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/ Bibel heute

Leben aus der Auferstehung

Karl-Heinz Schlittenhardt über 1. Korinther 15,29-34.

Was machen denn die, die sich für die Toten taufen lassen? Wenn die Toten gar nicht auferstehen, was lassen sie sich dann für sie taufen? Und warum begeben wir uns dann jede Stunde in Gefahr? Täglich sterbe ich, so wahr ihr mein Ruhm seid, den ich habe in Christus Jesus, unserm Herrn.[...]

1. Korinther 15,29–34

Schon manchmal habe ich über folgendes Phänomen gestaunt: Da erklärt mir jemand klug und mit vielerlei Begründungen, dass mit dem Tod doch alles aus ist. Dass es nach diesem Leben nicht weitergeht. Dass nach dem Tod nichts mehr kommt. Dass er nicht an ein ewiges Leben, schon gar nicht an eine Auferstehung glaubt. Aber im nächsten Augenblick wird davon geredet, dass man seine Lieben irgendwann wiedersieht. Ich frage mich dann ratlos: Wie soll das denn gehen? Denken und Sehnsucht widerstreiten einander – und dieser Widerspruch fällt vielen scheinbar noch nicht einmal auf!

Zur Auferstehung

Es gibt keine Auferstehung – so die Meinung mancher Christen in Korinth! Die zentrale Lehre und Hoffnung des christlichen Glaubens hat man schon in der Gemeinde in Korinth – im ersten Jahrhundert – in Zweifel gezogen. Im ganzen 15. Kapitel des 1. Korintherbriefes argumentiert Paulus gegen diese Meinung an und zeigt die Konsequenzen dieser Haltung auf. Am Anfang des Kapitels weist er eindeutig und entschieden auf die noch lebenden Zeugen hin. Jeder könnte sie noch befragen. In immer neuen Gedankengängen versucht Paulus mit leidenschaftlichen Argumenten, die Leugner der Auferstehung zu überzeugen und auf seine Seite zu ziehen.

Argumentativ packt er sie zunächst bei ihren eigenen Praktiken. Wozu eine „Taufe für Tote“, wenn doch gar nichts mehr kommt? Paulus weist damit auf eine, wohl nur in Korinth geübte, Praxis hin, die wir bis heute nicht völlig aufklären können. Ließen sich Christen für Menschen taufen, die zwar zum Glauben an Jesus kamen, aber bevor sie starben, nicht mehr getauft werden konnten? Oder sollte damit Nichtgläubigen damit nachträglich der Weg zu Gott gebahnt werden? Was bei allen Spekulationen wichtig ist: Wir kennen eine solche Praxis aus späteren Zeiten und anderen neutestamentlichen Quellen nicht. Paulus will mit der Erwähnung auf diese in Korinth geübte Praxis wohl lediglich denen, die die Auferstehung leugnen, ihren Selbstwiderspruch nachweisen (29).

Warum lässt Paulus diese Leute mit ihrer Meinung nicht einfach stehen? Warum ist es so wichtig, dass wir die „Auferstehung glauben“ – wie es im apostolischen Glaubensbekenntnis heißt? Nun, wer die Auferstehung der Toten leugnet, verneint zugleich Gottes Heilsvollendung. Davon redet das Alte wie das Neue Testament immer wieder. „Wir warten aber auf einen neuen Himmel und eine neue Erde nach seiner Verheißung, in denen Gerechtigkeit wohnt“. Von dieser Hoffnung schreibt Petrus in seinem zweiten Brief (3,13). Hinfällig wäre dann auch das Versprechen Jesu, das er seinen Jüngern gegeben hat (Joh 14,3) „Und wenn ich hingehe, euch die Stätte zu bereiten, will ich wiederkommen und euch zu mir nehmen, auf dass auch ihr seid, wo ich bin.“ Vergeblich hätte Jesus dann gebetet (Joh. 17,24): „Vater, ich will, dass, wo ich bin, auch die bei mir seien, die du mir gegeben hast, damit sie meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast; denn du hast mich geliebt, ehe die Welt gegründet war.“

Diese Hoffnung auf eine neue, vollendete Welt, die alles Leid, allen Schmerz, alle Ungerechtigkeit und Not nicht mehr kennt, ist eine in Leid und Not stärkende Botschaft. Sie gibt Kraft, auch in schwierigen Zeiten durchzuhalten. Ohne sie wäre das Leben oft zum Verzweifeln.

Die Ewigkeit im Blick

Unsere säkulare, postchristliche Welt reduziert das Leben meist auf das Diesseits. Wer aber das Leben auf das Diesseits reduziert, muss aus jedem Augenblick herausholen, was er kann. Wo der Horizont der Hoffnung gekappt wird, lebt der Mensch in der ständigen Angst, etwas zu versäumen. Gleichzeitig wird alles gleichgültig. Aber das ist alles nicht neu! Zu allen Zeiten haben wohl Menschen so vordergründig gedacht und sich so verhalten. Schon der Prophet Jesaja, den Paulus wohl in Vers 32 zitiert, hält dem Volk Israel im Auftrag Gottes seine unreflektierte Kurzsichtigkeit vor: „Doch statt dessen habt ihr ausgelassen gefeiert. Bei euren Festgelagen wurden Berge von Fleisch verzehrt, ihr habt euch mit Wein volllaufen lassen und gerufen: «Heute wollen wir essen und trinken, denn morgen sind wir tot!»“

Nach überstandener Gefahr dankten Jesajas Zeitgenossen weder Gott noch beugten sie sich unter ihre Schuld, sondern feierten übermütig Feste. Ohne Hoffnung auf die Auferstehung wird die Parole des ungehorsamen Israels zur scheinbar klugen Lebensregel. Aber: Wer die Lebensmittel zur Lebensmitte macht, verliert sich selbst, kreist in seinem Denken nur noch um vergängliche Dinge. Am Ende verliert das Leben seinen Sinn. So sagt es Paulus schon in Vers 19: „Hoffen wir allein in diesem Leben auf Christus, so sind wir die elendesten unter allen Menschen.“

Wenn mit dem Tod alles aus ist, dann gibt es nichts und niemanden, für das oder den es sich wirklich lohnt, das Leben einzusetzen. Es gibt keinen Grund, als Christen zu leben, manche Einschränkung und Schwierigkeit um des Glaubens willen auf sich zu nehmen. So argumentiert Paulus. Was hat er, haben seine Mitarbeiter, die anderen Apostel und Boten Jesu nicht alles auf seinen Reisen, bei der Verkündigung an vielen Orten durchgemacht. Man hat ihn gesteinigt, ins Gefängnis geworfen, verspottet, verachtet. Warum die Gefahren, warum die Mühen, warum die Strapazen im Dienst für die Verkündigung des Evangeliums? Wenn doch alles nur für diese Zeit ist, lohnt es sich dann? Haben dann nicht die recht, die in den Tag hineinleben, sich ein schönes Leben machen und fünf gerade sein lassen?

Der Tod ist nicht das Ende

„Mit dem Tod endet das Sterben, nicht das Leben“, so sagte ein katholischer Bischof in einem vom Fernsehen übertragenen Gottesdienst. Wie wahr! Wie weitsichtig! Wie hilfreich, das zu begreifen. Weil es nach christlicher Überzeugung nach dem Sterben weitergeht, müssen wir uns auf diese Zeit vorbereiten. In Psalm 90 lesen wir die klugen Worte: „Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.“

Mit der Auferstehung zu rechnen, ist kein Hirngespinst. Darum, ihr Korinther, wie ihr modernen Menschen, lasst euch nicht verunsichern! Ein damals geläufiges Sprichwort, ursprünglich wohl eine Aussage des griechischen Dichters Menander (um 270 v. Chr.), benutzt Paulus, um zu ermutigen: „Lasst euch nicht verunsichern! Bleibt standhaft. Lasst euch nicht zu falschem Denken und daraus zu falschem Verhalten verführen.“

Denn Irrlehren haben Auswirkung auf die Lebenshaltung. Sie führen zu falschem Denken und falschem Leben. Werdet nüchtern! Wacht auf! Rechnet mit den Zusagen Jesu, des Wortes Gottes und lebt daraus. Das macht euer Leben inhaltsreich und lebenswert.

Im Gegensatz zur heute weitverbreiteten Haltung der Diesseitigkeit weiß die ganze biblische Botschaft um das Jenseits, um die unsichtbare, ewige Welt Gottes und alles, was jetzt und in Zukunft damit verbunden ist. Christen leben mit Hoffnung. Petrus ermutigt die unter Leid und Verfolgung stehende Gemeinde des ersten Jahrhunderts und auch uns bis heute mit den Worten (1Petr 1,3 NLB): „Gelobt sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, denn er hat uns in seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren. Jetzt haben wir eine lebendige Hoffnung, weil Jesus Christus von den Toten auferstanden ist.“

Mit diesem lebendigen, auferstandenen Herrn können wir rechnen und reden. Weil er auferstanden ist, werden auch die, die an ihn glauben, auferstehen zum ewigen Leben mit ihm.

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