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/ Bibel heute

Das ist nicht fair!

Der Bibeltext Johannes 3,22-36 – ausgelegt von Jan-Pierre van Rooyen.

Danach kam Jesus mit seinen Jüngern in das Land Judäa und blieb dort eine Weile mit ihnen und taufte. Aber auch Johannes taufte in Änon, nahe bei Salim, denn es war da viel Wasser; und sie kamen und ließen sich taufen. Johannes war ja noch nicht ins Gefängnis geworfen.[...]

Johannes 3,22–36

Neid – eine Gefahr für unser Inneres

Ein gesunder Sinn für Gerechtigkeit ist etwas Wertvolles. Doch in dieser Welt geht vieles nicht gerecht zu. Erfolg und Misserfolg, Reichtum und Armut, Gesundheit und Krankheit und anderes mehr sind ungleich verteilt. Warum kann sich mein Nachbar ein neues Auto leisten und ich nicht? Mein Gerechtigkeitssinn ist gekränkt. Aus dem inneren Schmerz entsteht leicht Streit, Missgunst und Neid.

Wenn die Krankheit des Neides mit Gottes Hilfe nicht ordentlich behandelt wird, kann sie mein ganzes Inneres vergiften. Plötzlich erscheint mein Mitmensch mir als Rivale, ja als Gegner.

Auch Christen haben immer wieder mit Gefühlen des Neides zu kämpfen. Im letzten Herbst besuchte ich im Rahmen meiner Arbeit für die Evangelische Karmelmission einige Gemeindeleiter in einem nordafrikanischen Land. In diesem muslimischen Land gibt es keine Religionsfreiheit. Muslime, die zum Glauben an Jesus finden, müssen sich in Untergrund-Hausgemeinden heimlich zum Gottesdienst treffen. Ich traf mich mit Leitern solcher Hausgemeinden. Unter anderem fragte ich sie auch nach ihren Gebetsanliegen. „Betet für unsere Einheit", sagten sie mir. „Wir haben mit Neid und mit Streit bei uns zu kämpfen."

Neid und Streit versauern das Leben und die Gemeinschaft untereinander.
 

Johannes der Täufer und die Eifersucht seiner Jünger

Auch der heutige Bibelabschnitt berichtet uns von einem Streit. Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht Johannes der Täufer. Er war ein wirkmächtiger Prophet. Alle sprachen über ihn. Viele Menschen kamen und hörten seinen Predigten zu. Als Zeichen ihrer Umkehr zu Gott ließen sie sich von Johannes taufen. Viele von ihnen identifizierten sich dann als „Jünger des Johannes" mit dessen Dienst. Vielleicht wollte der eine oder andere auch auf der Welle seines geistlichen Erfolgs reiten.

Doch dann gerät die Bewegung ins Stocken. Ein neuer Name ist in aller Munde: Jesus von Nazareth. Ihm strömen nun die Menschenmengen zu. Inzwischen sind seine Treffen besser besucht als die des Johannes. Auch dort finden viele Taufen statt.

Einige Nachfolger von Johannes fühlen sich von dieser neuen Dynamik bedroht. Es kommt zum Streit, womöglich auch darüber, welche Taufe denn nun die Bessere sei.

Schließlich gehen einige seiner Jünger zu Johannes. Sie fordern ein Statement von ihm ein. Sieht er denn nicht, dass sein geistliches Lebenswerk in Gefahr ist?

Die Bibelübersetzung „Hoffnung für alle" formuliert es in Johannes 3,26 so: „Rabbi, der Mann, der damals am anderen Jordanufer zu dir kam und auf den du die Menschen hingewiesen hast, der tauft jetzt selber. Alle Leute gehen zu ihm, anstatt zu uns zu kommen!“

In diesen Worten höre ich verletzten Stolz und heimlichen Neid. Wir waren doch zuerst da. Wir haben der anderen Seite sogar geholfen! Und jetzt sind die auf der Überholspur, und wir haben das Nachsehen! Das ist nicht fair!
 

Das Christus-Prinzip: Er muss wachsen, ich muss abnehmen

Wie wird Johannes der Täufer auf die Worte seiner gekränkten Jünger reagieren? Er bleibt gelassen. Johannes hat klar im Blick behalten, dass sein Dienst kein Selbstzweck ist. Nein, er ist nur ein Wegbereiter. Er soll die Menschen auf den Messias, auf Jesus Christus, vorbereiten.

Ich möchte seine Reaktion mit meinen eigenen Worten umschreiben:
„Warum sollte ich neidisch auf den Erfolg von Jesus sein? Gott hat es doch so zugeteilt! Ihr habt's gerade selbst erwähnt. Nicht ich, sondern Jesus ist der seit langem erwartete Messias! Mein großes Vorrecht ist es, die Menschen auf ihn hinzuweisen.

Es ist wie bei einer Hochzeit. Jesus Christus ist der himmlische Bräutigam. Alle Menschen, die an Jesus glauben, sind seine Braut. Am Ende soll es ein möglichst großes Fest mit möglichst vielen Menschen geben. Darum soll Christus immer mehr im Fokus stehen.

Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen."

Mit diesem Satz hat Johannes der Täufer eine wichtige Haltung formuliert. Ich nenne es das Christus-Prinzip. Jesus Christus soll in meinem Leben immer wichtiger werden. In meinen Taten soll Christus immer mehr durchschimmern. Andere Menschen sollen durch mich zu Christus hingezogen werden – wie bei Johannes dem Täufer.

Wenn ich Christus in meinem Leben habe, weiß ich mich reich beschenkt. Im Psalm 73, Vers 25 steht: „Wenn ich dich nur habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde." (Psalm 73,25)

Wenn ich auf Christus blicke, dann beginne ich ihn plötzlich sogar in meinen Mitmenschen zu entdecken. Konkurrenzgehabe, Neid und Streit finden keinen Platz mehr.

Der Apostel Paulus wünscht sich ein so durch Christus geprägtes Leben für alle an Christus gläubigen Menschen. In der Bibelübersetzung „Hoffnung für alle" heißt es im Philipperbrief, im 2. Kapitel, in den Versen 3 bis 5:

„Weder Eigennutz noch Streben nach Ehre sollen euer Handeln bestimmen. Im Gegenteil: Seid bescheiden und achtet den anderen mehr als euch selbst. Denkt nicht an euren eigenen Vorteil. Jeder von euch soll das Wohl des anderen im Auge haben. Nehmt euch Jesus Christus zum Vorbild." (Philipper 2,3-5)
 

Die frohe Botschaft: Ewiges Leben durch Christus

Aber warum genau ist Jesus Christus so wichtig, dass er sogar mein Denken und Verhalten anderen gegenüber bestimmen soll?

Der Grund dafür wird in den Versen 31 bis 36 im Kapitel 3 vom Johannesevangelium zusammengefasst (Johannes 3,31-36). Jesus kam aus Gottes Welt zu uns. Der Sohn Gottes hat Gottes Botschaft zuverlässig zu uns gebracht. Indem Gott den Heiligen Geist durch Jesus in grenzenloser Fülle wirken ließ, hat er dessen Dienst übernatürlich bestätigt.

Darum, wer Jesus Vertrauen schenkt, wird in Ewigkeit mit Gott leben. Wer aber seine Botschaft ablehnt, bleibt auf Dauer von Gott getrennt. Das ist das Evangelium, die frohe Botschaft: Christus hat die Mauer der Schuld zu Gott abgerissen. Wer dem Sohn Gottes sein Leben anvertraut, der empfängt durch ihn ewiges Leben.

Ich freue mich, weil ich durch den Glauben zu Jesus Christus gehöre. Einmal werde ich bei ihm sein. Dann werde ich zusammen mit vielen anderen ein großes Fest mit ihm feiern.

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