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Hiobs Bewährung (1)

Joachim König über Hiob 1,1–12.

Vorschaubild: Hiob 1

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Hiob 1

Es war ein Mann im Lande Uz, der hieß Hiob. Der war fromm und rechtschaffen, gottesfürchtig und mied das Böse. [...] (Hi 1,1-12; LUT)

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Uns allen begegnen schwere Lebensführungen. Es kann eine schwierige Situation in der Schule, an der Uni oder am Arbeitsplatz sein. Etliche Menschen leiden unter einer psychischen Belastung. Auch älter zu werden und zu spüren, wie körperliche und geistige Kräfte schwinden, zehren an einem.

In solchen Situationen stellt sich die Frage: Was trägt mich in solchen Zeiten? Für Christen kommt dazu: Wie beeinflusst diese Situation meinen Glauben und meine Beziehung zu Gott? Bringt sie mich näher zu Gott oder beginne ich, an seiner Liebe zu zweifeln?

In den kommenden Wochen beschäftigen wir uns mit dem Buch Hiob. Darin geht es u.a. um die Frage nach dem Leid. Heute ist der Start dieser neuen Reihe. Deshalb schauen Sie sich mit mir den Mann Hiob etwas genauer an.

Wo ist der Vater?

Der Name Hiob bedeutet: Wo ist der Vater? Ein interessanter Name. Namen haben im Alten Testament immer eine besondere Bedeutung. In der Erzählung wird uns Hiob als erfolgreicher Mann vorgestellt, aber Erfolg bedeutet nicht, dass einem das Leben keine Wunden zufügt.

Wir erfahren wenig darüber, wann und wo Hiob gelebt hat. Das Land Uz ist nicht sicher zu verorten.

Heute, in der Vorgeschichte, wird uns Hiobs Glaube und Charakter vorgestellt: Er ist „fromm und rechtschaffen, gottesfürchtig und meidet das Böse“. Wir lernen, dass er „reicher ist als alle, die im Osten wohnen“. Er „zeugte sieben Söhne und drei Töchter und er besaß siebentausend Schafe, dreitausend Kamele, fünfhundert Joch Rinder und fünfhundert Eselinnen und sehr viel Gesinde“. Dabei achtet er streng darauf, dass auch seine Kinder in Gottes Wegen gehen.

Der Ankläger

Und dann werfen wir einen Blick hinter die Kulissen. Wir dürfen eine Szene belauschen, die Hiob vorenthalten ist.

Wir erleben, wie sich die „Gottessöhne“, also Engelwesen, die den Hofstaat Gottes ausmachen, vor seinem Thron versammeln. Mitten in die Versammlung schlendert der Satan herein. Er gehört eigentlich nicht hierhin, aber er denkt, er schaut auch mal vorbei. Im Dialog mit Gott kommen die beiden auf Hiob zu sprechen, und Gott wiederholt das Zeugnis, das Sie eben schon gehört haben: „Hast du achtgehabt auf meinen Knecht Hiob? So jemanden wie ihn gibt es kein zweites Mal! Er ist fromm und rechtschaffen, gottesfürchtig und meidet das Böse.“ So ein Lob aus Gottes Mund – das ist außerordentlich.

Satan erwidert: Naja, das ist keine Kunst. Sein Glaube zahlt sich aus. Wer für seine Beziehung zu Gott so belohnt wird, der hält natürlich daran fest. Aber brechen Besitz, Familie und Gesundheit weg, dann verflüchtigt sich auch der Glaube.

Satan macht seinem Namen alle Ehre. Der Name „Satan“ bedeutet: „Ankläger“. Seine Logik ist: Wenn Glaube, Familie und Besitz miteinander im Einklang sind, ist alles gut. Entzieht man jedoch einem Menschen Familie oder Reichtum, platzt auch die Verbindung zu Gott.

Eine gewagte Behauptung, aber eine, die mich persönlich schon herausfordert. Ich frage mich schon manchmal: Wie würde sich meine Beziehung zu Gott verändern, wenn mein Leben nicht mehr in geordneten Bahnen verlaufen würde? Wenn plötzlich alles Kopf steht? Dann brechen existentielle Fragen auf.

Für Hiob brechen schwere Zeiten an. Er wird Dinge ertragen müssen, an denen die meisten von uns zerbrechen würden. Trotzdem sehe ich in diesem einleitenden Abschnitt einige Dinge, die uns ermutigen können.

Erstens:

Persönliche Probleme und Schicksalsschläge müssen nicht damit zusammenhängen, dass ich etwas falsch gemacht habe. Das sage ich vor allem denjenigen, die schnell die Schuld bei sich suchen. Im Buddhismus gilt diese Formel: „Wer Gutes tut, wird Gutes empfangen, wer Böses tut, wird Böses empfangen.“ Die Menschen im Alten Testament glaubten das ähnlich. Im Buch Hiob wird darum gerungen, ob dies stimmt oder nicht. Aber: „Hiob war fromm und rechtschaffen und mied das Böse“. Und für Christen gilt: Deine Sünden sind dir vergeben. Du bist reingewaschen durch die Vergebung Jesu Christi. Bringe „Sünde“ und „Ergehen“ nicht sofort in einen Zusammenhang.

Zweitens:

Die Ursachen von persönlichen Prüfungen liegen für uns oft im Dunkeln, aber sie sind nie außerhalb von Gottes Kontrolle. Hiob wusste nicht, welche geistlichen Kämpfe sich hinter den Kulissen abspielten, und wir wissen es oft auch nicht. Das kann zermürben.

Ich erinnere mich, als wir als junge Familie als Missionare mit OMF in Kambodscha lebten. Unsere kleine Tochter war schwer krank. Mehrmals mussten wir mit dem Flugzeug ins Ausland evakuiert werden, ihr Leben hing an einem seidenen Faden. Diese Situation zog sich über eineinhalb Jahre hin. Wir beteten viel und gingen in uns: Prüfte Gott unseren Glauben? Gab es unbekannte Sünde in unserem Leben? Waren dämonische Mächte am Werk? Oder war einfach nur das Klima schuld an ihrem Zustand? Die Ärzte konnten nicht helfen, aber eines Tages war sie plötzlich geheilt. Bis heute wissen wir nicht, was los war. Aber wir lesen hier, dass Gott in allem die volle Kontrolle behält, egal ob Konflikte geistlicher, körperlicher oder psychischer Natur sind. So können wir das im Nachhinein auch bezeugen.

Drittens:

Satan war sich sicher: Wenn Besitz, Familie und Gesundheit wegbrechen, wendet Hiob sich von Gott ab. Doch so kommt es nicht. Hiob lernt Gott in der Krise sogar auf eine tiefe Weise ganz neu kennen. Denn Hiob erlebt unbewusst, was der König David in Psalm 73 Vers 23 beschreibt: „Dennoch bleibe ich stets an dir; denn du hältst mich bei meiner rechten Hand.“ Paulus schreibt: „Nichts kann uns trennen von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.“ (Römer 8,39) In der tiefsten Krise ist Hiob nicht alleine, sondern auf geheimnisvolle Weise von Gott gehalten. Und das gilt auch Ihnen. Nehmen Sie dies mit in Ihren Tag.

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