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/ Bibel heute

Mahnung an Timotheus

Dietmar Kranefeld über 1. Timotheus 6,1–10.

Alle, die als Sklaven unter dem Joch sind, sollen ihre Herren aller Ehre wert halten, damit nicht gegen den Namen Gottes und die Lehre gelästert werde. Welche aber gläubige Herren haben, sollen diese nicht verachten, weil sie Brüder sind, sondern sollen ihnen umso mehr dienstbar sein, weil sie gläubig und geliebt sind und sich bemühen, Gutes zu tun. So lehre und mahne! Wenn jemand anders lehrt und bleibt nicht bei den heilsamen Worten unseres Herrn Jesus Christus und bei der Lehre, die der Frömmigkeit gemäß ist,[...]

1. Timotheus 6,1–10

Ich wäre gern dabei gewesen. Es war so umstürzend. Etwas ganz Neues war entstanden. Damals zu Pfingsten in Jerusalem. Menschen erlebten die Gegenwart Gottes in ganz besonderer Weise. Viele erkannten Jesus als Messias, den Erlöser, der neues, ewiges Leben schenkt. Sie hörten, dass Jesus ihre Vergangenheit bereinigt und ihnen ihre Schuld vergibt. Sie wurden erfüllt mit dem Geist Gottes, mit Freude, Kraft und Liebe.

Die erste Gemeinde entstand. Es muss eine besondere Atmosphäre der Freude gewesen sein. Hier war es sicher leicht, an Jesus zu glauben. Jeder sorgte für den Anderen. In kleinen Gruppen trafen sich die Christen zum Abendmahl und zum gemeinsamen Lobpreis in den Häusern. „Die Menge der Gläubigen aber war ein Herz und eine Seele; auch nicht einer sagte von seinen Gütern, dass sie sein wären, sondern es war ihnen alles gemeinsam.“

Irgendwie ein Stück Paradies auf Erden, so scheint es mir. Doch, ich wäre gern dabei gewesen.

Aber dann hätte ich schmerzlich miterleben müssen, wie das scheinbare Paradies zerbrach. Egoismus, Geltungssucht und Lüge zogen ein und machten deutlich: noch leben wir in dieser alten Welt. Das Paradies gibt es auf dieser Erde nicht. Noch leben wir im Glauben und nicht im Schauen.

Das erleben auch die Sklaven in den Gemeinden. Auf der einen Seite gibt Jesus ihnen ihre Würde zurück. Sie sind von ihm geliebte Menschen. Wer im Glauben an Jesus lebt, ist ein Kind Gottes. Alle in der Gemeinde sind Brüder und Schwestern. Auf der anderen Seite ermahnt Paulus die Christen, dass sie ihr Christsein in den vorhandenen sozialen Strukturen leben.

Sicher enttäuschend für die gläubigen Sklaven, vor allem, wenn sie gläubige Herren hatten. Sklave und Herr sitzen gemeinsam und gleichwertig im Gottesdienst. Und im Alltag sind sie Sklave und Herr.

Ich kann verstehen, dass dies Konflikte in die Gemeinde bringt. Auch heute, wenn Chef und Angestellter im Gottesdienst sitzen. Oder Schülerin und Lehrerin.

Hier muss sich zeigen: Was bestimmt mein Handeln? Ist es der Wunsch, zur Ehre von Jesus zu leben? Ist es mein Ziel, mein Ich zurückzustellen und meine Mitchristen zu lieben?

Muss nicht andererseits für Christen ein neues Miteinander möglich sein? Weil ich dem anderen zubillige, was Paulus über die gläubigen Herren schreibt: dass sie „gläubig und geliebt sind und sich bemühen, Gutes zu tun.“

„So lehre und mahne!“

Denn auch als Christ stehe ich in der Gefahr, selbstbezogen zu sein und zu leben. Paulus sieht diese Gefahr auch dort, wo sich Christen über die rechte Lehre streiten und Worte und Lehren von Jesus in Frage stellen.

Wie oft stellen Christen Worte der Bibel in Frage, weil sie unbequem sind oder dem Zeitgeist widersprechen? „Das kann man doch heute so nicht mehr sagen.“ Wie oft geht es bei Diskussionen um die Bibel darum, recht zu behalten? Oder Einfluss zu gewinnen? Und damit Macht!

Und Geld! Paulus kennt das Phänomen. Im Alten Testament wird uns die Geschichte des Propheten Bileam erzählt. Er bekommt ein Angebot des Königs Balak, ihn gut zu bezahlen, wenn er auf Israel einen Fluch legt. Bileam sagt zunächst auf Weisung Gottes hin „Nein!“ Aber das viele Geld lässt ihn nicht ruhen, bis er einen Weg gefunden hat, dem Ruf Balaks zu folgen. Er kann und darf Israel zwar letztlich nicht verfluchen, aber er eröffnet Balak einen Plan, wie er Israel dennoch besiegen kann. Und den ließ er sich bestimmt gut bezahlen – wir wissen, wie reich ein Beratervertrag machen kann. Geldgier hatte ihn gepackt – und er kam zu Fall!

„Geldgier ist eine Wurzel allen Übels“, andere übersetzen allgemeiner: Habsucht, Habgier, Habenwollen. „Ich will haben“, und dafür verrate ich unter Umständen meinen Glauben, wie Paulus schreibt: „Denn alles Böse erwächst aus der Habgier. Schon so mancher ist ihr verfallen und ist dadurch vom Glauben abgekommen. Wie viel Not und Leid hätte er sich ersparen können!“ So liest sich V. 10 in der Übersetzung Hoffnung für alle.

Paulus schreibt: „Ein großer Gewinn aber ist die Frömmigkeit zusammen mit Genügsamkeit.“ Der Glaube an Jesus Christus macht reich – nicht an Geld. Ein Tontechniker beim WDR wird sicher viel mehr Geld verdienen als ein Tontechniker beim ERF. Aber der Dienst bei der Produktion einer Verkündigungssendung ist ungleich wertvoller als die Arbeit für eine gute Fußballübertragung.

Der Reichtum, den ich empfange im Dienst für Jesus, ist eben ganz anderer Art als materieller Reichtum.

Die Jagd nach Geld wird mich materiell reich machen. Doch wenn ich als Christ darauf verzichte, 14 Stunden am Tag zu arbeiten, um mein Bankkonto zu füllen, dagegen bereit bin, Zeit und Kraft für Gott zu investieren, werde ich Segen erfahren. Dieser Dienst für Gott umfasst den praktischen Dienst in der Gemeinde, aber genauso den Umgang mit Gott in Stille und Gebet.

Dazu brauche ich ein gewisses Maß an Genügsamkeit, vielleicht auch Verzicht. Autarkie steht hier wörtlich, ein Begriff aus der griechischen Philosophie der Stoa:

Die stoischen Philosophen beschrieben damit jemanden, der unerschütterlich ist und sich von äußeren Umständen nicht bewegen lässt. Christen sollen zufrieden und genügsam sein und nicht nach mehr streben, als Gott ihnen bereits gegeben hat. Er ist die Quelle der Zufriedenheit. So lese ich es in der Studienbibel von John MacArthur.

„Wenn wir aber Nahrung und Kleider haben, so wollen wir uns damit begnügen.“ Es haben auch außerhalb der christlichen Gemeinde Menschen entdeckt, dass es sich mit leichtem Gepäck leichter leben lässt. Es macht uns frei, für Jesus zu leben.

Jesus ist die Quelle der Zufriedenheit. Bei dieser Quelle möchte ich bleiben und mich ausrichten auf ihn. Dieses Leben ist nicht alles – das ewige Leben wartet. Auf mich. Und auf alle, die an Jesus glauben.

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