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/ Bibel heute

Gott ruft sein Volk in die Freiheit

Hans-Werner Kalb über Jesaja 52,1–12.

Wach auf, wach auf, Zion, zieh an deine Stärke! Schmücke dich herrlich, Jerusalem, du heilige Stadt! Denn es wird hinfort kein Unbeschnittener oder Unreiner zu dir hineingehen. Schüttle den Staub ab, steh auf, setz dich auf den Thron, Jerusalem! Mach dich los von den Fesseln deines Halses, du gefangene Tochter Zion! Denn so spricht der HERR: Ihr seid umsonst verkauft, ihr sollt auch ohne Geld ausgelöst werden.[...]

Jesaja 52,1–12

„Wach auf, wach auf, Zion, zieh an deine Stärke! Schmücke dich herrlich, Jerusalem, du heilige Stadt!“ – So beginnt der dritte Aufruf Gottes an sein Volk, aus Babylon aufzubrechen. Das Volk Israel war nach Babylonien verschleppt worden, weil es den Bund mit seinem Gott gebrochen hatte, ihm nicht mehr vertraute. Und es hatte sich auch durch die Propheten Gottes nicht zurückrufen lassen. Aber jetzt ist die Zeit der Gefangenschaft zu Ende.

Mir fällt da immer dieses Lied ein von Boney M. – vielleicht geht es ihnen auch so:

„By the rivers of Babylon, there we sat down
Yeah, we wept, when we remembered Zion.“

An den Flüssen von Babylon lagerten wir uns und weinten, wenn wir an Zion dachten. Sie weinten vor Sehnsucht nach ihrer Heimat, nach Jerusalem mit dem Berg Zion und dem Tempel Gottes.

Israel darf zurück

Und dann trat das ein, was der Prophet ankündigte: Der persische König Kyros II bekommt von Gott den Auftrag, das Volk Israel wieder nach Jerusalem, nach Judäa ziehen zu lassen (2. Chr. 36,23). Sie dürfen zurück. Sie bekommen sogar Gold und Silber mit auf ihren Weg und ihre geraubten Tempelgeräte und weitere Unterstützung zum Wiederaufbau ihrer Heimat, ihres Tempels. So handelt Gott. Gott hat sein Volk in Babylon nicht vergessen. So wie Israel Jahrhunderte vorher aus der Knechtschaft in Ägypten aufgebrochen war, so soll es wieder aufbrechen. Nur diesmal ohne Eile und mit reichen Geschenken des fremden Königs. Und so machten sich 536 vor Christus die Ersten auf den Weg. Ein neues Zeitalter bricht an.

„Schüttelt den Staub ab von euren Füßen“, sagt Jesaja, d.h., hört auf mit dem Trauern. „Reinigt euch“, d.h, trennt euch radikal von Babylon mit seinen fremden Göttern, seinem Götterkult. „Weicht, zieht aus.“ Und so ziehen sie, wie in einer feierlichen Prozession, mit den Tempelgeräten und den Geschenken durch die Wüste nach Jerusalem. In die Heimat, die sie so sehr vermisst hatten. Gott geht ihnen voraus und er geht hinter ihnen, so lesen wir´s hier, d.h., er begleitet und beschützt sie. Sie, die den Aufbruch gewagt haben, den Bruch mit dem fremden Land. Jeder Aufbruch braucht Vertrauen. Sie fassen Vertrauen in ihren Gott, ihren wahren König.

Neubeginn

Jerusalem - das Wort steht für das Volk in Babylonien, aber auch für die Stadt Gottes, das Ziel der Heimreise. Noch ist die Stadt Jerusalem ein Trümmerhaufen. Aber Gott hat die Kraft und die Macht, Neues zu beginnen. Er krempelt die Ärmel hoch, um zu handeln. Das meint hier wohl das Bild vom „entblößten Arm Gottes“. Sichtbare Macht. Gott greift ein. Aus freien Stücken. Ohne dafür bezahlt zu werden oder zu bezahlen.

Es geht immer auch um die Ehre Gottes. Vor der Gefangenschaft in Babylon hatte sich das Volk Gottes auf andere Kriegsmächte verlassen, statt auf ihren Gott Jahwe. Sie hatten ihm nicht vertraut. Das war für jeden sichtbar und eine Schande für Gott. Und jetzt in der Gefangenschaft in Babylon? Da lästern die Völker wieder über den Gott Israels. Der ist offenbar unfähig, sein Volk vor der Verschleppung zu bewahren oder es zu befreien. Sein Name wird auch in Babylon verhöhnt, so steht´s hier. Aber Gott wird die Schmähung seines Namens nicht länger dulden. Er wird sein Volk befreien, erlösen – um seiner Ehre willen. Und aus Liebe zu seinem auserwählten Volk. Aus Treue. Alle Völker sollen es sehen. Und so schwingen hier in der Prophetie auch schon Anklänge mit an Jesus, den Erlöser für alle Völker.

Freudenboten

Wer ist denn mit dem Freudenboten gemeint - hier im Vers 7? Ein Freudenbote, der Frieden verkündigt, Gutes predigt, Heil verkündigt. Da geht es um Evangelium. Die frohe Botschaft von der großen Befreiung und Erlösung. Die Botschaft vom Heil Gottes. Darauf nimmt Jesus Christus später Bezug. Die Rettungsaktion Gottes für sein Volk hier in Babylon öffnet den Blick auf die große Rettungsaktion seines Sohnes für die ganze Welt. Jesus selbst versteht sich auch als Freudenbote. Ganz deutlich wird ab den nächsten Versen und in den nächsten Kapiteln des Jesajabuches Bezug genommen auf das, was Jesus für die Welt tat. Nicht nur für das Volk Israel, sondern für alle Völker. Er schafft wirkliches Heil und wirksame Erlösung. Jesus, der Heiland.

Die Treue Gottes

Unser Abschnitt weist auch über die Befreiung Israels aus Babylonien hinaus. Inzwischen ist Israel, sind die Juden, ja noch einmal vertrieben worden. Vor 2000 Jahren durch die Römer. In alle Welt wurden sie zerstreut. Jerusalem wurde dem Erdboden gleich gemacht. Und heute kommen sie zurück. Aus aller Welt. Das ist für mich ein Wunder in der Geschichte der Völker. Ein Wunder Gottes. Wieder geht es um die Treue Gottes. So vertraue ich auch darauf, dass dieser Friede, das Heil, das der Freudenbote verkündigt, einmal in vollkommener Weise da sein wird. Dann, wenn Jesus als König und Herrscher sichtbar wiederkommt. Dann wird keiner, der nicht dazu gehört, das neue Jerusalem betreten. So lese ich es im letzten Buch der Bibel.

Was kann ich nun selber - heute 2023 - aus diesem Abschnitt lernen? Zuerst einmal, dass Gott treu ist. Dass er seine Kinder in Babylon nicht vergessen hat. Dass er sie sieht, sich um sie kümmert. Er sieht die Israeliten im fremden Land, er sieht seine Kinder auch heute in ihren Nöten und Gefangenschafts-Zuständen. Er sieht Sie und mich. Und weil Jesus, der Freudenbote, das Heil Gottes in diese Welt gebracht hat, können wir heute auch heil werden. Befreit von dem, was uns quält und hindert. Befreit für die Gemeinschaft mit Gott.

Und dann lerne ich, dass Gott schon alles vorbereitet hatte für den Aufbruch seines Volkes damals. Es kam nur noch auf Israels Bereitschaft an, aufzubrechen. So hat Gott heute auch schon alles vorbereitet für unser Heil. Ich will mich immer wieder neu daran erinnern lassen, darauf einlassen im Alltag. Um dann dabei zu sein, wenn Jesus, der Freudenbote, als König erscheint. Sichtbar für die ganze Welt. Dann werden alle Tränen getrocknet. Nicht nur „By the rivers of Babylon“. So sagt Jesus es im letzten Buch der Bibel.

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