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/ Bibel heute

Das Hohelied der Liebe (2)

Christiane Meyer über 1. Korinther 13,8-13.

Die Liebe höret nimmer auf, wo doch das prophetische Reden aufhören wird und das Zungenreden aufhören wird und die Erkenntnis aufhören wird. Denn unser Wissen ist Stückwerk und unser prophetisches Reden ist Stückwerk. Wenn aber kommen wird das Vollkommene, so wird das Stückwerk aufhören.[...]

1. Korinther 13,8–13

Die Liebe hört niemals auf. Das hört sich gut an. Liebe brauchen wir doch alle und Gott ist die Liebe. Oder was denken Sie? Dass Gott die Liebe ist, habe ich doch immer wieder gehört. Es wird am Sonntag in der Predigt gesagt und viele sprechen immer vom lieben Gott. Dem Gott der Liebe. Doch wie ist Ihre persönliche Erfahrung mit Gott? Wie ist Ihr persönliches Gottesbild?

Mein Gottesbild

Wie stellen Sie sich Gott vor? Stellen Sie sich vor, jemand fragt Sie, wie Sie sich Gott vorstellen. Gar nicht so einfach, finde ich. Bei jedem kommt etwas anderes heraus und auch in meinem eigenen Leben verändert sich das Gottesbild immer wieder. Als Kind bekam ich häufig zu hören: „Der liebe Gott sieht alles“ und „Kleine Sünden bestraft der liebe Gott sofort“. Diese, damals üblichen, Erziehungshilfen vermitteln ein Bild vom allmächtigen und strengen Gott. Gott kann alles, sieht alles und bestraft die Bösen. So wurde mir die Allmacht Gottes erstmal auf diese Weise verinnerlicht. Später merkte ich: manchmal werden die Guten bestraft und die Bösen triumphieren. Wie kann das sein? Mein kindliches Gottesbild bröckelte. Ich begann darüber nachzudenken, wie Gott ist. Ich kam zu dem Schluss: Wenn es einen Gott gibt, dann muss er mehr sein, als ich mir vorstellen kann. Und er muss vollkommen sein, fehlerlos. Denn sonst wäre er kein Gott. Ich hatte eine Vorstellung davon, dass es einen Gott geben muss, aber er war mir sehr fern. Viel größer und rätselhafter als gedacht – und unerreichbar für mich. Dann begann ich Bibel zu lesen und lernte einen Gott kennen, der den Menschen sehr nahe kommt. Einen Gott, der persönliche Beziehungen aufbaut. Der für seine Menschen und Schöpfung wunderbar sorgt. Einen Gott, der manchmal nicht zu verstehen ist und letztlich in Jesus eine unfassbare Liebe zeigt. Einen Gott, der selbst Mensch geworden ist und in seinem Kreuzestod die Strafe für alle Sünden der Menschheit selbst ertragen hat. Der dafür sorgt, dass ich Gott wieder ganz nahe sein kann, weil nichts mehr zwischen uns steht.

Wenn das nicht Liebe pur ist!

Mein Gottesbild verändert sich immer weiter im Lauf meines Lebens. Ihres auch? Die Erfahrungen, die ich im Leben mache und die ich mit Gott mache, die verändern es.

Gottes Vollkommenheit

Genau das sagt der Apostel Paulus hier. Wenn das Vollkommene kommt, dann hört das Stückwerk auf. Ich kann es auch mit einem Puzzle vergleichen. Das Wort „Stückwerk“ klingt ja schon nach Puzzle. Wenn Sie das fertige Bild des Puzzles noch nicht kennen, ist es schwierig. Sie finden immer wieder Teile, die zusammenpassen und so wird das Bild deutlicher. Manchmal denken Sie vielleicht, Sie wissen schon, wie das Bild aussehen wird. Doch dann tauchen neue Stücke auf und alles sieht anders aus.

Genau so, sagt Paulus, ist es mit unserer Erkenntnis. Wir denken, wir haben Gott erkannt – und dann plötzlich stellen wir fest: dies neue Puzzlestück verändert unser Gottesbild schon wieder. Wie tröstlich, dass es sogar dem Apostel Paulus so ging. Paulus hat ja ganz besondere Erlebnisse mit Gott gehabt und trotzdem hat auch er nicht die vollkommene Erkenntnis. Paulus vergleicht das Wissen, die Erkenntnis, mit unserer Entwicklung im Leben, unserem Reifeprozess. Als Kind war er klug wie ein Kind, aber als Erwachsener legte er alles Kindliche ab. So, sagt Paulus, wird es sein, wenn wir Gott in Vollkommenheit erkennen. Dann wird es sein, als ob alles Vorherige nur kindlich gewesen ist. Wir sehen dann das ganze Bild. Das Puzzle ist fertig.

Paulus nimmt auch das Bild von einem verschwommenen Spiegel zur Hilfe. Damals waren die Spiegel ja noch von schlechter Qualität. Man konnte darin nicht so klar und deutlich sehen wie heute. Aber auch heute gibt es manchmal noch ganz alte, kaputte Spiegel, in denen man nicht gut etwas oder einen Menschen erkennen kann. Und wie oft geht es mir auch so, dass ich das Gefühl habe, ich verstehe Gott einfach nicht. Mein Bild von ihm wird dadurch verschwommen und unscharf. Was ich von Gott erkenne, ist immer nur unscharf, unvollkommen. Wie schön und tröstlich, dass uns Paulus hier sagt: eines Tages werden wir vollkommen erkennen. Der Tag kommt, wo das Unvollkommene endet. Dann werde ich erkennen und all meine Fragen und all mein Unverständnis wird aufhören. Paulus sagt, ich werde auf die Weise erkennen, wie Gott mich erkannt hat. Meine Erkenntnis wird dann so sein wie bei Gott. Und wissen Sie welche Bedeutung das Verb erkennen in der Bibel auch noch hat?

Vollkommene Liebe

Es wird deutlich, wenn wir ins erste Buch Mose schauen: Adam erkannte seine Frau und sie wurde schwanger, steht dort. Erkennen bedeutet also auch lieben. Eins werden in Liebe. Das ist Erkenntnis in Vollkommenheit.

Gott möchte sich in reinster Liebe mit mir vollkommen verbinden. Deshalb ist er in Jesus Mensch geworden. Deshalb ist Jesus im Garten Gethsemane nicht weggerannt. Deshalb hat er sich schlagen und anspucken lassen. Deshalb ist Jesus qualvoll am Kreuz gestorben. Und deshalb hatte der Tod keine Macht über ihn und er ist auferstanden und lebt. Gottes Wesen ist Liebe. Vollkommene Liebe.

Das bleibt am Ende, wenn alles Unvollkommene enden wird. Die Liebe bleibt.

Wir werden mit Gott in engster und liebender Verbindung sein. Alle Fragen, alle Zweifel, alle Unklarheiten – alles, was nicht vollkommen ist – wird enden. Übrig bleibt die Liebe in ihrer Vollendung. Was für eine Erkenntnis!

Ja, darauf freue ich mich! Danke Paulus.

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