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/ Bibel heute

Das Heiligtum auf dem Zion

Siegfried Leferink über Psalm 132.

Ein Wallfahrtslied. Gedenke, HERR, an David und all seine Mühsal, der dem HERRN geschworen und gelobt hat dem Mächtigen Jakobs: Ich will nicht in das Zelt meines Hauses gehen noch mich aufs Lager meines Bettes legen,

Psalm 132

Wie haben Sie diesen Psalm gehört? Klang er Ihnen vertraut? Oder eher fremd, aus einer fernen Zeit und an einem fernen Ort? Das muss Sie nicht wundern, denn er ist etwa 3000 Jahre alt. Und er bezieht sich auf Jerusalem, wo Salomo den Tempel erbauen ließ und die Nachkommen Davids auf dem Thron saßen. Auf den ersten Blick scheint David im Mittelpunkt dieses Psalms zu stehen. So heißt es gleich zu Beginn: „Gedenke, Herr, an David ...“. Davids Dynastie hatte ihren Bestand durch die Treue Gottes. So betet das Volk: „Weise nicht ab das Antlitz deines Gesalbten um deines Knechtes David willen! Der Herr hat David in Treue geschworen, davon wird er sich nicht wenden.“ Die einzige Antwort der Thronfolger Davids sollte sein, auch treu an dem Bund mit Gott festzuhalten.

Gottes Volk

Ja, es geht um David. Doch auf den zweiten Blick merke ich, dass etwas anderes im Vordergrund steht. Es ist die Gegenwart Gottes inmitten seines Volkes Israel. Dessen war sich David bewusst. Er wollte, dass sich dessen auch alle im Volk bewusst waren. Bisher war Gott mit dem Volk in einem Zelt unterwegs gewesen, in der Stiftshütte. David fand, dass jetzt ein stabiler und würdevoller Tempel angemessen sei. Doch nicht er, sondern sein Sohn Salomo baute diesen Tempel. Allerdings tat David alles, um die Voraussetzung dafür zu schaffen und suchte intensiv einen geeigneten Platz und fand ihn. Dabei war David gewiss: „Der Herr hat Zion erwählt, und es gefällt ihm, dort zu wohnen.“ Hier kommt eindrucksvoll zusammen, was Menschen bewegt und was Gott bewegt. So geht es zu im Reich Gottes – bis heute.

Dabei war immer klar, dass Gott nicht in einem Gebäude zu fassen ist. Salomo brachte es auf den Punkt: „Sollte Gott wirklich auf Erden wohnen? Siehe, der Himmel und aller Himmel Himmel können dich nicht fassen – wie sollte es dann dies Haus tun?“[1] Und doch ist in diesem Psalm immer wieder von Gottes Wohnung unter uns die Rede. Es gibt dafür nur einen Grund: Gott will seinem Volk nahe sein. Und er will für uns nahbar sein. Schauen Sie sich mit mir das etwas näher an.

Gottes Nähe

Erstens geht es um „eine Wohnung für den Mächtigen Jakobs“. Gott hat sich mächtig erwiesen. Dass Gott nahbar ist, heißt nicht, dass wir über ihn verfügen, er verfügt vielmehr über uns und wir sind von ihm abhängig. Alle Macht gehört ihm. Und das ist gut für uns.

Zweitens ist der Tempel der „Schemel seiner Füße“. Dort berührt Gott gleichsam die Erde. So war der Tempel der Ort, wo sich Himmel und Erde berühren. Zu seinen Füßen kann nur Anbetung die angemessene Reaktion sein.

Drittens geht es beim Tempel um die Stätte der Ruhe nach der Wanderschaft. Ja, Gott selbst sagt: „Dies ist die Stätte meiner Ruhe ewiglich; hier will ich wohnen, denn es gefällt mir wohl.“ Erstaunlich: Gott fühlt sich wohl unter seinem Volk. Er agiert nicht nur, er will einfach da sein. Für sie da sein. Für uns da sein.

Und viertens ist im Tempel auch „die Lade deiner Macht“. Es geht um die Bundeslade, die im allerheiligsten Bereich aufgestellt war. Sie erinnerte an die Gegenwart Gottes und zugleich an die machtvolle Befreiung des Volkes Israel aus der Sklaverei. Die Bundeslade war abgedeckt mit dem sogenannten Sühnedeckel. Genau dort wollte Gott wohnen. Nur durch die Sühne unserer Schuld ist es uns möglich, ihm nahe zu sein und seine Gegenwart als gnädige Zuwendung zu erleben.

Was bedeutet das nun für Sie und mich? Schauen wir uns zunächst die Diener im Tempel an. Hier heißt es: „Deine Priester lass sich kleiden in Gerechtigkeit“ und „Ihre Priester will ich mit Heil kleiden.“ Die Kleidung zeigt, was sie charakterisierte. Sie können sich nur mit Gerechtigkeit in Gottes Nähe aufhalten, die allein durch die heilvolle Gnade Gottes zustande kommt. Nur so können auch wir Gott dienen. Dann wird den „Armen“ von Gott zugesagt: „Ich will ihren Armen Brot genug geben.“ Gott übersieht sie nicht, sondern sie haben seine besondere Aufmerksamkeit. Und nicht zuletzt Gläubigen allgemein: „Deine Heiligen lass sich freuen.“ Sind diese Heiligen besondere Leute? Man nannte sie „Chassidim“; dieses Wort beinhaltet auch „Gnade“. Sie sind die Gläubigen, die Gottes Gnade suchen und finden. Was für ein Grund, sich zu freuen über die Gegenwart Gottes!

Jesus Christus

Mit diesen Gedanken gingen die Pilger nach Jerusalem zu ihren Festen. Wäre solch ein Ort der Gegenwart Gottes nicht auch heute genial? Es gibt ihn, doch er lässt sich nicht auf einer Karte lokalisieren. Das müssen wir nicht bedauern. Schon dieser Psalm weist über seine Zeit hinaus.

So heißt es gegen Ende im Blick auf Zion: „Daselbst lasse ich aufgehen das Horn Davids, ich habe meinem Gesalbten eine Leuchte zugerichtet.“ Wahrscheinlich dachte Zacharias Jahrhunderte später an diese Aussage, als er im Blick auf das Kommen des Messias betete: „Gelobt sei der Herr, der Gott Israels! Denn er hat besucht und erlöst sein Volk und hat uns aufgerichtet ein Horn des Heils im Hause seines Dieners David.“[2] Das Horn steht für Macht. Jesus ist der Nachkomme Davids, der das Heil in machtvoller Weise bringt.

Gott kommt uns durch Jesus so nahe, dass dahinter der bisherige Tempel verblasst. Jesus sieht sich selbst als Tempel. Und wo er in der Mitte ist, wird die Gemeinschaft der Gläubigen zum Tempel. Ja, sogar jeder Gläubige wird zum Tempel, denn Jesus sagt ihnen zu: „Wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen.“[3] Unfassbar: Gott, der Vater und der Sohn, in uns gegenwärtig. Geht noch mehr?

So schaue ich Jesus an und entdecke die gnadenvolle Gegenwart Gottes. So lebe ich in der Gemeinde, in der Jesus unter uns ist. Und so freue ich mich über Jesus, der in uns Christen ist. Und das an jedem Ort. Nun verstehe ich: „Die Heiligen sollen fröhlich sein.“ Ich bin reich beschenkt.

[1] 1Kön 8,27

[2] Lukas 1,68f

[3] Johannes 14,23

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