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/ Bibel heute

Treue zum Evangelium (2)

Thomas Klappstein über 2. Timotheus 1,13–18.

Halte dich an das Vorbild der heilsamen Worte, die du von mir gehört hast, im Glauben und in der Liebe in Christus Jesus. Dieses kostbare Gut, das dir anvertraut ist, bewahre durch den Heiligen Geist, der in uns wohnt. Das weißt du, dass sich von mir abgewandt haben alle, die in der Provinz Asia sind, unter ihnen Phygelus und Hermogenes.[...]

2. Timotheus 1,13–18

Der zweite Brief des Paulus an seinen guten Freund, früheren Mitarbeiter und Mitstreiter Timotheus ist wahrscheinlich der letzte, den Paulus geschrieben hat. Es ist ein sehr persönlicher Brief, der die innersten Gefühle von Paulus widerspiegelt. Dieser befindet sich wegen seines Glaubens im Gefängnis und rechnet mit einer Verurteilung und seinem baldigen Tod. Trotzdem rühmt er die Treue Gottes, die ihn sein ganzes Leben getragen hat. Und er ist voller Zuversicht, dass er nach seinem Tod für immer bei Gott sein wird.

Paulus ist aber auch voller Sorge um die Zukunft der Gemeinden, weil er weiß, dass auch sie das erwartet, was er bereits erlebt hat: Ablehnung und Verfolgung. Paulus wagt in diesem zweiten Brief an Timotheus die Prognose, dass viele Menschen bzw. Christen sich von der Wahrheit abwenden werden und Gott nicht mehr als Herrn anerkennen wollen. Deshalb ermahnt er Timotheus noch einmal eindringlich – und mit ihm alle Christen – auch angesichts von Bedrohung fest im Glauben zu bleiben. „Halte dich an das Vorbild der heilsamen Worte, die du von mir gehört hast, im Glauben und in der Liebe in Christus Jesus.“ (2.Tim. 1,13) So ein Originalsatz von Paulus in diesen Anfangszeilen des zweiten Timotheusbriefes. Denn Jesus Christus ist der Herr über alle Mächte und Gewalten. „Er, Christus, hat dem Tode die Macht genommen und Leben – unvergänglich und ewig – ans Licht gebracht“ (2.Tim. 1,10) bemerkt Paulus kurz davor.

“Standhaft bleiben – Haltung bewahren“ vermittelt viel von der Haltung des Apostels Paulus.

Szenenwechsel: In einem Athener Gefängnis Jahrhunderte zuvor stehen Freunde um den zum Tode verurteilten 70jährigen Sokrates. Da werden seine weinende Ehefrau und seine drei Kinder hereingeführt. Er lässt sie wegschaffen, weil er ihr Heulen und Klagen nicht ertragen kann und will. „Wusstet ihr nicht“, sagt er seinen Freunden, „als ich geboren wurde, ward mir das Sterben schon mitgegeben?“ „Aber du stirbst unschuldig!“, sagen die Freunde. Sokrates kontert: „Wolltet ihr lieber, ich würde schuldig sterben?!?“

Dann ließ er sich von seinem Henker noch Anweisungen geben, wie man sich am besten verhält, damit das Gift richtig wirkt, denn er sollte durch einen Gifttrunk hingerichtet werden. Daraufhin leerte er mit heiterer Miene den Giftbecher, so ist es überliefert, und starb.

So überlegen und sicher können Menschen mit dem Tod fertig werden. Man hat damals etwas Heldisches darin gesehen, seine Unterlegenheit offen einzugestehen und zu kapitulieren. Ob es Sinn macht oder nicht. Und ja, man kann mit heiterer Miene einen Giftbecher austrinken. Wie heiter man in dem darauffolgenden Prozess des Sterbens dann wirklich bleibt, kann durchaus auf einem anderen Blatt stehen.

Kapitulation vor dem Tod?

Aber an diesem Punkt geht der Kampf der Christen erst richtig los. Sie wollen vor den Zeichen des Todes nicht kapitulieren. Sie sind angetreten, um ewiges, unvergängliches Leben zu haben. Das wird in dem zweiten von mir zitierten Satz von Paulus deutlich: „Er, Christus, hat dem Tode die Macht genommen und Leben – unvergänglich und ewig – ans Licht gebracht“.

Es wäre in der Tat zu wenig, wenn die Boten des Evangeliums nur hier und da ein Wort sagen würden, um das Leben etwas erträglicher und menschlicher zu gestalten. Ihr Wort muss dem Terror des Todes trotzen. Alle Furcht vor Einschüchterungen sollten sie ablegen und in ihrem Zeugnis von Jesus, so oft es geht, von Jesus dem Auferstandenen reden. Der dem Tode die Macht genommen hat. Deshalb war es meines Erachtens Paulus in diesem Zusammenhang auch so wichtig, Timotheus zu ermutigen: „Halte dich an das Vorbild der heilsamen Worte, die du von mir gehört hast, im Glauben und in der Liebe in Christus Jesus.“

In der heutigen Welt, die aus vielen tausend Wunden blutet – und ich habe den Eindruck, momentan kommen wieder deutlich mehr Wunden hinzu –, bleibt das Evangelium vom auferstandenen Herrn als einzige Hoffnung, als einziger Trost.  Alles muss neu werden, wie Jesu kümmerliches Knechtsleben, jedenfalls zum Ende hin, in der Auferstehung zur Fülle eines neuen, ungebremsten Lebens durchgebrochen ist. Nicht der Tod, nein, der Lebendige hat das letzte Wort.

Dazu ein paar Sätze, die herausfordern, auch provozieren und mit denen Sie sich gerne auseinandersetzen können:

  • Ich kann das Evangelium nur weitersagen, wenn ich gleichzeitig bereit bin, mich unter Umständen im Leiden zu bewähren, mit Hilfe der Kraft des auferstandenen Christus (Phil. 1, 29. 30)
  • Jesus schenkt Freimut zum Reden, allen Ängsten zum Trotz. (Apg. 4,13)
  • Dabei wird sichtbar bzw. deutlich, dass Jesus stärker ist als alle Macht dieser vergehenden Welt. (1.Petrus 4,14)
  • Jesu Kommen zielt ganz auf die Befreiung aus der Macht des Todes. (Hebr. 2,14)
  • Wer an Jesus glaubt, wird nicht zuschanden. (Römer 9,33)
  • Weil Jesus die tyrannischen Mächte des Todes kraftlos gemacht hat, können die Verkündiger des Evangeliums heute unvergängliches Leben in Ewigkeit anbieten. (Eph. 5,14)

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