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/ Bibel heute

Viele Glieder – ein Leib (1)

Christian Dirks über 1. Korinther 12,12-26.

Denn wie der Leib einer ist und hat doch viele Glieder, alle Glieder des Leibes aber, obwohl sie viele sind, doch ein Leib sind: so auch Christus. Denn wir sind durch einen Geist alle zu einem Leib getauft, wir seien Juden oder Griechen, Sklaven oder Freie, und sind alle mit einem Geist getränkt. Denn auch der Leib ist nicht ein Glied, sondern viele.[...]

1. Korinther 12,12–26

In diesem Abschnitt sagt Paulus etwas über den Zusammenhang der Christen untereinander. Das, was uns zusammenhält, ist der Heilige Geist, mit dem wir alle getränkt sind und durch den wir alle getauft sind, damit wir eine Einheit bilden. Der Apostel beschreibt diesen Zusammenhang gleichnishaft mit dem menschlichen Körper, der aus vielen verschiedenen Gliedern besteht. Die christliche Gemeinde ist also eine Einheit, die aus vielen verschiedenen Menschen zusammengesetzt ist. Die Glieder des Körpers sind verschieden und genauso sind die einzelnen Menschen in der Gemeinde unterschiedlich. Es soll niemand aus der Tatsache, dass er anders ist als andere Gemeindemitglieder, herleiten, dass er nicht zur Gemeinde gehört. Paulus hat das sehr anschaulich beschrieben. So sagt er: „Wenn nun der Fuß spräche, ich bin keine Hand, darum gehöre ich nicht zum Leib!, gehört er deshalb etwa nicht zum Leib?“

Gemeinsam trotz Unterschieden

Dieser Gedanke scheint Paulus besonders wichtig zu sein, denn er wiederholt die Aussage in gleicher Weise noch mit dem Ohr, dem Auge und dem Geruch. – Ich vermute, dass Paulus sich darüber im Klaren war, dass Verschiedenheit nicht immer einfach ist. Verschiedenheit wird nicht überall akzeptiert. Verschiedenheit kann zu erheblichen Problemen und Reibereien führen.

Zu Anfang des Textes hatte Paulus hierzu etwas sehr Wichtiges gesagt: „(Vers 13) Denn wir sind durch einen Geist alle zu einem Leib getauft, wir seien Juden oder Griechen, Sklaven oder Freie, und sind alle mit einem Geist getränkt.“

Der Geist ist also der Kitt, der die Gemeinde zusammenhält, so verschieden sie auch sein mag. Hierzu hatte ich vor vielen Jahren einmal ein persönliches Erlebnis, das mich sehr beeindruckt hat.

Meine Frau und ich waren in Italien in San Benedetto del Tronto. Dieser Ort ist eine kleine Hafenstadt an der Adriaküste, 85 km südlich von Ancona. Dort haben wir den Gottesdienst in einer freikirchlichen Gemeinde besucht. Diese Gemeinde hatte Mitglieder aus aller Herren Länder! Mehr Verschiedenheit ging eigentlich gar nicht mehr. Nach dem Gottesdienst hatte man ein Essen vorbereitet, zu dem die verschiedenen Gemeindemitglieder Essen nach Art ihrer Herkunftsländer gekocht hatten. Da konnte nun überall herumprobiert werden. Das Ganze war ein sehr buntes, fast chaotisches Durcheinander und machte trotz all der Verschiedenheit einen unglaublich harmonischen Eindruck. So ist mir dieses Erlebnis bis heute in Erinnerung geblieben, denn ich habe eine solche Verschiedenheit ohne den Heiligen Geist nie so harmonisch erlebt.

Die unterschiedlichen Begabungen nutzen

Wenn Verschiedenheit positiv gesehen wird, ist sie ein Vorteil! Die Gemeindemitglieder haben unterschiedliche Begabungen und können deshalb unterschiedliche Aufgaben wahrnehmen. Die Menschen in der Gemeinde sollen sich in ihrer Verschiedenheit gegenseitig annehmen. Diese Verschiedenheit ist nichts Trennendes, sondern eine Stärke. Erst durch die Verschiedenheit der Glieder kann der Leib seine Aufgaben vollständig erfüllen.

Das funktioniert jedoch nur, wenn alle Glieder, die zu dem Leib gehören, auch tatsächlich da sind. Fehlt ein Glied, dann ist der Körper nicht mehr voll funktionsfähig. Das gilt entsprechend für die Gemeinde. Erst wenn alle Personen da sind, die in die Gemeinde hineingehören, ist die Gemeinde voll funktionsfähig.

Deswegen wendet sich Paulus in diesem Abschnitt auch gegen eine Bewertung der einzelnen Glieder. Sie werden alle gebraucht. Es gibt keine Glieder, die mehr gebraucht werden als andere. Es müssen alle da sein!

Die Bedeutung des Einzelnen

Man soll deshalb auch in der Gemeinde nicht sagen, dass einzelne Personen besonders wichtig sind und andere nicht so wichtig. Es werden alle gebraucht. Gerade durch den Vergleich mit dem menschlichen Körper und seinen Gliedern wird es besonders deutlich. Kein Glied ist verzichtbar.

Man kann diese Überlegung jetzt auch umkehren: was bedeutet es für das einzelne Glied, wenn es vom Körper abgetrennt ist? Es kann nicht überleben! Im übertragenen Sinn auf die Gemeinde bezogen bedeutet dies natürlich nicht, dass eine Person, die nicht in der Gemeinde ist, dort aber hingehört, sofort tot umfällt. Ich kann mir aber vorstellen, dass ein einzelner Christ, der keiner Gemeinde angehört, in seinem geistlichen Leben eingeschränkt ist. So habe ich in Gemeinden immer wieder beobachten können, dass die Menschen, die dorthin gehören und auch regelmäßig da sind, sich gegenseitig im Glauben stärken.

Dazu habe ich einmal ein schönes Gleichnis gehört, das allerdings nicht aus der Bibel ist. Es vergleicht die Gemeinde mit einem Haufen glühender Kohlen, die in einer Esse liegen. Solange die Kohlen beieinander bleiben, glühen sie weiter. Nimmt man eine Kohle aus dem Haufen heraus und legt sie beiseite, erlischt sie nach kurzer Zeit. Dieses Gleichnis soll wohl darauf hinweisen, dass eine starke Wechselbeziehung zwischen den Gemeindemitgliedern besteht, die für jedes Einzelne zur Erhaltung des Glaubens beiträgt. – Man wärmt sich aneinander!

Zum Schluss sagt uns Paulus, dass wenn ein Glied leidet, leiden alle Glieder mit. Hierzu habe ich einmal in einer süddeutschen Gemeinde eine erstaunliche Geschichte erlebt:

Ein Leib

In der Absicht, dass seine Gemeinde ihn besser kennenlernt, hatte ein Prediger ein Lebenszeugnis abgegeben. In diesem Zeugnis hatte er auch die Schwächen und Sünden aus seinem Leben genannt. Insgesamt ein recht mutiges Zeugnis. Er war sich wohl selber etwas unsicher, wie seine Gemeinde darauf reagieren würde. Vielleicht war es etwas theatralisch, aber er stellte zum Schluss seiner Rede die Frage, ob seine Gemeinde ihn denn überhaupt noch haben wolle. Dann legte er drei Steine vor sich auf den Boden und meinte: „Ihr könnt mich aber auch steinigen!“ Zunächst reagierte die Gemeinde einfach verblüfft. Dann kam eine Dame aus der Gemeinde nach vorne, nahm die 3 Steine, ging weiter in die Altarebene und legte die Steine an den Fuß des zwei Meter hohen Holzkreuzes, das dort stand. Danach konnte man noch eine Weile sehen, wie liebevoll die Gemeinde mit ihrem Prediger umging, der wohl unter irgendeiner seelischen Problematik gelitten hatte.

Der Vorfall hat mich sehr beeindruckt, denn ich konnte deutlich sehen, wie die Gemeinde ein Leib ist, in dem alle Glieder leiden, wenn ein Glied leidet.

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