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/ Bibel heute

Männer und Frauen im Gottesdienst

Eleni Stambke über 1. Timotheus 2,8–15.

So will ich nun, dass die Männer beten an allen Orten und aufheben heilige Hände ohne Zorn und Zweifel. Desgleichen, dass die Frauen in schicklicher Kleidung sich schmücken mit Anstand und Besonnenheit, nicht mit Haarflechten und Gold oder Perlen oder kostbarem Gewand, sondern, wie sich’s ziemt für Frauen, die ihre Frömmigkeit bekunden wollen, mit guten Werken.[...]

1. Timotheus 2,8–15

Paulus schreibt im Vers 8: „So will ich nun, dass die Männer beten an allen Orten und aufheben heilige Hände ohne Zorn und Zweifel aufheben." Das Gebet mit erhobenen Händen ist ein Zeichen der Anbetung, der Hingabe und des Vertrauens auf Gott, der alles hält und gerne gibt. Das setzt ein freies Herz voraus. Ein Herz frei von Groll und Bitterkeit, das vergeben kann, weil es selbst Vergebung empfangen hat. Ein Herz auch frei von Zweifeln, die durch Unglaube entstehen oder durch Dinge, die noch nicht bereinigt wurden.

So sollen Männer beten, und dabei ist nicht die äußerliche Haltung das Wichtigste, sondern die Innere. Etwas, das allerdings nicht nur für Männer gilt. So weit, so gut.

Danach geht es aber Schlag auf Schlag mit den Frauen weiter: Kein äußerlicher Schmuck, keine kreativen Haarfrisuren, kein Gold, keine Perlen, keine teuren Klamotten. Stillsitzen, nicht reden, nicht lehren, sich nicht auffällig verhalten … Das könnte sich wie Schläge anfühlen. Doch nicht so schnell! Am besten ist es hier, das Ganze in Ruhe zu betrachten und versuchen, den Geist hinter dem Buchstaben zu verstehen.

Dass es hier nicht darum geht, dass eine Frau sich selbst vernachlässigt und überhaupt keinen Wert auf ihr Äußeres legt, ist für mich klar. Es ist etwas anderes, was dieser Text mir sagen will. Gott richtet meine Aufmerksamkeit in die richtige Richtung und bewertet meine Prioritäten neu. Er nimmt meinen Blick von den Äußerlichkeiten weg. Es sind andere Dinge, die wirklich schmücken, auf die ich mich konzentrieren soll: Gottesfurcht und gute Werke.

Das gilt übrigens auch für die Männer. Sie kümmern sich besser auch nicht zu sehr um ihr Äußeres, sondern eher um Gottesfurcht und gute Werke.

Ich verstehe das, was Paulus hier schreibt, als eine sehr wertvolle Weisung für jeden, der als Nachfolger Jesu und als Bürger eines anderen, kommenden Reichs in dieser Welt leben will. Ob Mann oder Frau. Das ist meiner Meinung nach der Geist, der hier hinter dem Buchstaben steht.

Wie gehe ich mit Vers 11 um? „Eine Frau lerne in der Stille mit aller Unterordnung.“ Was ist das Gegenteil von Stille? Unruhe. Und das Gegenteil von Unterordnung? Rebellion, Auflehnung, Widerstand. Nun, unruhig und widerspenstig, so soll sich keiner in der Gemeinde Jesu verhalten. Weder Mann noch Frau. Wenn ich es so betrachte, steht das Wort „Frauen“ plötzlich nicht mehr im Fokus bei mir. Ich frage mich nicht mehr, ob ich mich als Frau im Hintergrund aufhalten muss. Ich lese den Text nicht so, als ob er mir sagen will, dass ich als Frau weniger darf als ein Mann. Denn jeder, der im Glauben und in der Nachfolge von Jesus weiterkommen will, muss bereit sein, ruhig und mit aller Unterordnung zu lernen. Und selbst keine Unruhe zu verursachen. Das gilt für Frauen und Männer.

Ob eine Frau lehren und leiten darf oder nicht, darüber wird debattiert, solange es die Gemeinde gibt. Meine Gedanken dazu: Erstens: Lehren ist nicht dasselbe, wie meine Meinung zu sagen. Das kann und darf ich durchaus tun, in Demut und mit Rücksicht auf die anderen. Nicht von oben herab. Meine Absicht ist nicht, den Eindruck zu vermitteln, dass ich alles besser weiß. Und ich versuche, bereit zu sein, dazuzulernen und mich korrigieren zu lassen.

Sich über den anderen erheben, das ist etwas, das keiner in der Gemeinde Jesu tun sollte. Sondern eher den anderen höher achten als sich selbst. Auch hier ist nicht das Wort „Frau“ das, was in erster Linie in meinen Fokus rückt.

Ein zweiter Gedanke: Gott hat Adam zuerst gemacht, hat ihm die Leitung und die Verantwortung für den Garten Eden übergeben. Erst danach hat Gott Eva als Gehilfin erschaffen. Ihre Rolle war nicht, die Leitung zu übernehmen, die Hauptverantwortung zu tragen. Sondern sich dafür einzusetzen, dass die Aufgabe gut erledigt wird, indem sie Adam unterstützt.

Der folgende Gedanke ist überhaupt nicht populär heutzutage, das ist mir bewusst. Nichtsdestotrotz will ich mich damit auseinandersetzen und mich selbst hinterfragen, ob vielleicht doch etwas dran ist: Wenn ich als Frau die Leitung und die Verantwortung übernehme, die dem Mann zugedacht ist, dann nehme ich ihm die Gelegenheit weg, dass er in seiner Aufgabe, in seiner Rolle als Mann, wachsen kann. Das kann sich so auswirken, dass es nicht genug Männer gibt, die gute Leiter sind und Verantwortung tragen können. Eigentlich das, was Gott ihnen am Anfang zugedacht hat.

So sehr ich Frauen bewundere, die kompetent sind, oft kompetenter als Männer, sehe ich persönlich meine Rolle und Aufgabe als Frau eher darin, mich erstmal zurückzuziehen und den Mann zu unterstützen, indem ich Tipps gebe oder Vorschläge mache. Zugegeben, es ist nicht immer leicht für eine Frau, sich zurückzunehmen, wenn es offensichtlich ist, dass sie eine Leitungsaufgabe besser als ein Mann erledigen könnte. Aber vielleicht geht es hier nicht immer nur darum, wer was am besten machen kann. Sondern wie etwas nach Gottes Ordnung und Absicht geschieht.

Außerdem frage ich mich, wenn ich als Frau meine Aufgabe als Unterstützerin mit der eines Leiters umtausche, wer übernimmt dann meine Rolle? Frauen wird die Fähigkeit zugesprochen, dass sie den Blick für das Ganze haben und auch intuitiv Dinge wahrnehmen, die nicht gleich sichtbar sind. Oft können sie so Potenzial erkennen und auch geschickt fördern. Wer übernimmt dann solche Aufgaben, die vielleicht nicht immer im Rampenlicht stehen, aber von größter Wichtigkeit sind?

Heißt das im Rückschluss, dass eine Frau nie und niemals lehren oder leiten darf? Nun, ich lese in der Bibel, dass Frauen durchaus weitergaben, was sie selbst erlebt und verstanden haben. Die Mutter und die Großmutter von Timotheus zum Beispiel. Paulus erwähnt sie mit Namen und lobt ihren Glauben. Ich gehe davon aus, dass Mutter und Großmutter Timotheus diesen lobenswerten Glauben und die christliche Lehre nahe beigebracht haben und ihn darin erzogen haben. In einer sehr guten Art und Weise, wenn ich betrachte, was aus ihm geworden ist. Oder Priscilla und Aquilas, zusammen haben sie Apollos den Weg Gottes genauer ausgelegt. Paulus schreibt auch von älteren Frauen, die jüngere Frauen anleiten sollten. Ich kann und darf als Frau das weitergeben, was ich verstanden habe, was ich mit Gott erlebt habe, immer mit Zurückhaltung, Lernbereitschaft und Feingefühl.

Die Frage bleibt, in welchem Rahmen. Ich persönlich will da nicht die Hauptverantwortung tragen, bin aber bereit, anderen auf ihrem Weg mit und für Jesus zu unterstützen und zu helfen. Ob das Männer sind, oder Frauen.

Zuletzt der Vers 15: Wenn ich den Kontext beachte, wird mir einiges klarer. Eva ließ sich von der Schlange verführen und hat Gottes Gebot übertreten. Doch auch die Rettung, der Sieg über die Sünde, die Vergebung, weil Maria sich zur Verfügung gestellt hat. Durch das Wunder der Geburt, durch die Geburt von Jesus Christus. Paulus schreibt hier nicht, dass die Frauen gerettet werden, weil sie Kinder auf die Welt bringen. Denn nur der Glaube, der sich durch die Liebe und durch ein verändertes Leben nach dem Willen Gottes als echt erweist, ist das, was einen Menschen rettet. Ob Mann oder Frau.

Schließlich geht es in einem Leben unter Gottes Führung nicht darum, schon im Vorfeld zu klären, was meine Aufgabenbereiche sein können und dürfen, sondern die Aufgaben zu erfüllen, die Gott für mich vorbereitet hat. Ob Mann oder Frau.

Ihr Kommentar

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Kommentare (6)

Lieber /

Liebe Frau Stambke,
danke für Ihre Auslegung, sehr gelassen und wider den Zeitgeist. So kann man Paulus auch verstehen, ohne sofort die "Backen aufzublasen" weil die Frauen nicht genügend Bonus mehr

Susanne Z. /

Meine Erfahrung stimmt dem Kommentar von Damaris voll zu.
Ich möchte noch etwas erweitern, nicht immer suchen wir uns die von Gott für uns bestimme Position im Leben aus.
Die Bibel spricht auch davon dass es in Christus weder Frau noch Mann. gibt.
Wir sind alle eins/ gleich in Christus.

Arthur W. /

Super Auslegung dieses Textes! Der ist Anlass für viele Diskussionen. Einige Argumente, die häufig vorgebracht werden, haben sich mit diesen Gedanken erledigt, finde ich. Respekt, dass eine Frau sich mehr

Beate K. /

Sehr gut erklärt. Ich stimme dem ganz und gar zu. LG

Damaris /

Ich glaube, dass eine Frau ihre Weiblichkeit und ihre Intuitionsgabe einbüßt, wenn sie an vorderster Front kämpft, aber leider zeigt die Geschichte sowohl in der Bibel als auch später, dass viele mehr

Johannes C. /

Danke für diese klare und differenzierte Auslegung dieses schwierigen Themas, wie ich es bisher noch nie gehört habe.