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/ Bibel heute

Die Zehn Gebote

Michael Oberländer über 2. Mose 20,1-21.

Und Gott redete alle diese Worte: Ich bin der HERR, dein Gott, der ich dich aus Ägyptenland, aus der Knechtschaft, geführt habe. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.[...]

2. Mose 20,1–21

Es ist beinah‘ sträflich, diese wunderbaren Worte in wenigen Minuten betrachten zu wollen. Aber einen Überblick können Sie gewinnen. Es geht um die Zehn Worte, wie Gottes guter Wille in der hebräischen Bibel genannt wird. Sie geben grundlegende Weisungen für das Leben mit Gott und Menschen. Sie wollen das Leben gelingen lassen. Die Zehn Worte haben mit Gesetz, wie wir es kennen, wenig zu tun. Sie werden eingeleitet mit den Worten: „Ich bin der HERR!“, eigentlich: „Ich bin Jahwe, dein Gott.“

Der Gottesname Jahwe bedeutet: Ich bin für dich da und werde immer für dich da sein. Die Zehn Worte beginnen also mit einer Zusage! Gott selbst sagt sich seinem Volk zu! Der Ewige will kein Rechtsverhältnis; er will eine Herzensbeziehung zu seinen Leuten. Darum sagt Gott ihnen zuallererst sein eigenes Herz zu: „Ich bin der Herr, dein Gott, der ich dich aus Ägyptenland, aus der Knechtschaft, geführt habe.“

Vor allen Weisungen sagt uns unser Gott: Ich greife ein in die Geschichte dieser Welt! Ich bin der wirkmächtige Gott und Vater, der nicht irgendwo überm Sternenzelt wohnt, sondern sich um euretwillen, um deinetwillen einmischt.

Ich bin der Chef im Ring!

Ist das nicht wunderbar? Damit unser Leben gelingt, will der allmächtige Gott dort sein, wohin er als einziger gehört: In den Mittelpunkt - keine anderen Götter daneben!

Die Beziehung zu ihm kann durch nichts und niemanden ersetzt werden. Die eigenen Bilder und Vorstellungen, die wir uns von Gott machen, sind häufig irreführend. Die fremden Bilder und Vorstellungen, die andere uns von Gott anbieten, sind oftmals nicht wegweisend, sondern weg-weisend.

Darum gilt: Gott lässt sich nicht einfangen oder festlegen auf ein Bild. Er bleibt unverfügbar und dennoch nahe bei seinen Menschen. Klarer Fall, dass auch sein Name etwas Besonderes ist! Er will recht gebraucht und nicht für eigene Zwecke missbraucht oder gar instrumentalisiert werden. Dieser Name ist den jüdischen Menschen so heilig, dass sie ihn nicht aussprechen. Für sie ist er Ha-Schem Ha-Mephorasch, der spezielle, der besondere Name. Dieser durfte nur im späteren Tempelgottesdienst ausgesprochen werden.Ansonsten sagte und sagt man Adonai, Herr, oder Hashem – der Name.

Erst der Messias soll diesen Namen wieder öffentlich aussprechen. Spüren wir etwas davon, wie ungeheuer wertvoll es ist, dass wir Gott mit seinem Vaternamen ansprechen dürfen? Vaterunser im Himmel ...

Wem das klar geworden ist, der geht achtsam mit diesem Namen um und dem geht auf, wie fürsorglich auch Gottes nächstes Wort gemeint ist: „Sechs Tage sollst du arbeiten, ... aber am siebenten Tag ist der Sabbat des Herrn, deines Gottes. Da sollst du keine Arbeit tun.“

Gott ist der Befreier, der aus ALLER Sklaverei führt – auch aus der Sklaverei des Müssens, der Rastlosigkeit, aus dem Gedanken: „Ich bin ja ach so unersetzlich, ohne mich geht’s nicht!“

Darum will er, dass wir zur Ruhe kommen und uns Pausen gönnen; dass wir sechs Tage arbeiten und am siebten Tag ruhen. Wir brauchen Erholung an Leib, Seele und Geist. Am Sonntag soll Zeit sein, sich zu freuen an Gottes Schöpfung, Beziehungen in der Familie, der Gemeinde und mit Freunden zu pflegen, aber vor allem Zeit für Gott.

Martin Luther erklärt dieses Wort so: „Wir sollen Gott fürchten und lieben, dass wir die Predigt und sein Wort nicht verachten, sondern dasselbe heilighalten, gerne hören und lernen.“

Vaterunser im Himmel ...

Damit das Leben gelingt, gibt Gott gute Weisungen für das Leben seiner Menschen miteinander.  „Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren.“ Diese Worte sind hineingesprochen in eine Zeit und Gesellschaft, in der es keine Renten, keine Sozialhilfe und keine ergänzenden Hilfen zum Lebensunterhalt gab.Die Eltern ehren, das hieß vor allem, sie zu versorgen mit allem Lebensnotwendigen, wenn sie alt und gebrechlich geworden waren. Immer wieder tritt Gott ein für die Armen, Waisen und Witwen. Er sorgt sich um die, die alt und schwach werden und beauftragt die Starken: Kümmert euch! Wie wir mit schwach gewordenen und alten Menschen umgehen, hat unmittelbar mit Gott selbst zu tun.

Darum liegt nahe, was im nächsten der Zehn Worte gesagt wird: „Du sollst nicht töten.“ Genauer heißt es: „Du sollst, du wirst nicht morden.“ Gott ist Schöpfer und Erhalter, der Liebhaber des Lebens! Gottes uneingeschränktes Ja zum Leben gilt. Es gilt für das ungeborene Leben, für das versehrte, behinderte oder hochbetagte, gebrechliche Leben. Es ist uns Menschen verwehrt, das Leben zu nehmen – sei es durch Totschlag, Mord, Abtreibung oder selbst durch das Töten mit verletzenden Worten oder dass wir einen Menschen in Gedanken für tot erklären.

Stattdessen sind wir berufen, das eigene Leben und das Leben anderer zu ermöglichen, zu fördern und zu schützen. Gelingendes Leben wird gefördert durch die Treue, die das Miteinander in der kleinsten Zelle der Gesellschaft schützt: „Du sollst nicht ehebrechen.“ Gott will, dass Ehepartner ein Leben lang in Liebe und Treue miteinander verbunden sind. Auf dem Weg der Treue soll die Untreue schon im Ansatz entlarvt und beendet werden. Wie schnell geht auch das, dass das Kopfkino anspringt und der Film sich nicht stoppen lassen will. Das gibt wohl niemand gerne zu – freiwillig schon gar nicht – aber so viele Ehen leiden genau darunter.

Wer den Weg der Treue einmal verlassen hat, findet nur sehr schwer allein zurück. Das geht gegen den eigenen Stolz, aber wenn ich vom Weg abgekommen und untreu geworden bin, brauche ich einen anderen Menschen, dem ich mich anvertraue. Ich brauche das Ohr des Bruders, der Schwester. Ich brauche das, was man Beichte nennt: Das befreiende Gespräch.

Ich brauche, dass mir jemand sagt, was ich mir selbst nicht sagen kann: Dir sind deine Sünden vergeben. Dann kann etwas heil werden in mir. Dann wird der Partner wieder gesehen als ein kostbares Geschenk von Gott. Als ein Mensch, für den ich Verantwortung trage, dass sein Leben gelingt und seine Persönlichkeit sich nach Gottes Gedanken entfalten kann.

Damit das Leben gelingt

Gelingendes Leben – das ist Gottes Absicht mit den Zehn Worten. Leben gelingt, wo das Eigentum des Mitmenschen respektvoll geachtet wird. Leben gelingt, wo meine Mitmenschen auf mein Wort vertrauen können und nicht fürchten müssen, belogen oder verleumdet zu werden. Leben gelingt, wo ich meinen Besitz aus der Hand meines Gottes dankbar annehme und nicht begehrlich auf das schiele, was ein anderer hat.

Die Zehn Worte sind gute Weisung für Menschen, die Gott befreit hat zum gelingenden Leben. Was er damals an Israel tat, - die Befreiung aus der Sklaverei in Ägypten – hat Gott später in noch viel umfassenderer Weise durch seinen Sohn Jesus Christus für alle Menschen getan. Jesus starb stellvertretend für unsere Schuld am Kreuz und ist danach siegreich vom Tod auferstanden. Durch seinen Tod am Kreuz und seine Auferstehung hat er die Macht von Hölle, Tod und Teufel besiegt, die uns beherrschen, gefangen nehmen, versklaven und am Ende aufreiben wollen. DIESER Gott will unser Leben begleiten, bewahren und gelingen lassen! Dieser Gott, ist durch Jesus Christus ansprechbar als IHR, als DEIN und mein Gott und Vater.

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Kommentare (2)

Holger B. /

Die heutige Auslegung zu den 10 Geboten hat uns sehr angesprochen.
Holger und Sigrid

Friedhelm O. /

Die zehn Gebote sind Gesetz, nicht Möglichkeiten. Zehn Gesetzes Vorschriften, die gehalten werden müssen. Und zwar insgesamt. Wer das Gesetz Gottes nicht vollkommen hält, wird von dem Gesetz mehr