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/ Bibel heute

Gottes Knecht wird das Licht der Völker

Tobias Vetter über Jesaja 49,1–6.

Hört mir zu, ihr Inseln, und ihr Völker in der Ferne, merkt auf! Der HERR hat mich berufen von Mutterleibe an; er hat meines Namens gedacht, als ich noch im Schoß der Mutter war. Er hat meinen Mund wie ein scharfes Schwert gemacht, mit dem Schatten seiner Hand hat er mich bedeckt. Er hat mich zum spitzen Pfeil gemacht und mich in seinem Köcher verwahrt. Und er sprach zu mir: Du bist mein Knecht, Israel, durch den ich mich verherrlichen will.[...]

Jesaja 49,1–6

Was geht Ihnen beim Hören des heutigen Bibeltextes als erstes durch den Kopf? „Da ist aber einer von sich überzeugt!“ Oder: „Endlich meine Worte, meine Gefühle: Ja, ich bin zu etwas ganz Besonderem berufen!“

Welche Gemeinschaften, in der Regel Sekten sind in letzter Zeit in Ihren Fokus gerückt? Im April diesen Jahres vielleicht eine in Kenia durch „Verhungern“; eine Glaubens-Gemeinschaft, die kollektiv Selbstmord begangen haben soll, weil ein Führer und geistlicher Leiter diese Worte aus dem Buch Jesaja vielleicht auf sich bezogen hat.

Geht es nicht auch mir manchmal so, dass ich meine, die Wahrheit gepachtet zu haben? Ob in der Corona-Krise, in der Energiekrise, beim Klimaprotest, bei Flüchtingsfragen: ich kenne Leute, und vielleicht bin ich selbst so jemand, der eine absolute Führungsideologie vertritt.

Da wird dann ganz schnell gesagt, was „die Wahrheit“ ist, und alles andere müssten dann fake-News sein oder „alternative Fakten“, die dann ins Lächerliche gezogen werden, damit „die Wahrheit“ umso mehr strahlt.

Und mit diesen Stichwörtern „Wahrheit“, „Knecht Gottes“ und „Licht der Völker“ kommen Schlagworte in unserem heutigen Bibeltext vor, die uns hineinführen in einen Grenzbereich, in dem mir schnell deutlich wird: Dieser Text kann nicht von einem Menschen handeln, kein Mensch wie Sie und ich hat es je geschafft, für andere Völker politisch oder reformatorisch einen Aufbruch zu bewirken, Licht zu sein, das eine friedliche Revolution erzeugt, die zu einer offenen Theokratie geführt hätte, schon gar nicht zu einer weltumfassenden Gottesherrschaft.

Im Prophetenbuch des Jesaja finden sich vier solcher Visionen vom Gottesknecht, dem es gelingt, aus gesellschaftspolitischer Lage heraus seine Aufgaben darzustellen, die er in dieser Welt vorhat: Hier wird er zum Licht der Welt, dann zum verspotteten Gottesknecht, ehe er dann sogar stellvertretend sterben muss.

Solch eine prophetische Rede hat immer mehrere Deutungsebenen. Eine zeitgeschichtliche historische Bildebene – dann eine wirkungsgeschichtliche Bedeutung, die bis in „meine Welt“ und „Ihre Welt“ reicht, dann aber auch die finale und Heil schaffende Zukunft, wenn Gott selbst „sein Volk“ erlöst …

Mögliche wirkungsgeschichtliche Deutung möchte ich nicht exemplarisch heranziehen, sondern mich heute auf die historische Bildebene konzentrieren: Jesaja schildert hier eine Erfahrung für das israelitische Volk. Gott ist ein Gott, der sein Volk auch in dem Elend des Exils nicht vergisst. An dem, wie er sein Volk führt, werden die Inseln und fernen Länder erkennen, dass das Volk selbst zum Knecht wird, an dem das Wirken Jahwes sichtbar werden wird. Es gibt kein verstoßenes Volk, dessen sich Gott nicht mehr erinnern würde.

Auch für sein Volk im Exil zählt, was Hagar, die Sklavin Saras, erfährt: Du bist ein Gott, der mich sieht. Ob im gelobten Land, in dem Milch und Honig fließt, oder in der Fremde  bzw. in Kriegsnot. Gottes hält an seiner Wahl fest – welch ein Trost!

Und hier anschließend dann auch die historische Deutung in der christlichen Auslegung: Gottes Erwählung seines Sohnes von Anfang an macht deutlich, dass dieser Gottesknecht Jesus Christus nicht erst im Mutterleib von Maria zubereitet wird. Vielmehr ist er Gottes scharfes Schwert und treffender letzter und wertvollster Pfeil.

Mit Jesus in seinem Köcher zieht Gott den letzten Trumpf. An Jesus scheiden sich die Geister und die Religionen in elementarer Weise. Wer sein Wirken für sich anerkennt, der wird von seiner überwältigenden Liebe profitieren, wer aber sein vernichtendes Handeln in der bösen Welt nicht annimmt, wird mit dieser bösen Welt durch Jesus besiegt: Jesus hat die Stämme Israels aufgerichtet durch seine 12 Jünger, und in seinem sterbenden Kreuzestod hat sich gezeigt. Jesus Christus ist die Wahrheit, der Knecht Gottes und das Licht Israels. Dieses Licht scheint bis an die äußersten Enden der Welt und ja, dieser eine Mensch und Gottessohn, ja der Gottesknecht hat es geschafft, dass die biblische befreiende Botschaft alle Völker bis an das Ende der Erde erreicht hat.

Was für eine Mission ist das, in einer Zeit, in der jedes Unternehmen seine Mission erfinden muss, ehe sie weltweit verbreitet werden kann. Und damit bin ich dann beim zweiten Aspekt des prophetischen Textes: Seiner Bedeutung für das Ende der Zeit. „Ende der Zeit“ fragen Sie jetzt? Ja, wenn aller Tage Abend ist, dann wird die Aussage für alle gelten: Mein Knecht bist Du, Israel, an Dir will ich mich verherrlichen! An Dir, Christus, soll die Herrlichkeit Gottes sichtbar werden, für alle Menschen. Alle sollen erkennen, dass dieser letzte Pfeil im Köcher seine Wirkung nicht verfehlt hat.

Gott möchte nicht, dass jemand dieses Heil nicht erkennt, kein Mensch soll verloren werden, jeder soll die Möglichkeit haben, das Elend dieser bösen und oft auch durchtrieben Welt hinter sich zu lassen. Nicht weil jeder einzelne Mensch dann gut wäre. Nein, im Gegenteil: Weil der Knecht Gottes alles dafür getan hat, dass nicht Siegesmächte dieser Zeitgeschichte die Oberhand behalten.

Keine Unterdrückung dauert ewig, kein Herrscher bleibt für immer an der Macht. Alleín der Knecht Gottes, allein Jesus, allein das Licht der Welt hat bleibenden Charakter. Dadurch, dass er sich selbst töten lässt, einwilligt in ein stellvertretendes Leiden, das ungerechter und härter ist als all unser menschliches Leid.

Wenn es Ihnen heute geht, wie es im Vers 4 heißt: „Ich dachte, ich habe mich umsonst gemüht, ich hab all meine Kraft aufgezehrt.“ Dann sind das die Worte Jesu im Garten Getsemane vor seiner Kreuzigung. Alles werben, alles predigen, alles heilen und helfen – ALLES UMSONST!?

Nein, das Recht, das alles zu beurteilen, liegt bei Gott, und der Lohn allen Lebens und allen Leides ist Gott. Er ist der Gott, der auch Sie heute sieht. Lassen Sie das Licht der Völker – Jesus – auch Ihr Leben erhellen und spüren Sie: Noch ist nicht aller Tage Abend und Gottes Rufen, sein Werben gilt noch heute.

Ihr Kommentar

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Kommentare (3)

Eva Irene S. /

Danke für die Andacht, Herr Vetter, deren Gedanken ich tiefgründig und sehr nachdenkenswert finde.
Gottes Segen!

Sigrid K. /

Lieber Herr Vetter, Es gab 1989 eine friedliche Revolution. Keiner hat dies je vermöglich gehalten. Letztendes war es ,trotz 1000der Menschen, Gottes Wirken zuverdanken.
Sie haben sehr recht, mehr

Ronit R. /

So wunderbar das ermutigende Bibelwort auch ist, die Andacht dazu ist das ganze Gegenteil..., leider voller Allerweltsweisheiten und irgendwie unpassend.