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/ Bibel heute

Jesus in Kapernaum (2)

Thies Hagge über Markus 1,29–39.

Und alsbald gingen sie aus der Synagoge und kamen in das Haus des Simon und Andreas mit Jakobus und Johannes. Die Schwiegermutter Simons aber lag darnieder und hatte das Fieber; und alsbald sagten sie ihm von ihr. Und er trat zu ihr, ergriff sie bei der Hand und richtete sie auf; und das Fieber verließ sie, und sie diente ihnen.[...]

Markus 1,29–39

Darf man wegen Kleinigkeiten beten? Konkret: Wenn ich aus eigener Gedankenlosigkeit meinen Schlüssel verlegt habe, darf ich dann den Schöpfer des Universums bitten, dass er mir hilft, den Schlüssel wiederzufinden? Diese Frage begegnet mir tatsächlich ziemlich häufig, wenn es in Alpha-Glaubenskursen für Erwachsene um das Thema Gebet geht. Und meistens ist die Meinung eher: Bei Problemen, bei denen es um Leben und Tod oder andere sehr wichtige Dinge geht, ist das Gebet schon erlaubt, aber bei den mehr alltäglichen Dingen sollte man Gott doch besser aus dem Spiel lassen, der hat schließlich wichtigere Themen, um die er sich kümmern muss. Der eben gelesene Bibeltext gibt uns einen wichtigen Hinweis zu der Frage und er deckt sich mit dem, was wir auch sonst zu der Angelegenheit in der Bibel finden. Es ist nämlich die Rede davon, dass Jesus viele Kranke heilte und sogar Leute von Dämonen befreite, und wir dürfen wohl annehmen, dass unter den betroffenen Menschen auch solche waren, für die ihr Leiden ein riesiges und in manchen Fällen lebensbedrohliches Problem war. Aber kurz bevor er das alles tat, heilte er eine ältere Dame, die Schwiegermutter von Petrus, von ihrer fiebrigen Erkältung.

Gott nimmt uns ernst

Wie es für Jesus keine zu großen Probleme gibt, gibt es offensichtlich für ihn auch keine zu kleinen Probleme. Gott ist Gott und deshalb ist es keine Schwierigkeit für ihn, gleichzeitig auf der anderen Seite der Erde einen Schwerkranken wieder gesund zu machen und hier mein Gebet zu erhören, in dem ich ihn gerade um das Wiederfinden meines Schlüssels gebeten habe. In den eben genannten Alpha-Kursen geht es unter anderem darum, den Teilnehmern zu vermitteln, dass Gott ihr himmlischer Vater ist, der sie mehr liebt als irgendein Mensch das könnte. Für die Frage nach dem vielleicht zu unwichtigen Gebetsanliegen bedeutet dies: Wie liebende Eltern die Sorgen ihres Kindes immer ernst nehmen, egal ob dahinter ein großes oder ein kleines Problem steht, so ist auch unserem himmlischen Vater keine Sache zu unwichtig, solange sie uns beschäftigt.

Übrigens: Meine langjährige Erfahrung ist, dass es Gott offensichtlich besondere Freude macht, zwei Arten von Gebet quasi sofort zu beantworten. Schlüssel-Gebete – darum ging es eben – und Parkplatz-Gebete. Testen Sie es ruhig einmal selber: wenn Sie mit ihrem Auto in einer vollen Innenstadt unterwegs sind und keinen Parkplatz finden, beten Sie darum. Meine Erfahrung ist: Nicht immer, aber sehr häufig fällt mein Blick dann auf einen idealen Parkplatz. Wenn Sie auch so etwas erleben, dann sagen Sie doch Gott danach einfach „Danke“. Darüber freut er sich ganz besonders.

Übrigens: Wenn Sie eben gedacht haben, Alpha, der Glaubenskurs für Erwachsene, könnte auch für Sie interessant sein, dann googeln Sie mal danach. Mit hoher Wahrscheinlichkeit gibt es dieses Angebot auch in Ihrer Nähe!

Gebet ist wichtig!

Ich lese noch einmal Vers 35 aus dem eben gehörten Text vor. „Am Morgen, noch vor Tage, stand [Jesus] auf und ging hinaus. Und er ging an eine einsame Stätte und betete dort.“ So oder so ähnlich heißt es auch in anderen Stellen in den Evangelien. Offensichtlich hat sich Jesus sehr häufig, wenn nicht sogar täglich, zum Gebet, also zum Gespräch mit seinem himmlischen Vater, zurückgezogen von seinen Freunden und auch von seiner überaus fruchtbaren Arbeit. Warum eigentlich? Er hatte ja immerhin gerade eine große Zahl von Menschen geheilt und hätte das – so könnte man denken – vielleicht noch weiter ausdehnen können, wenn er mit dem Gebet nicht so viel Zeit verloren hätte.

„Da hilft nur noch beten“, sagen manche Leute, wenn alle menschlichen Bemühungen nichts mehr bewirken können. Wenn ich diesen Gedanken folge, dann könnte man meinen, dass beten zwar nicht schadet, dass ich aber doch, solange es möglich ist, zunächst alle Energie darauf verwenden sollte, das Menschenmögliche zu tun. Wie eben zitiert, hat Jesus das offensichtlich anders gehandhabt. Martin Luther hat es einmal so formuliert: „Ich habe so viel Arbeit, dass ich nicht auskomme, ohne täglich drei Stunden meiner besten Zeit dem Gebet zu widmen.“

Das deckt sich übrigens mit meinen Beobachtungen bei vielen Christen, bei denen ich wahrnehme, dass ihre Mitarbeit in Gemeinden oder in anderen Aufgaben, zu denen Gott sie berufen hat, offensichtlich fruchtbar ist und eine nachhaltig positive Wirkung auf das Leben anderer hat: sie sind zugleich Menschen, denen das Gebet sehr wichtig ist, die sich immer wieder zurückziehen zur Zweisamkeit mit Gott und deren Ausstrahlung man abspürt, dass ihre Kraft von Gott kommt. Vielleicht kennen auch Sie Menschen, denen man anmerkt, dass das Gebet sozusagen zu ihrer DNA gehört. Dass sie nicht nur ab und zu beten, sondern dass sie Beter sind. Ich wünsche Ihnen, dass Sie sich noch mehr als bisher von solchen Menschen bzw. eigentlich von Jesus selbst dazu inspirieren lassen, dass Gebet zu einem Teil ihres Lebens und ihres Tagesablaufs zu machen. Je nachdem, wie viel Erfahrung Sie auf dem Gebiet haben, können Sie ganz unterschiedlich ansetzen.

Die Kraft des Gebets

Ein Anfang könnte sein, sich jeden Tag 10 Minuten für das Gespräch mit Gott zu reservieren und vielleicht zuerst 10 Verse in einer zeitgemäßen Übersetzung der Bibel zu lesen. Die Evangelien im Neuen Testament sind ein guter Startpunkt dazu. Dann reden Sie mit Gott über die Verse; und sagen sie ihm, was Sie bedrückt; gerne auch was sie freut, und bitten Sie ihn ganz konkret um Hilfe. Ich bin sicher: auch sie werden die Erfahrung machen, dass das Gebet ihnen keine Zeit raubt, sondern es im Gegenteil Ihr Leben reicher machen wird. Machen Sie es wie Jesus und leben Sie aus der Kraft des Gebets.

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Kommentare (1)

Tanja H. /

Super Auslegung des Textes. Vielen Dank