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/ Bibel heute

Das Hohelied der Liebe (1)

Hans-Werner Kalb über 1. Korinther 13,1-7.

Wenn ich mit Menschen- und mit Engelzungen redete und hätte der Liebe nicht, so wäre ich ein tönendes Erz oder eine klingende Schelle. Und wenn ich prophetisch reden könnte und wüsste alle Geheimnisse und alle Erkenntnis und hätte allen Glauben, sodass ich Berge versetzen könnte, und hätte der Liebe nicht, so wäre ich nichts. Und wenn ich alle meine Habe den Armen gäbe und meinen Leib dahingäbe, mich zu rühmen*, und hätte der Liebe nicht, so wäre mir’s nichts nütze.[...]

1. Korinther 13,1–7

Der Apostel Paulus schreibt hier an die Christengemeinde in Korinth. Korinth, das war eine blühende Hafenstadt, westlich von Athen. Multikulti. Auch in der jungen christlichen Gemeinde dort gab es viele Kulturen und unterschiedliche Glaubensprägungen. Und - man war stolz auf die besonderen Geistesgaben, auch Gnadengaben oder Charismen genannt, die Gott ihnen gegeben hatte. Paulus schätzte diese Geistesgaben als Geschenk Gottes zum Nutzen für die Gemeinde. Aber er sagt im Vers 31 im Kapitel 12: „Einen das alles überragenden Weg will ich euch zeigen“. Doppelpunkt. Dann folgt unser Textabschnitt. Sich zu lieben, wie Gott uns liebt, das ist mehr als alle Geistesgaben in der Gemeinde.

Agape

Agape ist das griechische Wort dafür. Es geht dabei nicht um die hohe menschliche Tugend, freundlich, zuvorkommend, hilfsbereit zu sein. Agape – das ist eine Wertschätzung, die weit über die Zuneigung zu Freunden und Verwandten hinaus geht. Es geht um die Liebe Gottes, die durch Jesus Christus in unsere Welt gekommen ist. Die nichts für sich selbst will. Die sich aufgeopfert hat. Die sogar die Feinde liebt. Feindesliebe, die Jesus gelebt und gelehrt hat, war auch damals etwas völlig Neues. Agape. „Frucht des Geistes Gottes“ wird sie auch an anderer Stelle genannt. Nur der Geist Gottes kann sie wirken in den Menschen, die sich ihm aussetzen. Haben Sie das schon mal erlebt? Solche Liebe? In christlichen Gemeinden? Dort kann ich viele menschliche Abgründe kennen lernen: Machtstreben, Lieblosigkeit. Streit, sogar Hinterhältigkeit. Aber auch diese Liebe. Ja, ich kenne Menschen, Christen, die diese Liebe ausstrahlen. Und ich finde sie, neben all dem Streit und Stolz, wie in Korinth, auch in unseren heutigen Gemeinden. Manchmal höre ich von Leuten, die keine Christen sind, z.B. von Handwerkern, dass sie merken, dass es in Christengemeinden und bei Christen wohltuend anders ist, als bei anderen Kunden. Darüber freue ich mich. Zweifellos: Da ist dennoch viel Luft nach oben. Übrigens auch bei mir selbst. Mir fällt es schon schwer, immer und in jeder Situation freundlich und hilfsbereit zu sein.

Die Gnadengaben in Korinth

Unser Textabschnitt heute besteht aus zwei kleinen Abschnitten. In den ersten drei Versen geht Paulus auf die besonderen Gnadengaben der Christen in Korinth ein. Darauf waren sie ja stolz. Zunächst bezieht er sich auf die Sprachengabe, auch Zungenrede genannt. Ein Reden in unverständlichen Sprachen, das auch heute noch in vielen Gemeinden praktiziert wird. Eigentlich zur Ehre Gottes. Auch Paulus konnte so reden. Aber ohne die Liebe ist sie nichts wert, sagt er. Das ist sie wie Lärm oder leeres Wortgeklingel. Im zweiten Vers geht es dann um das prophetische Reden. Damit ist gemeint, dass einer etwas von Gott in eine konkrete Situation der Zeit oder des Alltags hinein sagen kann. Manchmal auch mit Zukunftsperspektive. Mit dem „Glauben, der Berge versetzen kann“, meint Paulus hier nicht den Glauben, der zum Heil notwendig ist, das kindliche Vertrauen in Gott, das ja für einen Christen typisch ist. In der Gemeinde in Korinth geht es um Glauben als eine besondere und auffallende Geistesgabe. Auch tiefe geistliche und theologische Erkenntnisse hatten manche, aber die beste Theologie ist nichts wert ohne Liebe von Gott, die für andere sichtbar wird.

Diakonie

Und wie ist es mit dem praktischen Christsein? Praktische Diakonie statt Wortverkündigung und tiefe Gotteserkenntnis? Dazu stellt Paulus in Vers 3 klar: „Und wenn ich alle meine Habe den Armen gäbe und meinen Leib dahingäbe, mich zu rühmen, und hätte der Liebe nicht, so wäre mir’s nichts nütze.“ (Lut. 17) Den ganzen Besitz weggeben – davon hört man nicht oft. Und ja, man kann sich auch mit Aufopferung im Dienst für Gott selbst rühmen – ohne Liebe.

Alle Geistesgaben: Zungenrede, Prophetie, besondere Erkenntnis, bergeversetzender Glaube, Diakonie, ja sogar das Martyrium – müssen sich an dem Maßstab messen lassen: Wird durch sie die Liebe von Jesus sichtbar oder nicht. Verherrlichen diese Gaben Christus oder Menschen? Ich muss zugeben: wie oft wollte ich mit meinen Gaben vor allem beeindrucken, statt Christus zu ehren.

Die Liebe Gottes

Ich komme zum zweiten Abschnitt (4-7). Da beschreibt Paulus dann diese Liebe nochmal genauer in ihrer praktischen Anwendung. Nicht allgemein, nicht philosophisch. Die Liebe wird hier auch nicht definiert. Von der Liebe Gottes kann man zunächst nur ergriffen werden. Von dem, was Gott durch Jesus am Kreuz für uns Menschen getan hat. Das ist das Größte, was ich mir als Liebe vorstellen kann. Dass Gott uns Menschen und auch mich so liebt. Und Sie, liebe Hörerin, lieber Hörer.

Dieser Liebe können wir uns aussetzen, sie wirken lassen, annehmen. Das wirkt dann auch nach außen. Sichtbar für andere. Hören Sie nochmal hin, was Paulus hier sagt, wie diese Agape sichtbar wird (NLB):

„Die Liebe ist geduldig und freundlich. Sie ist nicht neidisch oder überheblich, stolz oder anstößig. Die Liebe ist nicht selbstsüchtig. Sie lässt sich nicht reizen, und wenn man ihr Böses tut, trägt sie es nicht nach. Sie freut sich niemals über Ungerechtigkeit, sondern sie freut sich immer an der Wahrheit. Die Liebe erträgt alles, verliert nie den Glauben, bewahrt stets die Hoffnung und bleibt bestehen, was auch geschieht.“

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