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Warnung vor Selbstsicherheit

Robert Augustin über Jakobus 4,13–17.

Vorschaubild: Jakobus 4

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Jakobus 4

Wohlan nun, die ihr sagt: Heute oder morgen wollen wir in die oder die Stadt gehen und wollen ein Jahr dort zubringen und Handel treiben und Gewinn machen –, [...] (Jak 4,13-17; LUT)

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Walter war ein treuer Christ. Er besuchte den Gottesdienst am Sonntag. Selten fehlte er. Dienstags kam er zu unserem kleinen Gebetskreis. Das Evangelium von Jesus war ihm ein Herzensanliegen. Er gehörte einer Gideongruppe an und verteilte Bibeln in Schulen, Arztpraxen und Hotels. In unserer Gemeinde war er schwer aktiv: Als Kirchenvorsteher, beim Gemeindefest, beim Bau des neuen Gemeindehauses. Unermüdlich half er unseren Flüchtlingen: Er fuhr sie zum Arzt oder in den Kindergarten, begleitete sie bei Behördengängen, half bei Umzügen und der Einrichtung der Wohnung. Walter war einfach ein Schatz.

Als ich vor elf Jahren die neue Pfarrstelle antrat, freute ich mich über ihn. Und ich rechnete: Er ist jetzt Anfang sechzig. Ich habe noch zwanzig Jahre Dienst vor mir. Dann wird er Anfang achtzig sein und wird auf seinem Stammplatz in der Kirche sitzen, wenn ich in den Ruhestand verabschiedet werde.

Gestern mussten wir ihn zu Grabe tragen. Vor einem guten Jahr hatte ihn plötzlich der Schlag getroffen. Von heute auf morgen war er vom Helfer zum Hilfsbedürftigen geworden. Es war sehr schwer für ihn und für uns zuzuschauen, wie er von Woche zu Woche immer mehr abbaute. Viele nahmen an seiner Trauerfeier teil. Auf dem Friedhof musste ich fast heulen, als ich in die traurigen Gesichter von gut zehn Afrikanern schaute.

Wenn Walter erzählte, was er vorhatte, sagte er oft einen Nebensatz dazu: „Wenn der Herr will...“ oder „So Gott will…“. Das hatte er aus dem Jakobusbrief.

Wie ist das, wenn ich mir etwas vornehme? – werde ich da gefragt. Meine ich, ich habe das vollständig in der Hand? Meine ich, ich kann komplett über mich selbst bestimmen?

Ich muss zugeben: Was Walter angeht, hatte ich mich verrechnet. Er wird nicht mehr auf seinem Stammplatz in der Kirche sitzen, wenn ich – so Gott will – in neun Jahren in den Ruhestand verabschiedet werde.

Und wie ist das, wenn ich eine Urlaubsreise plane? Wenn ich in ein anderes Land oder in eine andere Stadt reisen will? Oder auch nur, wenn ich mich in unser Auto setze, um schnell wohin zu fahren? Meine ich, ich habe das komplett in der Hand? Meineich,  ich und nur ich selbst sitze am Steuer meiner Reise?

Vor drei Jahren hatten meine Frau und ich eine große Reise mit dem Auto geplant. Es sollte nach Tromsö gehen, im Norden von Norwegen. Unsere Tochter studierte damals dort. Doch dann kam Corona. Die Reise fiel aus. Nicht wir waren es, die bestimmten. Gott selbst hatte uns ins Lenkrad gegriffen.

Wohlan nun, die ihr sagt: Heute oder morgen wollen wir in die oder die Stadt gehen und wollen ein Jahr dort zubringen..., so redet der Bibeltext uns an.

...und wisst nicht, was morgen sein wird.

Das Erste tun quasi alle: Ihr Leben planen.

Das Zweite haben die meisten nicht auf dem Schirm: Dass wir nicht wissen, was morgen sein wird. Dass wir unser Leben nicht wirklich selbst in der Hand haben.

Sondern dass Gott es ist, in dessen Hand wir sind, und dass er es ist, der über unser Leben bestimmt. Mit dem kleinen Nebensatz: „So der Herr will…“ können wir trainieren, auch das im Blick zu behalten: Gott lenkt. Gott bestimmt. Wir sind in seiner Hand.

Unser Bibeltext redet nicht nur vom Reisen, sondern auch vom Geschäftemachen: Wohlan nun, die ihr sagt: Heute oder morgen wollen wir in die oder die Stadt gehen und wollen ein Jahr dort zubringen und Handel treiben und Geschäfte machen -, und wisst nicht, was morgen sein wird. Was ist euer Leben? Dunst seid ihr, der eine kleine Zeit bleibt und dann verschwindet.

Hier sind Geschäftsleute angesprochen. Für viele von ihnen ist es ein hartes Brot, ein Geschäft zu führen. Andere starten richtig durch, werden reich und reicher. Elon Musk zum Beispiel, der Gründer von Tesla und SpaceX. Ob er daran denkt, dass seine Lebenszeit begrenzt ist? Ob er anerkennt, dass da einer über ihm ist, der das Steuer seines Lebens in der Hand hat? - Es täte ihm gut, unsere Bibelstelle ernst zu nehmen: Dunst seid ihr, der eine kleine Zeit bleibt und dann verschwindet.

Aber nicht nur die Superreichen sind von unserem Bibeltext angesprochen, sondern auch alle, die über Zukunftsvorsorge nachdenken. Jemand zahlt in eine Riesterrente ein oder in eine Lebensversicherung. Er rechnet aus, wieviel er im Alter zusätzlich haben wird. Das mag klug und sinnvoll sein. Allerdings nicht ohne jenen kleinen Nebensatz: Wenn der Herr will, werden wir leben und eine schöne Zusatzrente genießen können.

Meine Frau und ich denken darüber nach, wo wir im Alter mal wohnen werden? In der Nähe eines unserer Kinder? In einem eigenen Haus, einer eigenen Wohnung oder zur Miete? Und wenn wir pflegebedürftig werden, werden wir uns einen Platz in einem guten Heim leisten können? Darüber nachzudenken und, wenn es geht, dafür schon etwas anzusparen, das mag gut und sinnvoll sein. Aber nicht ohne jenen kleinen Nebensatz:  Wenn der Herr will, werden wir leben und uns dann eine schöne Wohnung leisten können.

Manche Leute sagen: „Dieses ‚Wenn der Herr will, werden wir leben‘ das macht doch depressiv. Wenn ich ständig daran denke, dass es ja auch ganz anders kommen könnte, das ist doch, wie wenn ich mit angezogener Handbremse Auto fahre. Es raubt mir den Schwung und die Lebensfreude.“

Ich sage: „Das Gegenteil ist der Fall. Wenn ich alles, was ich plane und vorhabe, unter den Vorbehalt des Jakobus stelle. Wenn ich also sage: Wenn der Herr will, werde ich dies oder das tun. - Dann hilft mir das, dass ich nicht überschnappe. Es hilft mir, auf dem Teppich zu bleiben und mein Leben realistisch zu sehen. Es hilft mir zu sehen, dass das Vergängliche wirklich vergänglich ist. Es bewahrt mich davor, mein Herz an dieses Vergängliche zu hängen. - Es lässt mich auf Gott schauen. Treibt mich in die Arme meines Herrn Jesus Christus. Es stärkt mein Vertrauen auf ihn. Er hat das Steuer meines Lebens in seiner Hand. Er hält mich fest. Das ist nicht Dunst..., der eine kleine Zeit bleibt und dann verschwindet. Das ist dauerhaft. Verlässlich. Für alle Zeit. Ja, ich werde dann nicht mehr mich selbst rühmen können, sondern ihn, meinen Herrn und Gott.“

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Kommentare (1)

Edgar /

Eine ermutigende Auslegung. Herzlichen Dank dafür. Dies erinnert mich an die Worte meiner Oma, bei der ich als Kind jede Ferien verbrachte. Ich versprach ihr jedes Mal, dass ich in den nächsten mehr