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/ Bibel heute

Kein anderes Evangelium!

Der Bibeltext Galater 1,6-9 – ausgelegt von Marina Helmerich.

Mich wundert, dass ihr euch so bald abwenden lasst von dem, der euch berufen hat in die Gnade Christi, zu einem andern Evangelium, obwohl es doch kein andres gibt. Es gibt nur einige, die euch verwirren und wollen das Evangelium Christi verkehren. Aber selbst wenn wir oder ein Engel vom Himmel euch ein Evangelium predigen würden, das anders ist, als wir es euch gepredigt haben, der sei verflucht.[...]

Galater 1,6–9

Ein anderes Evangelium?

Ich glaube an Jesus Christus. Aber reicht das aus? Muss ich mich beweisen und ein gutes christliches Leben führen, damit ich wirklich errettet bin? Im heutigen Bibeltext wird diese Frage deutlich.

Paulus ist erschüttert. Seine Briefe an Gemeinden beginnt er sonst immer mit Dank gegenüber Gottes Wirken und Lob für die Gemeinde, die er anschreibt. Diesmal nicht. Er kommt ohne weitere Umschweife direkt zur Sache. Er kann es nicht fassen, wie schnell die Gemeindemitglieder in Galatien sich von Jesus Christus abwenden, der sie durch seine Gnade berufen hat. Und nicht nur das, sie wenden sich einem anderen Evangelium zu. Die Reaktion von Paulus zeigt mir, dass er nicht toleriert, wenn jemand das Evangelium verdreht oder verändert.
 

Gottes Geschenk – ganz ohne Gegenleistung

Evangelium – das griechische Wort bedeutet einfach „gute Nachricht“ oder „Frohe Botschaft“. Wenn das Wort im christlichen Glauben verwendet wird, beschreibt es, dass Jesus Christus als wahrer Gott und wahrer Mensch für unsere Sünden am Kreuz gestorben und nach drei Tagen auferstanden ist.

Dadurch hat Jesus den Menschen wieder Zugang zu Gott und das ewige Leben ermöglicht. Seine stellvertretende Tat reicht für jeden Menschen aus, um gerettet zu werden. Es ist sein Geschenk an die Menschen. Ich darf dieses Geschenk einfach annehmen. Damit beginnt christlicher Glaube und damit ist meine Errettung vollendet. Ich kann diesem Geschenk nichts hinzufügen. Meine guten Taten, meine Disziplin, mein frommes Auftreten – nichts davon kann mich retten oder meine Erlösung aufwerten. Sie bleibt Gottes Geschenk, kein Lohn, den ich verdienen kann.

Ich persönlich schenke gerne – auch ohne besonderen Anlass. Zum Beispiel lade ich bei einem gemeinsamen Essen gerne die andere Person ein. Dieses Geschenk ist kein Tausch. Wer schenkt, erwartet nichts zurück. Genauso ist es bei Gott: Er bietet den Menschen ein Geschenk an, ganz ohne Gegenleistung. Ich darf es annehmen, ohne beweisen zu müssen, dass ich es verdient habe.
 

Gnade statt Eigenleistung

Unter den Christen in Galatien herrscht offensichtlich die Meinung, dass der Mensch seine Errettung mitverdient. Paulus schreibt von Menschen, die verwirren und das Evangelium verdrehen. Im weiteren Verlauf des Briefes wird deutlich, dass manche Lehrer jüdische Vorschriften wie Beschneidung und Speisegebote zur Bedingung machen, um zu Gottes Volk zu gehören. Paulus sieht darin keine fromme Ergänzung, sondern eine Verdrehung des Evangeliums: Dem, was Jesus für mich getan hat, wird eine Eigenleistung hinzugefügt. Meine Rettung wird demnach davon abhängig, ob ich mich richtig verhalte.

Paulus geht entschieden dagegen vor. Er sagt sinngemäß: Ihr wendet euch woanders hin, obwohl es gar kein „anders“ gibt. Das, was da gelehrt wird, ist in Paulus’ Augen kein legitimes alternatives Evangelium, sondern überhaupt kein Evangelium.

Dieses Evangelium, das gar keins ist, bringt Unruhe statt Frieden. Es führt Menschen auf Abwege und lässt sie fragen: Reicht das, was ich tue? Was muss ich noch anders machen, um wirklich gerettet zu sein?

Als ich neun Jahre alt war, habe ich das Geschenk, das Jesus mir gemacht hat, angenommen. Jesus hat mich aus der Gottesferne errettet. Er hat mir vergeben und ich bin ein Kind Gottes geworden.

Seitdem sind viele Jahre vergangen. Es gab Zeiten, in denen ich Gott treu war, und Zeiten, in denen ich schuldig geworden bin. Aber weder das Gute noch das Schlechte kann etwas daran ändern: Jesus hat mich erlöst und gerettet. Ich komme auch mit meinen Sünden immer zu ihm. Jesus vergibt mir, wenn ich ihn ernsthaft darum bitte und Buße tue. Das ist Gnade.

Aber kann ich daraus nun die Schlussfolgerung ziehen, dass ich mich nicht zu ändern brauche? Nein. Auch das wäre eine Verfälschung dessen, was Jesus gesagt hat. Gnade bedeutet nicht, dass Sünde einfach gebilligt wird. Gnade bedeutet, dass ich errettet bin. Auch wenn ich in meinem Leben immer wieder Fehler mache. Und von Jesus kann ich mich durch seine Gnade liebevoll verändern lassen. Dadurch wird es mir und meinen Mitmenschen besser gehen.

Jesus sagt: Tut Gutes. Liebt einander. Ändert euer Leben und seid gehorsam gegenüber Gottes Geboten. Weil er es gut mit mir meint. Die Lebensveränderung bleibt immer die Folge meiner Rettung, nicht der Preis. Meine Anstrengung darf nicht zur Bedingung meiner Rettung werden.

Stellen Sie sich mal vor: Einer Person ist etwas im Glauben sehr wichtig geworden – zum Beispiel das tägliche Bibellesen und die Gemeinschaft mit Gott. Es tut ihr gut, und sie merkt, wie sich ihr Alltag dadurch verändert. Das ist wunderbar! Doch sie soll darauf achten, diese gute Sache als Folge ihrer Errettung zu sehen. Aus Liebe zu Jesus freut sie sich daran, ihn immer besser kennenzulernen.

Ein Trugschluss ist, die Erlösung an dieser Tat festzumachen. Überheblich zu werden und sich selbst oder andere zu verurteilen, wenn eine gute geistliche Disziplin mal wegfällt – so geht Jesus nicht mit Menschen um.
 

Prüfen, worauf ich mich verlasse

Aber verstehen Sie mich nicht falsch.

Misstrauen Sie nicht gleich jedem, der Ihnen einen guten Tipp fürs Gebet gibt oder davon erzählt, wie er mit Menschen über Gott spricht. Schauen Sie einfach genau hin: Wird hier eine menschliche Sache zur Bedingung dafür gemacht, dass Sie erlöst sind? Oder sehen Sie eine Bereicherung für Ihr bereits erlöstes Leben, um Gott noch besser kennenzulernen und im Glauben zu wachsen?

Entscheidend ist nicht, wer etwas sagt oder wie überzeugend eine Botschaft rübergebracht wird. Entscheidend ist, ob die Botschaft mit dem Evangelium übereinstimmt, das die Bibel bezeugt.

Wer sich von diesem Evangelium abwendet, wendet sich von Christus selbst ab.

Paulus betont zweimal, dass das Evangelium nicht verändert werden darf, weder durch ihn selbst noch durch irgendjemanden, nicht einmal durch einen Engel. Wer das Evangelium an Bedingungen knüpft, verkündet kein echtes Evangelium und soll laut seinen Worten verflucht werden. Paulus warnt deshalb so eindringlich, weil er sich um die Menschen sorgt, die dadurch auf Abwege geraten. Er möchte sie davor bewahren, sich von Jesus abzuwenden und einem Irrglauben zu folgen, der nicht retten kann. Denn nicht menschliche Leistung rettet, sondern allein das Geschenk Jesu Christi.

Ich höre diese Worte mit zwei Ohren. Zum einen bin ich selbst dazu aufgerufen, zu prüfen, was ich höre. Auch wenn es eine angesehene Person ist, übernehme ich deren Worte nicht, ohne sie mit dem Wort Gottes abzugleichen.

Zum anderen darf ich selbst weitergeben, was Gott mir und meinen Mitmenschen zuspricht – liebevoll, klar, ohne eigene Bedingungen hinzuzufügen. Dabei bleibe ich demütig, denn ich weiß, auch ich kann mich irren.

Vielleicht nehmen Sie heute diese Frage mit: Worauf verlasse ich mich? Auf Jesus Christus oder zusätzlich auf mein Beten, In-der-Bibel-Lesen und Gutes-Tun? Diese Dinge sind wertvoll und die Folge davon, wenn Jesus Ihnen bereits die Errettung geschenkt hat. Das Evangelium darf nicht verschärft oder abgeschwächt werden.


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