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/ Bibel heute

Jesu Taufe und Versuchung

Klaus Schlicker über Markus 1,9–13.

Und es begab sich zu der Zeit, dass Jesus aus Nazareth in Galiläa kam und ließ sich taufen von Johannes im Jordan. Und alsbald, als er aus dem Wasser stieg, sah er, dass sich der Himmel auftat und der Geist wie eine Taube herabkam auf ihn. Und da geschah eine Stimme vom Himmel: Du bist mein lieber Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen.[...]

Markus 1,9–13

Die Menschen strömen an den Jordan zu Johannes dem Täufer. Er lebt am Rand der Wüste, er trägt einen Mantel aus Kamelhaaren, ernährt sich von Heuschrecken und wildem Honig. Und: er predigt Umkehr und Buße. Er ruft den Menschen zu: Ihr seid Sünder! Gott wird euch verurteilen! Ändert euer Leben, um dem Zorngericht zu entgehen! Und diejenigen, die hinunter an den Jordan kommen, ja, sie haben Dreck am Stecken!

Die Reichen und Vornehmen, die gehen nach Jerusalem in den Tempel und kaufen sich für teures Geld ein Opfertier – und meinen, dass sie ihre Sünden los sind! Aber die Armen können sich ein solches Sühneopfer nicht leisten. Die sind hier! Mit all dem, was sie auch innerlich mit sich herumschleppen…

Und dann gibt es hier vielleicht auch einige, die sich schämen, den strengen Priestern unter die Augen zu treten: die Zöllner, die ihre Mitmenschen betrügen; die Ehebrecherinnen; die Soldaten, die Dienst für die verhassten Römer tun… Sie alle kommen herunter an den Jordan, um sich taufen zu lassen. Sie hoffen: hier finden wir den Weg zurück zu Gott. Sie steigen hinein in das Jordan-Wasser, sie lassen sich von Johannes tief untertauchen. Und sie hoffen: so werden unsere Sünden abgewaschen. So werden wir rein. So entgehen wir der Strafe Gottes. So gibt es für uns einen neuen Anfang.

Die Hohenpriester aber und die Schriftgelehrten betrachten das Geschehen unten am Jordan mit Argwohn und Misstrauen. Und sie sind sich einig: ein anständiger Mensch hat so etwas nicht nötig. Wer von Jerusalem hinunter an den Jordan geht, der gehört wirklich zu den Heruntergekommenen, er gehört zu den Allerletzten!

Jesus ist bei den Sündern

Und Jesus – auch er steigt hinunter. Hinunter an den Jordan. Hinunter zu denen, die getauft werden wollen. Er stellt sich zu denen, auf die kein gutes Licht fällt. Er stellt sich zwischen einen dickbäuchigen Zöllner und eine grell geschminkte Frau – wahrscheinlich eine Dirne. Mittendrin ist er. Eingekeilt zwischen Sündern. Er reiht sich ein in die Wartenden. Auch er will getauft werden.

Der Jordangraben, der in das Tote Meer fließt, markiert mit 400 Metern unter dem Meeresspiegel den tiefsten Punkt der Erde. Tiefer geht es nicht mehr.

Doch es ist Gottes Wille, dass Jesus, Gottes Sohn, noch weiter herabsteigt. Er stellt sich auf dieselbe Stufe mit den SÜNDERN. Er – Gott - wird wirklich und wahrhaftig Mensch. Er ist sich auch für die schlechten Seiten des Menschseins nicht zu schade. Er geht den Weg herunter vom Himmel auf die Erde, ja noch tiefer: hinunter in die Hölle unserer Sünde.

Jesus bekennt sich zu uns

Das ist das Geheimnis der Taufe Jesu: Jesus stellt sich zu uns; Jesus bekennt sich zu uns.

Er stellt sich auf unsere Stufe. Er kennt die Abgründe unserer Seele. Er kennt: alle Bosheit in unseren Familien, allen Neid und Streit zwischen Nachbarn, alle Gemeinheiten in den Betrieben, alle Tricks und krummen Touren in der Politik und der Wirtschaft, alle Heuchelei in der Kirche … – nichts, gar nichts ist ihm verborgen.

Er beugt sich nicht nur unter dieses Wissen; nein, er erträgt es. Er stellt sich zu den Sündern, um die Sünde zu tragen, auf sich zu nehmen. – „Er wird unter das Gesetz getan.“ Am Jordan betritt Jesus den Kreuzweg! Er stellt sich unter Sünde, die er nie begangen hat. Er lässt sich wie ein erbärmlicher Sünder taufen. Und am Ende seines Weges wird er für diese Sünde bestraft werden, für Sünde, die er nie begangen hat. Seine Taufe ist kein harmloses Zeremoniell. Nein, im Wasser des Jordan wird sein Tod besiegelt: wird besiegelt, dass einmal nicht Wasser, sondern sein Blut fließen wird: für die Sünder! Für uns!

Jesu Taufe

So steigt Jesus hinein in den Jordan, lässt sich untertauchen wie die Menschen vor ihm und nach ihm. Er erfüllt Gottes Willen. Er tritt den Weg zum Kreuz an – für uns Sünder.

„Und alsbald, als er aus dem Wasser stieg, sah er, dass sich der Himmel auftat und der Geist wie eine Taube herabkam auf ihn. Und da geschah eine Stimme vom Himmel: Du bist mein lieber Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen.“

Jesus hat sich zu uns Sündern bekannt – und nun bekennt sich Gott, der Vater, zu Jesus.

Er bekennt sich dazu: DIES ist mein Weg mit dir: Das Gericht kommt anders als Johannes es erwartet hat. Die Rettung der Sünder geschieht anders: Sie geschieht durch meinen Sohn, der den Weg in die Tiefe geht. Ganz unten ist er – bei den Sündern – damit ihnen der Weg in den Himmel aufgetan wird. – DU bist mein lieber Sohn! Du bist mein lieber Sohn!

So gestärkt, durch diese göttliche Bestätigung, durch diesen Beistand, geht Jesus 40 Tage in die Wüste und kann allen Versuchungen widerstehen. Du bist mein lieber Sohn! – So gestärkt – geht Jesus seinen Weg. Für uns Menschen.

Ja, Gott überlässt die Menschen nicht ihrem Schicksal, ihrer Schuld. Er schickt Jesus, damit die Brücke zwischen Mensch und Gott, zwischen Zeit und Ewigkeit, zwischen Himmel und Erde geschlagen wird. Jesus geht den Weg der Erniedrigung, damit wieder Friede wird zwischen Gott und Mensch. Dieser Weg der Erniedrigung, der ist das eigentliche Geheimnis unserer Religion, ist der Kern des Christentums. Der Weg der Liebe Gottes.

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Kommentare (1)

Mechthild Roswitha N. /

Danke für die Auslegung