/ Bibel heute
Gott verheißt Gnade und Erbarmen für alle Zeit
Christoph Hauth über Jesaja 54,1–10.
Juble, du Unfruchtbare, die du nicht geboren hast! Freue dich und jauchze, die du nicht schwanger warst! Denn die Einsame hat mehr Kinder, als die den Mann hat, spricht der HERR. Mache den Raum deines Zeltes weit und breite aus die Decken deiner Wohnstatt; spare nicht! Spann deine Seile lang und stecke deine Pflöcke fest! Denn du wirst dich ausbreiten zur Rechten und zur Linken, und deine Nachkommen werden Völker beerben und verwüstete Städte neu bewohnen.[...]
Der Prophet Gottes hat über eine lange Zeit gewarnt, zur Buße aufgerufen und das Gericht Gottes angekündigt. Israel erlebte wie diese Worte im Überfall der Babylonier über ihre geliebte Stadt Wirklichkeit wurde. Kein Stein war auf dem Anderen geblieben. Die junge Generation war verschleppt und Armut -ja- Zukunftsangst machte sich breit. Hoffnungslosigkeit war allgegenwärtig. Man war dabei, aus dem Auge zu verlieren, dass Gott über aller Geschichte steht.
In diese Situation hinein spricht Gott durch den Mund des Propheten Jesaja zu den Menschen. Er lässt die Juden damals bis zu den Menschen heute ein Blick in die Zukunft erhaschen. Gott verspricht durch die Worte Jesajas, dass das Volk Gottes im Exil, das Volk Gottes heute bis zum Volk Gottes der Zukunft die Zuwendung Gottes in den Wirren dieser Welt erleben wird. Gott hat die Seinen nicht vergessen und wird sie nicht loslassen. In Vers 4 wird das deutlich ausgedrückt: „Fürchte dich nicht, denn du sollst nicht zuschanden werden.“
Jesaja spricht über das Volk der Juden zur Zeit Jesajas. Im selben Atemzug sagt er in diesem Textabschnitt Jesus Christus den Erlöser voraus. Beim Hören dieser Worte darf man den heutigen Staat Israel in diese Prophetien mit einbeziehen. Gleichzeitig reicht die Sicht des Propheten bis zur Herrlichkeit Gottes im Himmel. Er beschreibt in wenigen Worten was Generationen von Gläubigen von Gott erwarten dürfen. Jesaja sieht ein Bild der Zukunft, ohne klar zu trennen, was in welcher Generation stattfindet und passiert. Die Grenzen verschwimmen und sind doch zu erahnen. Ich persönlich glaube, dass alle Aussagen dieses Textes punktuell verstanden werden müssen, aber auch zeitlos eine Bedeutung haben und brauchen.
In den ersten Versen hören wir die Zusage Gottes, dass er seinem Volk eine Zukunft bietet und der Rest nicht ein Rest bleibt, sondern sich unter dem Segen Gottes ausbreitet und vermehrt. Das Volk der Juden wird nicht untergehen unter dem Druck der Babylonier, des Dritten Reiches oder der Drohung des Mullah Regimes. Gott wacht und verheißt großes. Nach siebzig Jahren Exil durften die Verschleppten wieder unter Esra und Nehemia zurück ins gelobte Land und 1948 erlebten sie die Gründung eines eigenen Staates. Gott sammelt sein Volk. Seine Kinder werden nicht untergehen, denn seine Hand hält sie in den Wirren dieser Zeit fest.
Im Mittleren Teil unseres heutigen Textes ist von Jesus, dem Erlöser, die Rede. Jesus – der Gottesknecht schon in den vorangehenden Kapiteln erwähnt und beschrieben – wird als Erlöser erkannt und Gott genannt. Gott wird den Seinen durch diesen Mann gnädig sein. Barmherzigkeit erfüllt das Herz dieses Gottes und er wird durch „den Heiligen Israels“ Erlösung bringen. Jesus Christus, der Sohn Gottes, nahm Knechtsgestalt an und starb am Kreuz für die Sünden der Menschen. Derjenige, der gerufen hat und bis heute ruft, leidet unter dem Ungehorsam, erbarmt sich über die Sünder und schenkt ewige Gnade. Schon Jesaja war klar, dass Erlösung nur durch den Erlöser möglich ist. Nicht das Blut eines Stieres hat die Sünde des Volkes versöhnt, sondern das Blut Jesu, des Heiligen Israels der Gott genannt wird.
In den letzten Versen spricht Jesaja über eine Zeit, in der gewaltige Veränderungen über diese Erde brechen werden. Der Friede Gottes wird aber über allem sichtbar sein. Die Seinen werden ein ihm wohlgefälliges Leben führen, das keiner Korrektur und kein Gericht Gottes mehr bedarf. Eine Vision, der Zukunft. Die Erfüllung steht noch aus, wenn Jesus als Herrscher kommt, um die Seinen nach Hause zu holen.
Drei Wörter fallen mir in diesem Text auf: Erlöser, Gnade und als Drittes: Erbarmen / Erbarmer. Diese drei Worte scheinen im Gegensatz zu der äußeren Situation der Menschen zu stehen. Menschlich gesprochen wartet der Niedergang, das Alter, das Sterben. Hoffnungslosigkeit und Angst ist der Grundtenor des Lebens. Das war damals so und hat sich bis auf wenige Augenblicke des Alltags nicht verändert. Politisches Chaos, Machtspiele der Mächtigen und Krieg prägen das Bild der Menschheit. Gottes Volk und seine Kinder werden verfolgt, unterdrückt oder gesellschaftlich in die Ecke getrieben. Das ist eine Tatsache der Geschichte.
Und gerade deshalb sind diese drei Begriffe entscheidend: Erbarmen, Gnade und Erlöser. Jesaja ruft im Namen Gottes den Hoffnungslosen Hoffnung zu. Er ermutigt die ängstlichen, sich nicht zu fürchten und er verheißt Frieden denen, die unter dem Chaos leiden. Gott erbarmt sich und schickt aus Gnaden den Erlöser.
Der Mensch ist ohne seinen Schöpfer unterwegs. Er lebt in einer gottlosen Welt. Diese Gottlosigkeit bringt Verderben, Krieg, Leid und Tod. Gott hat Erbarmen mit dem Menschen in der Gottesferne. Er ist gnädig und verlangt nicht, dass der Täter seine Schuld bezahlt, sondern schickt seinen Sohn, den Erlöser. Dieser „Knecht Gottes“ wird Mensch.
Vor wenigen Tagen haben wir dieses Fest der Menschwerdung gefeiert – Weihnachten. Jesus, der Mensch gewordene Gott, geht den Weg des Leidens bis ans Kreuz. Er wird zum Erlöser für die Hoffnungslosen, Angstgetriebenen. In ihm und durch ihm ist wieder Frieden mit Gott möglich. Diese Botschaft gilt allen Menschen, die sich auf Jesus verlassen und auf ihn einlassen – allen Menschen, die glauben. Nicht aus unserer Kraft heraus und wegen unseres Tuns, sondern aus Gnaden begegnet uns Gott in seinem Sohn Jesus Christus. Wir dürfen Festhalten an der Zusage und den Verheißungen Gottes. Gottes Gnade ist das entscheidende in unserem Leben.
Diese Tatsache war damals und bleibt bis heute aktuell. Es gab und gibt keinen anderen Weg, Frieden zu finden. Deshalb will ich heute die Zusage für mich in Anspruch nehmen: „Fürchte dich nicht, denn du sollst nicht zuschanden werden.“
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