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/ Bibel heute

Israel in Mara und Elim

Reinhold Wennagel über 2. Mose 15,22-27.

Da ließ Mose Israel vom Schilfmeer aufbrechen, und sie zogen zur Wüste Schur. Und sie wanderten drei Tage in der Wüste und fanden kein Wasser. Da kamen sie nach Mara; aber sie konnten das Wasser von Mara nicht trinken, denn es war sehr bitter. Daher nannte man den Ort Mara. Da murrte das Volk wider Mose und sprach: Was sollen wir trinken?[...]

2. Mose 15,22–27

Als Jugendliche sangen wir oft und mit Begeisterung diesen Chorus: „Wie groß ist mein Gott, kein andrer wie er, kein Name so hoch, nur er ist der Herr! Er teilte die Fluten vom Roten Meer, hat auch heute noch dieselbe Kraft, nichts ist ihm zu schwer!“ Später kam das „…hat auch heute noch dieselbe Kraft …“ teilweise etwas zögerlicher von den Lippen. Ja, Kraft hat Gott auf jeden Fall, aber ob er sie jetzt und für mich einsetzen wird?

Unser Bibelabschnitt zeigt uns, Gottes Volk ist in echter Not. Ein gewaltiges Erlebnis lag hinter Israel. Der Durchzug durchs Schilfmeer war schon etwas Einmaliges. Kein Wunder, dass Jubel und Lobpreis angesagt waren. Ein paar Verse vorher lesen wir: „Damals sangen Mose und die Israeliten dies Lied dem HERRN und sprachen: Ich will dem HERRN singen, denn er ist hoch erhaben; … HERR, wer ist dir gleich unter den Göttern? Wer ist dir gleich, der so herrlich und heilig ist, schrecklich, löblich und wundertätig?“

Jetzt hieß es „Auf zu neuen Ufern“ oder besser: „Ab durch die Wüste!“ Alle waren hochmotiviert. Doch bald herrschte Wassermangel. Ohne Wasser wird überall alles schwierig. Die Not war groß. Nicht wie bei uns, wenn Gäste kommen und kein Würfelzucker für den Kaffee im Haus ist. Das ist keine echte Not. Unterwegs in der Wüste und kein Wasser, das ist lebensgefährlich. Das Wunder war vergessen. Gott teilte die Fluten. Ja, das war was – vor drei Tagen! Aber jetzt fehlt‘s an Wasser. Israel ist in echter Not.

1. Not ist bitter: 

Dreimal in einem Satz lesen wir das Wort „Mara“. Als Ortsangabe dient es der Erinnerung und übersetzt heißt Mara „bitter“. Ja, ohne Wasser ist das Leben bitter, aber mit bitterem Wasser ist es das noch mehr. Dazu kommt noch ein Gedanke wie: „Wir sind doch mit Gott unterwegs – und jetzt das!“ Offensichtlich ist Gottes Gegenwart keine Garantie für allzeit unbeschwertes Glück und Wohlbefinden. Jedenfalls wanderte Israel drei Tage in der Wüste – drei Tage ohne Wasser. Welch ein Drama! Israel war auf dem Weg aus der Sklaverei in die Freiheit. So war es versprochen, so hatten sie es erlebt. Nach dem Wunder am Schilfmeer sollte es eigentlich keinen Zweifel mehr geben: „Bei Gott ist kein Ding unmöglich!“ Aber jetzt – ohne Wasser? Durst ist bekanntlich schlimmer als Heimweh! Aber der Durst ließ hier auch Heimweh aufkommen. In Ägypten hatten sie zwar nicht alles, aber immerhin gab es Trinkwasser. Was sie hatten, wussten sie. Was aber jetzt? Und was würde womöglich noch kommen? Bitterwasser ist eben nicht wie Bitterschokolade, die den einen schmeckt und anderen nicht. Bitterwasser ist total ungenießbar, vielleicht sogar tödlich. Das ist bitter.

2. Not lehrt beten

So sagt man. Schön wär’s, wenn es immer so wäre! Manchmal lehrt Not auch murren. Nach der wunderbaren Errettung vor wenigen Tagen oder Wochen wäre zu erwarten gewesen, dass wenigstens einige aus dem Volk Israel gesagt hätten: „Jetzt lasst uns erst mal beten“! Natürlich war die Aufregung verständlich! Israel war in existentieller Not und ich verstehe das Geschrei. Doch es gibt einen Unterschied zwischen einem Hilferuf und einem Vorwurf, zwischen Klage und Anklage. Das Volk murrte gegen Mose. Mose wurde angeklagt, aber Gott war gemeint. Murren ist die Vorstufe zu aggressivem Aufbegehren. Murren ist aktive Unzufriedenheit - zunächst vielleicht ohne Worte, aber - und da bin ich mir ziemlich sicher - war auch damals das „Wie kann Gott das zulassen?“ da und dort zu hören. Murren ist menschlich. Murren gegen Gott auch. Doch ist alles, was menschlich ist, deshalb auch gut und richtig? Nein, murren steckt an und zieht nach unten! Was tat Mose? Auch bei ihm lagen vermutlich die Nerven blank. Doch er schrie nicht die Leute an, Mose schrie zu Gott! Das ist das Beste, was ich in großer Not tun kann – und manchmal das Einzige: Im Gebet zu Gott schreien. Ja, Mose schrie, denn auch er war verzweifelt. Bei den meisten Menschen kommt statt Beten zuerst das Murren. Bei Mose lernen wir, im Gebet zu Gott zu schreien und viele Psalmen leiten uns auch dazu an. Wie gut, wenn Not beten lehrt.

3. Not ist Gottes Absicht

Not treibt zu Gott! Wenn das stimmt, dann ist Not nicht das Letzte. Der HERR zeigte Mose, wie er kurzfristig Abhilfe schaffen könnte. Das „heilende Holz“ machte das bittere Wasser süß und genießbar. Ich denke, es lag weniger an der Substanz dieser speziellen Holzart, sondern es war ein Zeichen der Vollmacht Moses. Denn letztlich handelte hier der lebendige Gott. Dieses Erlebnis war ein weiteres Wunder, um Gott wirklich zu vertrauen. Der Ausleger Charles Henry Mackintosh erklärt das so: „Der Herr offenbart sich immer in einer Weise, die den jeweiligen Bedürfnissen seines Volkes angemessen ist. Kinder Gottes sollten deshalb, anstatt sich über die Umstände zu beklagen, diese zum Anlass nehmen, sich immer neu an ihn zu wenden. Auf diese Weise dient gerade die Wüste dazu, uns erfahren zu lassen, wer Gott ist. Die Wüste ist eine Schule, in der wir seine Geduld, seine Treue und Hilfe kennenlernen. Wer geistlich gesinnt ist, weiß, dass es hilfreich sein kann, auf bitteres Wasser zu treffen, damit Gott es versüßen kann.“

Sinngemäß schreibt das auch der Apostel Paulus an die Römer: „… wir rühmen uns auch der Bedrängnisse, weil wir wissen, dass Bedrängnis Geduld bringt, Geduld aber Bewährung, Bewährung aber Hoffnung, Hoffnung aber lässt nicht zuschanden werden; denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsre Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist.“ (Rö5,3ff).

Das Leben besteht aus Leid und Erlösung

Zum Schluss unserer Geschichte lesen wir noch, wie das Volk Israel aus der Not von Mara in die Oase Elim geführt wird, um erquickt zu werden. Auf die akute Not in Mara war Gottes Antwort ein Stück Holz, das bitteres Wasser süß machte. Der HERR zeigte dort kurzfristig einen Ausweg aus der Not. Das Wunder sollte daran erinnern: Gott ist da und er lässt uns nicht fallen.

Doch aus der allergrößten Not half Gott noch durch ein ganz anderes „Holz“. Am Kreuz von Golgatha, an dem Jesus verblutete, wurde die Rebellion der Menschen gegen Gott, und das ist ja letztlich jede Sünde, erfolgreich bekämpft. Jesus starb, damit wir leben. Das war für ihn mehr als bitter, aber bis heute lohnend für jeden, der glaubt. In den Wüstenstrecken unseres Lebens gibt es beides: Orte wie „Elim“ und Orte wie „Mara“; es gibt Wasserquellen und Palmen ebenso wie bitteres Wasser. So können beide, sowohl Not als auch Überfluss, uns näher zu Jesus bringen. Was Gott in Mara erst durch ein Wunder ermöglichen musste, war in Elim reichlich und wie selbstverständlich vorhanden. Die Fülle und Qualität dieses Wassers weisen uns Christen unbedingt auf die Quelle des Lebens hin. Jesus gibt Lebenswasser – umsonst - und für immer.

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Kommentare (1)

Arthur W. /

Vielen Dank für die gute und ausführliche Auslegung. Wie oft Hinweise auf Jesus Christus doch schon im Alten Testament vorkommen!