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/ Bibel heute

Warnung vor unnützem Streit (2)

Edgar Schwarz über 2. Timotheus 2,22–26.

Flieh die Begierden der Jugend! Jage aber nach der Gerechtigkeit, dem Glauben, der Liebe, dem Frieden mit allen, die den Herrn anrufen aus reinem Herzen. Aber die törichten und ungezogenen Fragen weise zurück; denn du weißt, dass sie nur Streit erzeugen. Ein Knecht des Herrn aber soll nicht streitsüchtig sein, sondern freundlich gegen jedermann, im Lehren geschickt, einer, der Böses ertragen kann[...]

2. Timotheus 2,22–26

Im September des vergangenen Jahres wurde einer unserer Enkel eingeschult. Für seine Eltern war es die erste Einschulung eines Kindes. Wie aufregend! Was gab es alles zu bedenken und auch zu besorgen. Und dann noch die verschiedenen Ermahnungen für das Schulkind: Pass auf, sei vorsichtig, renne nicht über die Straße, geh mit keinem Fremden mit und vieles mehr. Diese Ermahnungen kamen mir in den Sinn, als ich diesen Briefabschnitt las. Paulus, ein von Jesus selbst berufener Apostel, schreibt an Timotheus, einen besonders wertvollen Mitarbeiter. Zwischen den beiden gibt es eine Beziehung, die einem Vater-Sohn-Verhältnis gleicht.

Paulus befindet sich erneut in Gefangenschaft und gibt dem Timotheus in diesem Brief klare Anweisungen: Flieh vor den Begierden, jage nach der Gerechtigkeit, auf törichte Fragen reagiere nicht, sei nicht streitsüchtig, sondern freundlich gegen jedermann, ertrage Böses, sei sanftmütig, und das alles, damit einer vielleicht umkehrt und gerettet wird.

Wie wird Timotheus wohl reagiert haben? Hätte ich den Brief erhalten, wäre ich wohl sauer. Dem Paulus möchte ich sagen: Deine Anweisungen sind ja wichtig und gut, aber wie bekomme ich es hin, sie einzuhalten? Gerade dann, wenn ich mich besonders anstrenge, dann scheiterte ich. Wie komme ich aus diesem Kreislauf heraus?

Stelle ich Paulus diese Frage, dann höre ich förmlich seine Antwort: Gott sei Dank! Durch unseren Herrn Jesus Christus bin ich bereits befreit. (Römer 7,25 HfA) Seine Antwort ist ein Hinweis darauf, dass den endgültigen Sieg über alles Fehlverhalten und letztlich über die Sünde Jesus Christus errungen hat. Mit diesem Argument im Hintergrund sehe ich mir einige der Forderungen des Apostels an. „Jage aber nach der Gerechtigkeit.“ Wie meint Paulus das? Kann Timotheus und damit auch ich durch ein Nachjagen vor Gott gerecht werden? Gerechtigkeit kann nicht erworben werden, sondern sie wird geschenkt.

Jesus erzählt dazu die Geschichte vom verlorenen Sohn. Unverdient nimmt der Vater seinen zurückkehrenden Sohn wieder auf. Paulus spricht davon immer wieder in seinen Briefen. So schreibt er an die Gemeinde in Rom: „Nun aber ist ohne Zutun des Gesetzes die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, offenbart. Ich rede aber von der Gerechtigkeit vor Gott, die da kommt durch den Glauben an Jesus Christus zu allen, die glauben. Sie werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die Erlösung, die durch Christus Jesus geschehen ist.“ (Römer 3,21.22.24) Ganz ähnlich schreibt er an die Gemeinden in Galatien: „Doch weil wir wissen, dass der Mensch durch Werke des Gesetzes nicht gerecht wird, sondern durch den Glauben an Jesus Christus …“ (Galater 2,16) Auch der Gemeinde in Korinth sagt er: „Denn er hat den, der von keiner Sünde wusste, Jesus, für uns zur Sünde gemacht, auf dass wir in ihm die Gerechtigkeit würden, die vor Gott gilt.“ (2. Korinther 5,21)

Am Kreuz fand der Austausch statt. Jesus nahm unseren Platz ein, damit wir seinen Platz einnehmen können. Am Kreuz hat Jesus nicht nur unsere Sünden weggenommen, er gab uns auch seine Gerechtigkeit.

Was meint nun Paulus, wenn er schreibt: „Jage nach der Gerechtigkeit“? Nach etwas jagen ist nur möglich, wenn etwas vorhanden ist. Zum Beispiel einen Wolf zu jagen hat nur Sinn, wenn er vorhanden ist und vielleicht einige Schafe gerissen hat. Gott bietet seinen Geschöpfen Gerechtigkeit an. Sie ist also vorhanden wie ein Geschenk, das zur Abholung bereitsteht. Dieses gilt es, im Glauben anzunehmen. Oder, wie es im Bibeltext heißt, der Gerechtigkeit nachzujagen. Das bedeutet für mich, nicht was ich tue, macht mich gerecht. Gerecht macht mich, was Christus auf Golgatha getan hat. Das glaube ich.

So wie die Gerechtigkeit ein Geschenk, eine Frucht ist, so bewirkt die Erkenntnis über die geschenkte Gerechtigkeit auch Frucht. Dazu gehört sicher der Umgang mit der Begierde. Nicht nur an geschlechtliche Begierde ist bei Timotheus zu denken. Seine Minderwertigkeitsgefühle könnten Hochmut, Ungeduld und Mutlosigkeit herbeiführen. Sie können solche Begehrlichkeiten werden, vor denen Paulus hier warnt. Bin ich mir der Gerechtigkeit, letztlich der Gnade Gottes bewusst, dann wird das Widerstehen von Begierden zu einer Frucht.

Paulus unterscheidet auch immer wieder zwischen Früchten und Werken. Zu den Früchten des Geistes, dem Ergebnis des Lebens mit Jesus, zählt er: „Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Keuschheit.“ (Galater 5,22) Menschliche Anstrengungen, fleischliche Werke nennt Paulus sie, führen dagegen zu: Unzucht, Unreinheit, Ausschweifung, Götzendienst, Zauberei, Feindschaft, Hader, Eifersucht, Zorn, Zank, Zwietracht, Spaltungen, Neid, Saufen, Fressen und dergleichen.  (Gal 5,19-21)

Die weiteren genannten Hinweise sollten mit dem gleichen Hintergrund gelesen und gehört werden. Entscheidend ist wohl auch das Motiv für das Handeln. Bin ich mir meiner Stellung vor Gott bewusst, dann ergeben sich andere Lösungen. Auf törichte und ungezogene Fragen“ muss ich nicht reagieren. Mein Herr wird für mich streiten, dessen bin ich gewiss. Von daher muss ich auch nicht streitsüchtig sein und kann Böses ertragen.

Die Sätze: „Vielleicht hilft ihnen Gott zur Umkehr, damit sie die Wahrheit erkennen und wieder nüchtern werden aus der Verstrickung des Teufels, von dem sie gefangen sind, zu tun seinen Willen.“ haben mich weiter besonders angesprochen. Mein Umgang mit Menschen, aus meiner neuen Stellung heraus, kann Veränderung bewirken. Gott selbst kann eine Umkehr ermöglichen. Das Erstaunliche: Er beteiligt mich an seinem Rettungsplan. Das empfinde ich als wunderbar. Gleichzeitig wird es nicht zu einer Pflicht, nach dem Motto: „Nun streng dich mal an und bemühe dich!“ Es ist Gottes Sache, ja, es ist sein Wille, Menschen aus der Verstrickung des Teufels zu lösen. Was für eine Zusage. Sie gilt auch für Menschen aus meinem Umfeld. Das erwarte ich, denn bei Gott ist kein Ding unmöglich.

 

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