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Hiobs erste Antwort an Elifas (1)

Andreas Reinhardt über Hiob 6,1-10.24-30.

Belehrt mich, so will ich schweigen, und worin ich geirrt habe, darin unterweist mich! Wie könnten redliche Worte betrüben? Aber euer Tadel, was tadelt er? Gedenkt ihr, Worte zu rügen? Aber die Rede eines Verzweifelnden verhallt im Wind.[...]

Hiob 6,1–10.24-30

Hiob war ein zutiefst gottesfürchtiger Mann, der zudem sehr reich gewesen ist. Für ihn war sein Wohlstand eine von Gott gegebene Gabe und Aufgabe. Plötzlich wurde er überschüttet mit entsetzlichen Nachrichten. Er verlor einen großen Teil seines Besitzes und durch ein schlimmes Unglück alle seine Kinder. Zudem wurde er selbst schwer krank und bekam am ganzen Körper schmerzhafte Geschwüre.

Was Hiob nicht wissen konnte, war, dass Satan, der Gegenspieler Gottes, hier seine Finger im Spiel hatte. Seine Hoffnung, die drei Freunde, die ihn in seiner Not besuchten, würden ihm beistehen, ihn trösten und aufrichten, erfüllte sich nicht. Ganz im Gegenteil. Vermutlich der älteste der Freunde, Elifas, hatte gerade seine Erkenntnisse weitergegeben. Seine Erklärung für die schlimmen Leiden war: Hiob hatte Schuld auf sich geladen und musste deshalb leiden. Er sollte nun Gott suchen und seine Schuld bekennen. Wie muss es Hiob ergangen sein, der auf Trost und Verständnis hoffte, als er in einer ersten Rede seinem ganzen Schmerz Ausdruck verlieh.

Nun hörte er die Worte seines Freundes, der sagte: Ich weiß Bescheid, ich kenne die Ursache deiner Leiden. Welche Enttäuschung war dies für den unschuldig leidenden Hiob. Wie Nadelstiche mussten die Worte von Elifas auf ihn gewirkt haben. In einem Andachtsbuch las ich folgendes Zitat: „Niemand kann wirklich in den Schuhen eines anderen laufen, mit seinem Herzen fühlen und seinen Augen sehen. Jedes Herz erfährt seine eigene Bitterkeit.“ Das hatten Elifas und auch die anderen Freunde nicht verstanden.

Sorge um die Freunde

Unser Text ist Hiobs Antwort auf die Ausführungen von Elifas. Er schaut dabei zunächst auf seine eigene Krankheit. Dabei bleibt er aber nicht stehen, sondern er schaut auch auf den heiligen Gott, und schließlich schaut er auf seine drei Freunde und spricht sie direkt an. Wer schwere Krankheitszeiten schon einmal durchlebt hat, weiß, wie bestimmend sich die Krankheit auf das ganze Leben auswirken kann. Seine Leiden beschreibt Hiob mit einem Bild: sie sind schwerer als nasser Sand, also sehr schwer. Der Geplagte gibt zu, dass seine Worte deshalb noch unbedacht gewesen sind. Er sieht sich als Zielscheibe Gottes. Nach seiner Meinung hat der allmächtige Gott giftige Pfeile auf ihn gerichtet, und deren Gift lähmt ihn nun. Hiob klagt ja nicht, weil seine Situation nicht so aussichtslos ist. Schließlich schreit ein Wildesel nicht, oder brüllt ein Stier nicht, wenn sie genug Futter haben, führt Hiob aus. Aus diesen Worten wird deutlich, dass Hiob keine Belehrung, sondern echte Anteilnahme benötigt. Gut, dass er seinen Glauben, auch in dieser Situation, nicht aufgegeben hat.

Hiob schaut nun auf den heiligen Gott. Ihn hat er darum gebeten, dass er sterben darf. Sein Elend hat dann ein Ende, wenn Gottes Hand sein Leben nicht mehr erhält, sondern den Lebensfaden abschneidet. Auch einen gläubigen Mann, wie Hiob es war, kann so eine Hoffnungslosigkeit erfassen. Die täglichen Qualen zehren seine Kräfte auf, dass er sich zu schwach zum Weiterleben fühlt. Trotz allem erfährt Hiob Trost in seinem Glauben und ist dankbar, dass er in dieser so schwierigen Lebenslage den heiligen Gott nicht verleugnet hat. Damit beteuert er vor den Freunden seine Unschuld.

Trost finden

Als ich vor ein paar Wochen eine Kurzbiographie von Blaise Pascal las, dachte ich auch an Hiob. Wie Hiob war Blaise Pascal erfolgreich und gottesfürchtig. Er lebte von 1623-1662, war Naturwissenschaftler, Erfinder, Schriftsteller, Philosoph und Christ. Mit 16 Jahren veröffentlichte er seine erste mathematische Studie. Als Zwanzigjähriger erfand er die erste Rechenmaschine. Aber er war auch, wie Hiob, von schwerer Krankheit gezeichnet. Von seinem 18. Lebensjahr an hatte er nicht einen Tag ohne Schmerzen erlebt. Er starb mit nur 39 Jahren. Trotz dieses schweren Lebensweges hatte er den Glauben an seinen Gott, genau wie Hiob, nie verleugnet, und fand immer wieder darin Trost.

Auch der englische Erweckungsprediger Charles Haddon Spurgeon hat in leidvollen Erfahrungen Gottes Trost erfahren. Er schrieb einmal: „Von drohenden Wolken erhalten wir erfrischenden Schauer. In dunklen Bergwerken findet man glänzende Edelsteine. So kommen aus schlimmen Leiden die besten Segnungen. Der scharfe Frost macht den Boden fruchtbar. Und die rauen Winde befestigen die Wurzeln der wertvollen Bäume. Schmale Kost lehrt uns, vom Brot Gottes zu leben. Krankheit heißt uns nach dem göttlichen Arzt zu rufen. Verlust von Freunden macht uns Jesus umso teurer. Auch der Tod kann uns nicht scheiden von der Liebe Gottes, vielmehr bringt er uns ganz zu Gott.“ Soweit das Zitat von Spurgeon.

Kehrt um!

Zurück zu Hiob. Er wendet sich seinen drei Freunden zu. Er bittet sie, ihm doch mitzuteilen, worin genau er sich geirrt habe, als er das erste Mal zu ihnen sprach. „Belehrt mich, so will ich schweigen“, ruft er aus. Später sagt Hiob: „Seht auf mich, ob ich euch ins Angesicht lüge.“ Bis vor kurzem sorgte sich Hiob vorbildlich darum, dass seine Kinder nicht zur Sünde verführt werden. Nun sorgt er sich um seine Freunde. Er weiß, dass sie mit ihren Worten Schuld auf sich laden, da er selbst nichts Unrechtes getan hat. „Kehrt doch um, damit nicht Unrecht geschehe! Kehrt um! Noch habe ich recht darin!“, sind seine eindringlichen Worte. Diese Haltung von Hiob verdient höchsten Respekt, wenn ich bedenke, welche Vorwürfe ihm von Elifas - und später von den anderen Freunden - gemacht werden.

Wie bereits erwähnt, kann Hiob nicht ahnen, dass Satan maßgeblichen Anteil an seinem Leiden hat. Auch heute noch versucht dieser, Christen zu entmutigen und durcheinander zu bringen. Zu seinem Jünger Simon Petrus sagt Jesus einmal folgendes: „Simon, Simon, siehe der Satan hat begehrt, euch zu sieben wie den Weizen. Ich aber habe für dich gebeten, dass dein Glaube nicht aufhöre (Lk 22, 31-32).“ Jesus hat also seine Nachfolger nicht im Unklaren gelassen: Anfechtungen und Versuchungen kommen. Aber es findet sich auch Trost in den Worten Jesu. Beim Sieben des Weizens werden die Körner ordentlich durcheinandergeschüttelt und kommen nicht zur Ruhe. Das macht der Durcheinanderbringer, Satan, oft mit Christen, auch heute noch. Aber der Trost dieses Bildes ist: Die Körner können nicht durch das Sieb fallen. Nur der Schmutz fällt heraus, die Körner werden immer reiner und wertvoller.                           

Ein weiterer Trost ist der, dass Jesus selbst für uns eintritt. Er bittet darum, dass unser Glaube in all den Prüfungen nicht aufhört, sondern fester wird.

Hiob hat all diese Erkenntnisse nicht, die wir heute haben. Trotz allem hat Hiob seinen Glauben an den heiligen Gott nicht verleugnet, und erträgt seine qualvollen Schmerzen mit viel Geduld. Hiob sorgt sich sogar um seine Freunde, die ihn zuvor so enttäuscht haben. Von diesem Mann können wir alle viel lernen!

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