wie gehöre ich dazu? Diese Frage taucht in meinem Leben immer wieder auf. Vordergründig kann ich diese Frage oft schnell beantworten: Ich muss nur eine Vereinsmitgliedschaft unterschreiben. Gehöre ich dann mit dem offiziellen Eintritt in den Verein wirklich dazu? Bin ich angenommen und willkommen? Aus so manchem Verein bin ich nach kurzer Zeit wieder ausgetreten. Denn ich stellte fest: Die offizielle Mitgliedschaft ist das eine. Die andere Seite sind die Erwartungen der Menschen an mich. Nicht immer kann ich diese Erwartungen erfüllen. Folglich werde ich nicht angenommen. Im Galaterbrief behandelt Paulus genau diese Frage. Allerdings geht es Paulus nicht um eine bloße menschliche Vereinsmitgliedschaft. Vielmehr geht es ihm um die Frage: Wie gehöre ich bei Gott dazu? Wie bin ich bei Gott angenommen?
 

Ein Evangelium für Juden und Heiden

Nach immerhin vierzehn Jahren kommt Paulus erneut nach Jerusalem. Er bespricht sich mit den dortigen Aposteln. Er erzählt ihnen das Evangelium, welches er unter den Heiden predigt. Er tauscht sich mit ihnen aus. Er möchte wissen: Was haltet ihr von meiner Botschaft? Paulus weiß: Die Apostel in Jerusalem verkündigen das Evangelium unter den Juden. Ist seine Botschaft mit deren Botschaft kompatibel? Oder gibt es Unterschiede? Diese Frage möchte Paulus klären. Es ist ihm ein Anliegen, dass die Einheit der Apostel bestehen bleibt. Die Zielgruppen mögen unterschiedlich sein. Das Evangelium soll dasselbe sein: „Heiden und Juden sind bei Gott angenommen, wenn sie an Jesus glauben. Die Zugehörigkeit zu Gott ist dabei unabhängig von der Einhaltung der jüdischen Gesetze.“ Schnell wird im Gespräch deutlich: Die Botschaft beider Seiten stimmt überein. Titus, ein Grieche und Heidenchrist, den Paulus mitgenommen hat, ist der Testfall. Obwohl er nicht beschnitten ist, zwingt ihn keiner der Jerusalemer Apostel zur Beschneidung. Beide Seiten sind sich einig: Allein der Glaube an Jesus Christus ist der Schlüssel, um bei Gott dazuzugehören. Wir müssen nichts weiter tun. Daher ist es nur logisch, dass Titus sich nicht beschneiden lassen muss. Denn sein Glaube an Jesus reicht aus.
 

Wenn Gebote wichtiger werden als Gnade

Obwohl Paulus sich in dieser zentralen Frage mit den Aposteln in Jerusalem einig ist, stellt er fest: Es haben sich einige falsche Brüder in die Gemeinde gedrängt. Sie sind gar nicht gefragt worden. Sie spielen sich einfach als Apostel auf. Sie wollen die Gemeinde zum Einhalten der Gesetze zwingen. Besonders wichtig ist ihnen das Gebot der Beschneidung. Sie sagen: „Ohne die Einhaltung der jüdischen Gesetze könnt ihr nicht selig werden.“

Mit dieser Aussage wird aber die Botschaft des Evangeliums angegriffen. Nicht das Einhalten irgendwelcher Gebote lässt uns zu Gott gehören. Allein der Glaube an Jesus und die Gnade Gottes ist es. In dieser Frage gibt es keinen Spielraum für Kompromisse. Daher stellt sich Paulus gemeinsam mit den Jerusalemer Aposteln entschlossen und vor allem einheitlich gegen diese Brüder. Er schreibt: „Denen wichen wir auch nicht eine Stunde und unterwarfen uns ihnen nicht, damit die Wahrheit des Evangeliums bei euch bestehen bleibe.“

Ich frage mich: Gibt es auch heute noch solche Brüder und Schwestern? Gibt es auch heute noch Christen, die das Einhalten der Gesetze und Gebote höher erachten als die Gnade?

Vor einigen Jahren erlebte ich in meinem Leben einen schweren Bruch und einen tiefen Einschnitt. Ich gestand vor Gott ein: Ich bin gescheitert. In dieser Situation kamen ein paar Brüder und Schwestern auf mich zu. Sie redeten auf mich ein. Sie vermittelten mir den Eindruck: Durch dein Scheitern hast du nun die Gnade Jesu verspielt. In einer anderen Situation erlebte ich, wie einem Mitbruder gar gedroht wurde: „Gott wird dir nun seinen Segen entziehen.“ Solchen Brüdern und Schwestern tritt Paulus entschieden entgegen. Gott entzieht niemandem aufgrund seines Scheiterns seinen Segen. Unsere Identität vor Gott gründet sich auf Jesus und eben nicht auf eine makellose Lebensgeschichte. Wir gehören zu Gott, weil wir an Jesus als unseren Erretter glauben, und eben nicht, weil wir alle Gebote fein säuberlich eingehalten haben. Der heutige Bibeltext fordert mich heraus: Vertraue ich wirklich darauf, dass Gottes Gnade und der Glaube an Jesus allein genügt? Oder meine ich: Ich muss mir Gottes Liebe doch durch das Einhalten der Gebote verdienen? Ich begriff damals während meiner Auszeit im Kloster und auch durch den Zuspruch von anderen Brüdern und Schwestern die Botschaft des Evangeliums ganz neu. Mir wurde durch Jesus zugesprochen: Du darfst unvollkommen sein. Meine Gnade weicht nicht von Dir. Du gehörst weiterhin zu mir, auch wenn Du nicht alle Gebote gehalten hast. Dein Glaube an mich reicht aus. Es gibt keine Ausnahme. Das ist das Evangelium.
 

Allein deine Gnade genügt

Selbstverständlich bedeutet dies nicht, dass die Gebote Gottes unwichtig sind. Paulus selbst fordert mich an anderen Stellen zu einem heiligen Leben auf. Er spricht auch an zahlreichen Stellen die Sünde klar und deutlich an. Es bleibt aber dabei: Ich gehöre zu Gott, wenn ich an Jesus als meinen Erretter glaube. Jeder, der diese Botschaft infrage stellt und meint zu wissen, dass es gewisse Sünden gibt, die von der Gnade Gottes ausgenommen sind, der verfälscht das Evangelium.

Haben Sie diese Botschaft des Evangeliums bereits innerlich begriffen? Sind Sie sich dieser Gnade allein aus Glauben im tiefsten Herzen bewusst? Oder denken Sie, dass Sie sich die Liebe Gottes durch das Einhalten der Gebote verdienen müssen? Dann ermutige ich Sie: Kommen Sie ganz neu zu Jesus. Nehmen Sie seine Gnade und Liebe ganz neu an. Er möchte auch Sie heilen von Ihrem Leistungsdruck. Er möchte Sie in die Freiheit führen. Er möchte Ihnen ganz neu seinen Frieden schenken, auch und gerade dann, wenn Sie schwach sind und versagt haben. So können Sie dankbar zusammen in das Lied von Martin Pepper und Ken Janz einstimmen: „Allein deine Gnade genügt, die in meiner Schwachheit Stärke mir gibt, ich geb’ dir mein Leben und was mich bewegt. Allein deine Gnade genügt.“

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