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Das Gebet für die Kranken

Arthur Wunderlich über Jakobus 5,13–20.

Vorschaubild: Jakobus 5

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Jakobus 5

Leidet jemand unter euch, der bete; ist jemand guten Mutes, der singe Psalmen. [...] (Jak 5,13-20; LUT)

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Haben Sie heute schon gesungen? Sie haben es gerade gehört: „Wenn jemand guten Mutes ist, der singe Psalmen!“ Das wünsche ich Ihnen, dass es Ihnen heute gut geht!

Aber: wenn es nicht so ist? Auch das kam zur Sprache: „Leidet jemand unter euch, der bete.“ Jakobus ermutigt im letzten Abschnitt seines Briefes zum Gebet. Er greift dabei drei Situationen heraus:

 

  1. Krankheit

Zuerst die Krankheit. Kranke sollen die Gemeindeältesten zu sich rufen, damit sie für den Kranken beten. Dabei geht es nicht in erster Linie darum, dass die Krankheit geheilt wird. Das Gebet ‚wird den Kranken aufrichten‘ schreibt Jakobus. Das kann auch bedeuten, dass ein Kranker Kraft bekommt, mit der Krankheit zurecht zu kommen.

Dazu habe ich selbst Folgendes erlebt: Vor vielen Jahren war in der Gemeinde, zu der ich damals gehörte, dieser Abschnitt aus dem Jakobusbrief das Predigtthema. Der Prediger betonte, dass Jesus auch heute noch Macht über die Krankheit hat. Er war bereit, wenn er gerufen würde, zu Kranken zu kommen und mit ihnen zu beten. Bei Krankheit dachte ich sofort an meine Kurzsichtigkeit, die mich ziemlich belastete. Nach Gebet und Salbung tat sich leider nicht allzu viel. Aber seit Jahrzehnten komme ich gut zurecht, ohne dass diese Einschränkung mich sehr belastet. Ist das nicht auch eine Erhörung dieses Gebets?

 

  1. Sünde

Als Zweites nennt Jakobus die Sünde. Zuerst einmal ganz grundsätzlich: nicht jede Krankheit ist Folge von Sünde. Dem Völkermissionar Paulus, der große Teile des Neuen Testaments verfasst hat, kann man sicher keinen leichtfertigen Umgang mit Sünde vorwerfen. Und doch erzählt er der Gemeinde in Korinth (2. Kor 12, 7-9) nach meiner Überzeugung von einem Leiden, für das er dreimal zu Gott gefleht hat, das aber nicht geheilt wurde. Er erhält dafür eine Zusage, die schon manchen getröstet hat: ‚Lass dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.‘ (2. Kor 12, 9) Krankheit kann uns also bewusst machen, dass wir letztlich von Gott abhängig sind. Ihre konkrete Ursache ist nicht unbedingt Sünde. Aber: umgekehrt wird es zum Problem: Sünde, die wir in unserem Leben dulden oder die wir auf die leichte Schulter nehmen, vergiftet uns. Also, weg mit der Sünde! Raus aus der Pornosucht! Raus aus anderen Abhängigkeiten! Damit die Seele wieder gesund wird. Damit Beziehungen heilen können. Mit einem einzelnen Gebet ist das wohl eher selten getan. Wenn Jakobus schreibt: ‚Bekennt einander eure Sünden und betet füreinander, dass ihr gesund werdet‘, dann klingt das für mich nach einem längeren Prozess. Sünden bekennen – füreinander beten – im Gespräch bleiben – anderen vergeben, die an mir schuldig geworden sind – für Fortschritte danken – über Gottes Gnade staunen, die unsere Sünde weit überwiegt – Rückfälle bekennen und vor Gott bringen: das ist nicht von jetzt auf gleich erledigt. Haben Sie, liebe Hörerin, lieber Hörer, eine Person, vor der Sie ihre Sünden bekennen können und von der Sie wissen, dass sie für Sie betet? Wenn nicht, suchen Sie jemand, der im Glauben steht und vor dem Sie ganz offen reden können. Suchen Sie nach einer Möglichkeit, Dinge anzusprechen und aufzuarbeiten, die Sie vielleicht schon lange beschäftigen oder belasten.

Übrigens: Die Beziehung zu Gott können wir mit einem einzigen Gebet vollständig in Ordnung bringen. Denn Gott liebt es, uns gnädig zu sein.

‚Damit ihr gesund werdet‘, schreibt Jakobus. Was ist eigentlich Gesundheit? Nicht einfach nur ‚keine Krankheit‘. Die Weltgesundheitsorganisation nennt Gesundheit ‚… einen Zustand völligen psychischen, physischen und sozialen Wohlbefindens und nicht nur das Freisein von Krankheit und Gebrechen.‘ Mich erinnert das an Martin Luthers Kleinen Katechismus, in dem er verschiedene grundsätzliche Fragen des Glaubens aufgreift. Er erklärt darin zum Beispiel das Vaterunser. Zur Bitte ‚Unser tägliches Brot gib uns heute‘ scheibt er, dass wir damit um alles bitten, was wir zum Leben brauchen. Aus Luthers langer Liste greife ich nur ein paar wenige Dinge heraus: ‚… fromme Eheleute, fromme Kinder, fromme Gehilfen, fromme und treue Oberherren, gute Regierung, gutes Wetter, … gute Freunde, getreue Nachbarn und desgleichen.‘ Gute Beziehungen sind also neben äußeren Dingen sehr wichtig. Ich denke, viele sehnen sich nach einem Zustand, in dem wir keinerlei Mangel leiden. Die Bibel kennt dafür den Begriff ‚Shalom‘, der oft mit ‚Frieden‘ übersetzt wird. Er bedeutet aber viel mehr. Eben die völlige Zufriedenheit, ohne ungestillte Bedürfnisse.

 

  1. Wetterereignisse

Sie denken, beten allein kann uns nicht dahin bringen? Jakobus erinnert am Beispiel des Propheten Elia daran, dass Beten viel bewirken kann. Elia betete auf Gottes Anweisung, und es fiel jahrelang kein Regen. Dann kündigte Gott an, er wollte es wieder regnen lassen. Elia betete wieder, und der ersehnte Regen fiel vom Himmel. Das ist für mich die dritte Situation, in der Gott uns das Gebet nahelegt. Wir haben in den letzten Jahren viel von Naturkatastrophen gehört oder selbst darunter gelitten: einerseits Trockenheit, dann wieder Regengüsse mit Überschwemmungen. Was auch immer die Ursache dafür sein mag: letztlich dürfen wir Gott vertrauensvoll bitten, sich der Sache anzunehmen. Er hat die Macht, den Wetterkapriolen ein Ende zu setzen.

 

  1. Noch einmal: Sünde überwinden

Zuletzt kommt Jakobus noch einmal auf die Sünde zu sprechen. Sünde los werden, können wir nur, weil Jesus die Strafe für unsere Sünden am Kreuz auf sich genommen hat. Im Gebet dürfen wir das für uns in Anspruch nehmen. Also kann auch nur Jesus Menschen auf den richtigen Weg zurückbringen. Jakobus erwähnt, dass er dafür manchmal andere Menschen gebraucht. Menschen, die ihren Weg mit Jesus gehen. Vielleicht kann sich heute der eine oder die andere nach intensivem Gebet und im Hören auf Gottes Weisung mit jemand anderem auf den Weg machen, Sünden vor Jesus zu bringen und Befreiung zu erleben. Damit unsere Welt ein Stück gesünder wird. Damit wir etwas öfter Loblieder singen können. Weil Gott gehandelt hat, weil er großzügig und gnädig ist. Weil er der Friede ist, der uns seinen Shalom schenkt.

 

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