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/ Bibel heute

Moses Berufung (2)

Markus Wäsch über 2. Mose 4,1–17.

Mose antwortete und sprach: Siehe, sie werden mir nicht glauben und nicht auf mich hören, sondern werden sagen: Der HERR ist dir nicht erschienen. Der HERR sprach zu ihm: Was hast du da in deiner Hand? Er sprach: Einen Stab. Er aber sprach: Wirf ihn auf die Erde. Und er warf ihn auf die Erde; da ward er zur Schlange und Mose floh vor ihr.[...]

2. Mose 4,1–17

Es ist wie wenn einer seinen Freund um Hilfe bittet, und dieser sämtliche jetzt möglichen Ausreden durchgeht:

„Sorry, ich glaube, bei mir ist eine Erkältung im Anmarsch.“

Oder: „Ausgerechnet dann feiert mein Bruder Geburtstag.“

Oder: „Ich würde gerne helfen, aber ich muss morgen früh raus.“

Bereits in Kapitel 3 hatte Mose sich herausreden wollen: „Wer bin ich, dass ich zum Pharao gehe ...?“ (3,11). Sein zweiter Einwand war, dass er nicht einmal den Namen seines Auftraggebers – also Gottes – kennt. „... was soll ich ihnen sagen?“ (3,13).

Mose hat verständlicherweise Angst. Das Volk Israel leidet unter der Zwangsarbeit in Ägypten. Gott beauftragt Mose nun, dem ein Ende zu machen, seine Leute zu befreien. Doch Mose riskiert seinen Kopf bei dieser Aktion; schließlich hängt sein Steckbrief sowieso schon an jeder Litfaßsäule von Ägypten. Mose kennt die Brutalität des ägyptischen Unterdrückers, er kennt das Leid des versklavten Volkes Israel ...

Freundlich und mit viel Geduld geht der HERR auf Moses Einwände ein. Er führt den Auftrag näher aus, was bei Mose allerdings erst recht keine Vorfreude hervorruft. Mose bringt einen dritten Einwand: „Siehe, sie werden mir nicht glauben und nicht auf mich hören, sondern werden sagen: Der HERR ist dir nicht erschienen.“ (4,1) Auch ein menschlich nachvollziehbares Argument: Gott hatte sich seinem Volk seit 400 Jahren nicht mehr gezeigt. 400 Jahre Sklaverei. 400 Jahre lang schwieg Gott. Und jetzt sollte er plötzlich von sich hören lassen? Nicht auszuschließen, dass Moses Volksgenossen ihm den Vogel zeigen würden.

Gott antwortet dem Drückeberger mit drei übernatürlichen Zeichen. Zwei davon zeigt er ihm sofort, das dritte wird sich später in Ägypten ereignen.

Zuerst macht der HERR auf etwas Banales aufmerksam: den Hirtenstab in Moses Hand. Gott fragt nach dem, was wir haben. Wir alle haben unsere jeweiligen Möglichkeiten. Wir können Gott mit dem, was wir besitzen, dienen.

Doch es scheint mir noch mehr dahinter zu stecken: So ein Stab ist die Arbeitshilfe eines Hirten, eines Leiters mit Autorität. Spricht dieser Stab vielleicht auch von der Vollmacht, die Gott einmal Adam anvertraut hatte? Seine Autorität hatte der allerdings dem Teufel abgetreten; aus dem Stab war die Schlange geworden. – Die gute Nachricht ist, dass diese Vollmacht wieder zurück in die Hand des Menschen kam, in die des Menschen Jesus Christus. Durch sein Sterben am Kreuz hat er dem Teufel die Macht genommen. Jesus sagt selbst: „Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden.“ (Mt 28,18) Als Christen dienen wir dem, der die absolute Macht hat. Ihm entgleitet nichts.

Während der Sklaverei in Ägypten litt das Volk unter der Macht seiner Feinde. Von uns werden die wenigsten äußerlich unterdrückt, aber wir leiden unter einer anderen Macht, der Sünde in uns. Das steckt hinter dem zweiten Zeichen: der aussätzigen Hand. Wie der Aussatz im Inneren eines Körpers beginnt und bald nach außen sichtbar wird, wie er Gemeinschaft zerstört, so ist es auch mit der Sünde. Aussatz wurde von jeher als ein Bild für Sünde gesehen. Im Gesetz vom Aussatz im 3.  Buch Mose, Kapitel 13 ist von Kreaturen die Rede, die völlig mit Aussatz bedeckt sind und dennoch für rein erklärt werden können (3. Mose 13,12-13). Unser Problem sind nicht nur einzelne Sünden. In der Bibel steht, dass gar nichts Gesundes an uns ist, dass wir, im Bilde gesprochen, völlig aussätzig sind. Wir alle brauchen den Retter Jesus Christus. Sein Blut macht uns rein von aller Sünde“ (1. Johannes 1,7). Das zweite Zeichen sagt: Nur eine gereinigte Hand vermag, Gott zu dienen.

Das zweite Buch Mose redet von Rettung und Befreiung. Und ... es redet zudem von Gottes Gericht. Auf diejenigen, die jene beiden Zeichen ignorieren, warten Gerichtsplagen. Darauf deutet das dritte Zeichen hin: die Verwandlung des Nilwassers in Blut. Der Nil ist für Ägypten der „Strom des Lebens“. Dieses Wasser genießen auch gottlose Menschen. Wer aber Gott nicht dankt und wer blind ist für die Botschaft der beiden ersten Zeichen, für den wird sich der Genuss in Fluch verwandeln. Wie viele gehen an maßlosem Genuss zugrunde ...

Mose scheint all das wenig zu beeindrucken. Er sucht nach weiteren Ausflüchten. Als vierten Einwand holt er seine angeblich mangelnde Sprachbegabung hervor, er könne nicht flüssig reden. Mose ist nicht faul, seine Ausreden aber werden es zunehmend. Als ob die Wirkung von Gottes Botschaft von der Redegewandtheit seiner Boten abhinge! Der Apostel Paulus wusste, dass dem nicht so ist: Ich „kam nicht mit hohen Worten oder hoher Weisheit, euch das Geheimnis Gottes zu predigen“ (1. Korinther 2,1), so schreibt er den Christen in Korinth. Natürlich können Worte beeindrucken, aber Rhetorik kann niemals Gottes allerbeste Botschaft noch besser machen. Wir müssen lernen, was Paulus gelernt hat: „... denn wenn ich schwach bin, so bin ich stark (2. Korinther 12,10).“

Ist es das, was Gott an Mose so gefällt? Er hat wenig Selbstvertrauen im Sinne von: Er vertraut sich nicht selbst. Was aber noch fehlt, ist sein volles Vertrauen auf Gott. Und das fehlt mir auch oft.

In unseren Gemeinden setzen wir auf gute Musik, gut vorgetragene Predigten, gut gemachte Podcasts, ...; nur bekehren sich dadurch keine Menschen. Das geschieht nur durch Gottes Wort und durch das Wirken des Heiligen Geistes. Darauf gilt es zu vertrauen. Wir müssen lernen, dass Gott es auf seine Art am effektivsten macht. Alle Ehre fällt so ihm, unserem Herrn, zu und nicht uns als seinen Dienern.

„Mose aber sprach: Ach, Herr, sende, wen du senden willst. Da wurde der HERR sehr zornig über Mose ... (4,13-14).“ Der fünfte Einwand ist kein Einwand mehr. Es ist Moses Weigerung. Und Weigerung ist keine Demut, keine Schwachheit, sondern da will einer einfach nicht. Das bringt Gott auf. Am Ende stellt er Mose seinen Bruder Aaron als Gehilfen zur Seite.

Ich halte für heute fest: Der große, gütige Gott will seine geschundenen Menschen befreien. Und dazu sucht er unter uns Mitarbeitern solche, die sich ihm zu Verfügung stellen – welch eine Gelegenheit! Wenn Gott uns beruft, wartet immer eine herausragende Aufgabe auf uns.

Ausreden wird es immer geben, Gelegenheiten nicht.

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Kommentare (1)

Irmgard S. /

Danke für diese Andacht, habe sie während eines Krankenhausaufenthalts gelesen.