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/ Bibel heute

Vom Abendmahl des Herrn (2)

Matthias Gerlach über 1. Korinther 11,27-34.

Wer also unwürdig* von dem Brot isst oder von dem Kelch des Herrn trinkt, der wird schuldig sein am Leib und Blut des Herrn. Der Mensch prüfe aber sich selbst, und so esse er von diesem Brot und trinke von diesem Kelch. Denn wer isst und trinkt und nicht bedenkt, welcher Leib es ist, der isst und trinkt sich selber zum Gericht.[...]

1. Korinther 11,27–34

Nachdem Paulus die Praxis der Abendmahlsfeier in der Gemeinde von Korinth kritisiert hat und anschließend die Einsetzungsworte Jesu zitiert, nimmt er Stellung, wie sie unter den angeführten Gesichtspunkten das Abendmahl würdig feiern können. Wichtig für uns heute ist, dass Paulus hier nicht seine vollständige Abendmahlslehre entfaltet. Nehmen wir uns auch die Evangelienberichte über das Abendmahl zu Herzen, um alle Aspekte zu verstehen. In der Reformationszeit gab es heftige Auseinandersetzungen über das Verständnis des Abendmahles. Die unterschiedlichen Standpunkte bestehen auch heute fort, sollen aber hier nicht Thema der Auslegung sein. Wichtig ist, dass in der Auslegungsgeschichte die Frage: „Bin ich würdig am Abendmahl teilzunehmen?“, für viele Menschen eher ein Hinderungsgrund war und ist, daran teilzunehmen.

Wenn die frühe Christenheit das Mahl hin und her in den Häusern gefeiert hat und dann später bei jedem Gottesdienst am Sonntag, so hat es doch in den reformatorischen Kirchen mehr und mehr eine Einschränkung erfahren und in manchen Kirchengemeinden wurde es nur noch an hohen Festtagen gefeiert wie am Karfreitag oder Buß- und Bettag. Auch war es in manchen Gemeinden bis in die Mitte des vorigen Jahrhunderts mancherorts üblich, dass man sich zum Abendmahl vorher anmelden musste. Manchmal erfolgte auch ein Gespräch mit dem Pfarrer, bevor man zum Abendmahl zugelassen wurde. In meiner Jugend erlebte ich die Feier des Abendmahles so, dass die Leute sich schwarz anzogen und mit ernster Miene zum Abendmahl gingen. Als ich dann an meiner Konfirmation zum ersten Mal am Abendmahl teilnehmen durfte, war es für mich ein so heiliger Moment, der mich mit einer Freude über die empfangene Vergebung und die Gemeinschaft am Tisch des Herrn erfüllte. So machte ich mir zur Regel, immer, wenn ein Abendmahl angeboten wird, dies zu nutzen und am Abendmahl teilzunehmen, um im Glauben gestärkt zu werden.

Einladung zum Abendmahl

Soweit der Erfahrungsbericht. Doch nun zum Bibeltext. Paulus schreibt: „Wer nun unwürdig von dem Brot isst oder aus dem Kelch des Herrn trinkt, der wird schuldig am Leib und Blut des Herrn.“ Jesus gab seinen Leib und sein Blut dahin für unsere Schuld, um Vergebung für unsere Sünden zu ermöglichen. Das Wort unwürdig steht in der übertragenen Bedeutung von „nichtswürdig, unangemessen, verachtend.“ Unwürdig ist so keine Qualitätsbezeichnung für den, der am Mahl teilnehmen will, sondern verurteilt die Art und Weise, wie er das Mahl feiert. Und deshalb soll jeder der am Mahl teilnehmen will, sich prüfen.

Worum geht es bei einer solchen Prüfung? Es geht dabei darum, sich klarzumachen, was Jesus für jeden einzelnen von uns getan hat. Er hat seinen Leib und sein Blut unschuldig dahingegeben, um uns von unserer Schuld und Sünde zu befreien und uns dadurch mit Gott zu versühnen. Wenn Jesus so viel getan hat und seinen Leib und sein Blut für uns dahingegeben hat, dann sollen wir diese Liebe, die wir von Jesus empfangen, zurückspiegeln.

Im Gedenken an Jesu Liebe sind wir immer wieder an seinen Tisch eingeladen. Wir dürfen schmecken und sehen, wie freundlich der Herr ist. Jesus stärkt uns dadurch erneut in unserem Glauben. Diese Geschenke geben wir weiter an unsere Mitmenschen und unsere Nächsten, mit denen wir im Alltag zu tun haben. Und dabei sollen wir lernen, sie mit den Augen Jesu zu sehen. Als geliebte Kinder Gottes, für die er auch gestorben ist und die er mit seiner Frohen Botschaft erreichen will. Solche Gedanken mache ich mir vor dem Gang zum Abendmahl und richte meinen Glauben an den Verheißungen neu aus. Die Bibel hilft mir bei meiner Selbstprüfung. Gottes Wort und die Bitte um den Heiligen Geist, der das richtige Wort zur rechten Zeit schenken kann, weist mich auf Dinge hin, die in meinem Leben nicht in Ordnung sind. Hilfreich ist dabei beispielsweise auch die Aufforderung Jesu in der Bergpredigt, wenn ich zum Altar gehe, mich zuvor mit meinem Bruder zu versöhnen. Also eine Selbstreflexion darüber, ob noch etwas zwischen mir und meinem Nächsten steht und dieses gegebenenfalls zu bereinigen.

Mit der richtigen Einstellung teilnehmen

Würdig sein, heißt, dass ich mich als eigentlich unwürdig erkenne und Gottes Liebe und Barmherzigkeit für mich in Anspruch nehme. Jesus hielt einst sein Mahl mit Sündern. Und so komme ich als Sünder an seinen Tisch und empfange das Abendmahl. Dabei bin ich mir der Heiligkeit und Größe von Jesu Handeln bewusst. Ich will das Abendmahl nicht entweihen durch eine unwürdige Feier, wie sie Paulus bei den Christen in Korinth kritisiert hat. Im Abendmahl empfange ich Christus als Gabe. Andere Christen als meine Geschwister. Unser Glaube wird gestärkt und wir wissen uns verbunden als Geschwister. Gemeinsam gehen wir auf dem Weg des Glaubens. Die Konsequenzen, die Paulus den Christen in Korinth vor Augen stellt, wenn sie unwürdig das Abendmahl essen, ist, dass sie es sich selbst zum Gericht nehmen. Paulus führt auch Krankheiten und Todesfälle in Korinth an, die er als Gericht deutet. Gleichzeitig aber mildert Paulus seine harte Anklage, indem er in den folgenden Versen erläutert, dass Gottes Gericht als Erziehung zum Besseren dient, wenn er in Vers 32 schreibt: „Wenn er uns allerdings straft, tut er es, um uns auf den rechten Weg zu bringen, damit wir nicht zusammen mit der übrigen Welt verurteilt werden.“ (Neue Genfer)

Ablauf der Abendmahlsfeier

Und dann folgen seine Schlussempfehlungen für eine geordnete Feier des Abendmahles: Aufeinander zu warten, damit keiner zu kurz kommt. Und wer Hunger hat, soll vorher zuhause essen, damit das Hungergefühl die heilige Handlung nicht beeinträchtigt. Der Akzent liegt auf der Gemeinschaft und nicht auf den sozialen Unterschieden der Teilnehmer. Im Gegenteil, gerade im Glauben verschwimmen die Unterschiede, denn jeder ist Gottes Geschöpf und ein geliebtes Kind Gottes, für das Jesus sein Leben dahingegeben hat. Unterschiedslos hat sich Jesus für alle geopfert und deshalb darf jeder seine Nähe im Abendmahl erfahren und im Glauben gestärkt werden. Es gäbe noch vieles in dieser Frage zu regeln, aber das sollte nicht aus der Ferne geschehen. Paulus kündigt an, dass er das regeln wolle, wenn er wieder in Korinth ist. Und er hat die feste Absicht, dass das wieder geschehen soll.

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