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/ Bibel heute

Die Heilung eines Blinden bei Jericho

Nils Bremer über Markus 10,46-52.

Und sie kamen nach Jericho. Und als er aus Jericho hinausging, er und seine Jünger und eine große Menge, da saß ein blinder Bettler am Wege, Bartimäus, der Sohn des Timäus. Und als er hörte, dass es Jesus von Nazareth war, fing er an zu schreien und zu sagen: Jesus, du Sohn Davids, erbarme dich meiner! Und viele fuhren ihn an, er sollte schweigen. Er aber schrie noch viel mehr: Du Sohn Davids, erbarme dich meiner![...]

Markus 10,46–52

Was will ich von Gott?

„Was willst du, dass ich für dich tun soll?“ fragt Jesus den blinden Bartimäus. Der will natürlich sehen. Eine erwartbare Antwort. Warum also fragt Jesus? Was wäre, wenn Jesus mir diese Frage stellen würde: „Nils, was willst du, dass ich für dich tun soll?“ Setzen Sie Ihren eigenen Namen ein und Sie werden sehen, dass die Frage auf einmal Sinn macht.

Natürlich fällt mir spontan das eine oder andere ein, was Gott für mich tun könnte: „Herr, bitte beende die Kriege und das Morden auf dieser Erde; Vater im Himmel, halte doch den Klimawandel und die Umweltzerstörungen auf; Herr Jesus, schenke mir und meiner Familie Gesundheit.“
 

Wunsch nach Heilung und Gesundheit

Ich denke an dieser Bitte - Was will ich von Gott? - ist nichts falsch und ich darf sie ohne Bedenken vor Gott bringen. Besonders die Gesundheit ist in meinem Alter ein Thema, das zunehmend an Bedeutung gewinnt. Laut einer UN-Resolution von 1966 gehört sie sogar zu den Grundrechten des Menschen. Da meine Frau seit vielen Jahren an einer chronischen Krankheit leidet, liegt mir das Thema Gesundheit sehr am Herzen.

Auch Bartimäus will geheilt werden. Neben der Gesundheit geht es in unserem Bibeltext noch um zwei weitere Themen, nämlich Gerechtigkeit und Gemeinschaft. Was will ich von Gott? Gesundheit, Gerechtigkeit, Gemeinschaft?

Ein unbescheidener Wunsch  

Der blinde Bartimäus wird sehend. Diese Wundertat kann man als eine Antwort auf das Geschehen im vorhergehenden Bibelabschnitt verstehen. Dort treten die Brüder Jakobus und Johannes mit einer Bitte an Jesus heran. „Was wollt ihr, dass ich für euch tue?“ fragt Jesus auch hier. Die Antwort der beiden Jünger: wir wollen in der Ewigkeit an deiner Seite sitzen.

Ein unbescheidener Wunsch zwar, aber vorgetragen immerhin von zwei der führenden und treuesten Nachfolger. Was haben Jakobus und Johannes nicht alles zurückgelassen um Jesu willen! Familie, Beruf, Haus und Hof. Ist es da nicht recht, dafür einen entsprechenden Lohn einzufordern?

Ich kann mich gut in die Lage der beiden hineinversetzen. Ich spüre selbst manchmal, wie mir der Hals anschwillt, wenn ich mich ungerecht behandelt fühle. Ich habe eine erstklassige Leistung vorzuweisen und erhalte so wenig Anerkennung vom Chef? Aber Jesus sagt zu den Jüngern: „Ihr seid blind. Ihr wisst nicht, was ihr bittet. Ihr erkennt mich nicht und ihr kennt euch selbst nicht.“
 

Sehnsucht nach Gemeinschaft

Was will ich von Gott? Jesus heilt die Blindheit des Bartimäus und das hat unmittelbare Folgen: „Und sogleich wurde er sehend und folgte ihm nach auf dem Wege“. Der geheilte Bettler wird Teil der Jünger-Gemeinschaft.

Ein blinder Bettler in der antiken Gesellschaft: einen einsameren Menschen kann man sich kaum vorstellen. Immer auf fremde Hilfe und das Wohlwollen anderer angewiesen sein; morgens nicht wissen, ob man abends satt oder hungrig schlafen gehen wird; kein Leidensgenosse da, mit dem man sich austauschen könnte, jeder schaut auf ihn herab.

Was für ein Segen, auf einmal Mitglied einer Gruppe zu sein! Ich kann mir vorstellen, dass die Aufnahme in eine Gemeinschaft für Bartimäus sogar wichtiger war als das Geschenk seines Augenlichts.

Gesundheit, Gerechtigkeit, Gemeinschaft: das sind wichtige Dinge, um die ich Gott bitten darf. Es sind universelle Werte, die die allermeisten als erstrebenswert ansehen. Aber sie sind auch zwiespältig.

Drei wichtigere „G“s

Gesundheit ist nicht jedem geschenkt und sie hält auch nicht immerwährend an; wahrhaft gerecht ist kein Mensch, sondern allein Gott; Gemeinschaft ist an sich noch nicht positiv, auch eine Verbrecherbande ist eine Gemeinschaft.

Ich möchte diese Begriffe durch drei andere „G“s ersetzen: Glaube, Gewissen, Gnade. Glaube anstatt Gesundheit. Glauben heißt darauf vertrauen, dass es mehr gibt als das, was vor Augen ist; dass körperliche Vollkommenheit nicht alles ist; mein Trost ist, dass Gott spätestens in der Ewigkeit heilt.

Gewissen statt Selbstgerechtigkeit. Ich lasse mir von Gott die Augen öffnen; ich öffne mich gegenüber Gott und meinen Mitmenschen. Gnade statt Gemeinschaft: ich meide schlechte Gesellschaft; ich brauche nicht Geselligkeit um jeden Preis; gehöre ich zu Gott, dann bin ich, sogar wenn ich allein bin, nie einsam.

Sichere Fahrt im Lebensballon

Was will ich von Gott? Glaube, Gewissen und Gnade. Ich möchte mit einem Bild schließen. Ich stelle mir mein Leben als einen Heißluftballon vor. Wenn ich ängstlich um mich selbst, um meine Befindlichkeiten kreise, kann ich nicht aufsteigen, dann bleibt mein Lebensballon am Boden.

Aber Gott hat etwas in mich hineingelegt, dass mir Auftrieb gibt: meinen Glauben. Mein Glaube ist ein Teil von mir. „Dein Glaube hat dir geholfen“, sagt Jesus zu Bartimäus; nicht ich, Jesus, war das, auch nicht allein du, selbst, aber dein Glaube.

Die zweite Gefahr meines Lebensballons: ich steige zu hoch. Ich verliere die Erde aus dem Blick und komme infolgedessen vom Kurs ab. Wie die Jünger Jakobus und Johannes will ich etwas sein, was ich nicht sein kann. Da gilt es die Flughöhe zu verringern, die Selbsteinschätzung zu überprüfen, meine Ansprüche zurückzuschrauben, auf mein Gewissen zu hören: hier kann Gott zu mir sprechen.

Der dritte Fehler beim Ballonfahren: ich lade meine Gondel zu voll, ich nehme zu viele oder die falschen Passagiere mit. Niemand bestreitet seine Fahrt durchs Leben allein, aber die falsche Gesellschaft gefährdet den Flug.

Ich fühle mich in einer kleinen christlichen Gemeinde zu Hause; dort spüre ich etwas von der Gnade und Liebe Gottes. Wo der gute Geist Gottes weht, da kann er unserem gemeinsamen Flug Richtung geben. Glaube, Gewissen, Gnade: das will ich von Gott. Und Sie?

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Kommentare (1)

Peter W. /

„Was willst du, dass ich für dich tun soll?“ Mit dieser Frage hat sich Jesus dem Bartimäus liebevoll zugewandt, statt ihm im Vorbeigehen die körperliche Heilung zu „verpassen“. „Rabbuni, dass ich mehr