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Warnung vor Unfriede

Ulrich Mann über Jakobus 4,1-12.

Vorschaubild: Jakobus 4

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Jakobus 4

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„Woher kommt der Kampf unter euch, woher der Streit?“ (Jakobus 4,1) – Gute Fragen, die Sie sich bestimmt auch schon mal gestellt haben. Jakobus stellt sie aus einer konkreten Situation heraus. Damals gab es unter den Christen Leute mit jüdischem Hintergrund und Leute, die aus anderen Völkern zum Glauben an Jesus gefunden hatten.

Das warf für die Judenchristen das Problem auf, wie sie nun zukünftig mit dem jüdischen Gesetz umgehen sollten: Galt es noch für sie oder nicht mehr oder nur teilweise? Im Blick auf die Christen aus den nichtjüdischen Völkern stand damit die Frage im Raum, inwieweit sie auch das jüdische Gesetz beachten mussten? Ganz? Teilweise? Oder gar nicht?

Es kam zu Streit. Obwohl alle nur das Beste wollten. Wie konnte das sein? Diese Frage ist bis heute wichtig: Woher kommt der Streit, wenn doch alle nur das Beste wollen?

Jakobus antwortet darauf: aus unseren Lüsten; aus dem, worauf wir innerlich total stark ausgerichtet sind; was wir von ganzem Herzen wollen.

Dabei führt uns Jakobus ein wenig weiter hinein in das, was da eigentlich in uns und zwischen uns abgeht: Wir begehren Dinge, die wir genießen wollen: ein schickes E-Bike, ein Haus im Grünen, einen Urlaub in der Südsee. Wenn wir das dann eine Zeit lang genossen haben, dann wollen wir das nächste. Da brummt dann zwar die Wirtschaft, aber uns am Ende nur der Schädel. Es ist ein ewiger Kreislauf, der am Ende aber nicht wirklich ein Fortschritt für uns bedeutet.

Doch dabei bleibt es oft nicht. Wenn wir – und das ist ja hier der Zusammenhang – z.B. in der Gemeinde bestimmte Ziele durchsetzen wollen, dann kann der Eifer für diese Ziele zu einer Sucht werden; zur Eifersucht, die den anders Denkenden am liebsten nicht mehr sehen würde: Das ist dann wie Krieg und Mord. „Ich will gewinnen! Nieder mit allen, die anders denken!“

Jakobus stellt fest: aber dieses Ziel – meine Alleinherrschaft in der Gemeinde – dieses Ziel erreicht ihr nicht.

Warum? Antwort: Weil ihr nicht betet. Bzw. ihr betet schon; aber eure Ziele und Motive, das, was euch antreibt, das ist nicht in Ordnung. Im Griechischen steht hier kakoos = frei übersetzt: von übelriechender Gesinnung. Also wie eine geistliche Blähung. Die stinkt zum Himmel.

Stellen Sie sich vor, in Ihrer Gemeinde ist Gemeindeleitungswahl. Es soll Christen geben, die gehen daran, wie an eine demokratische Wahl. Sie fragen sich: Welche Interessen habe ich und wer wird sie wohl am besten vertreten?

Die Gemeindeleitung soll am Ende eine Interessenvertretung sein; am besten eine solche, die möglichst meine Interessen optimal vertritt. Wie schnell kommt es dann dazu, dass ich über die, die eine andere Meinung vertreten, schlecht denke oder sogar rede. Wenn´s übel läuft, sie sogar verleumde.

Das mag dann alles in meinem Sinne sein – aber es ist nicht in Gottes Sinne. Jakobus nennt das geistlichen „Ehebruch“. Er betont, dass Gott uns geschaffen hat. Dass wir eigentlich ihm gehören. Er gab uns das Leben, den Lebensgeist. Er hat ein Recht an uns. Mit dem Glauben an Jesus haben wir uns bewusst für Gott entschieden. Wir sind überzeugt, dass sein Wille das Beste ist – für uns und für die Gemeinde, in die wir gehen. Er soll – um im Bild zu bleiben – unser Ehemann sein.

Aber wenn wir uns ihm vorenthalten und stattdessen uns selbst und unsere Begierden zum Gott erheben, dann ist Gott mit Recht darauf eifersüchtig. Eifersüchtig wie ein Ehemann, der sieht, wie seine Ehefrau mit einem anderen durchbrennt. Plötzlich gehört unser Herz anderen bzw. eigenen Ideen: „Wir wollen unsere Ziele verwirklicht sehen, egal wie Gott darüber denkt und was das für den anderen bedeutet!“

Eine solche Haltung ist selbstgerecht. Sie verletzt die Liebe zum anderen. Sie macht uns, wenn wir nicht davon umkehren, im wahrsten Sinne des Wortes „gottlos“.

Dabei geht es nicht darum, dass ich den anderen nicht auch kritisieren dürfte. Dann müsste ich ja unterstellen, dass er fehlerlos ist. Nein, es geht wieder um meine Ziele und meine Motive dabei: Ich bleibe beim Beispiel der Gemeindeleitungswahl: wenn es mir darum geht, dass meine Interessen vertreten und meine Ziele durchgesetzt werden, dann wird der Andersdenkende zum Konkurrenten oder sogar zum Feind.

Geht es mir aber darum, dass wir die von Gott begabtesten Leiter finden wollen, damit Jesus durch sie die Gemeinde zu seinen Zielen leitet, dann wird mir die Meinung des anderen zur wertvollen Hilfe und Ergänzung.

Das bedeutet, dass wir eine Entscheidung treffen müssen: Ob wir in Zukunft unseren Begierden folgen wollen oder Gott. Reden können wir da viel und fromm. Das mag Menschen eine Zeitlang beeindrucken. Gott beeindruckt das nicht. Er sieht uns ins Herz. Er sieht, wie wir unsere Ziele im Leben gewinnen und was uns dabei antreibt. Darum fordert uns Jakobus im Namen Gottes zu folgendem auf: „Ordnet euch also Gott unter, leistet dem Teufel Widerstand; dann wird er vor euch fliehen. Nähert euch Gott; dann wird er sich euch nähern.“ (Jakobus 4,7-8 nach Gute Nachricht).

Mir hilft dabei, dass ich mir jeden Tag Zeit für Gott nehme. Ich lese in der Bibel und bitte ihn, dass er mich dadurch immer mehr in sein Denken hineinführt. Mich lehrt, wie er die Dinge und die Menschen sieht: mich, mein Umfeld, meine Gemeinde. Dabei helfen mir auch die Gottesdienste und die Kleingruppentreffen. Auch dadurch spricht Gott in mein Leben.

In letzter Zeit habe ich für mich das „Vater unser“ neu entdeckt. Wenn ich mit einer Sache oder einem Menschen eine Not habe, dann bete ich dafür entlang des „Vater unser´s“. Z.B. so: „Vater unser im Himmel“ – Vater ich danke dir, dass du auch diesen Menschen, der mir schwerfällt, väterlich liebst. Er und ich sind durch dich verbunden.

„Geheiligt werde dein Name“ – Wie kann ich ihm gegenüber mich als dein heiliges Kind erweisen? Was braucht es, dass er und ich dich heiligen? Was kann ich da machen oder sagen? „Dein Reich komme“ – Wie kann dein Reich in diese Situation kommen? Was kann mein Beitrag dazu sein?

Usw. Ich merke, wie mein Vater im Himmel mein Herz befriedet und konstruktiv macht. Wie er mich aus meinem Ärger, meiner Streitlust und von meinen geistlichen Blähungen befreit. Ich werde frei, statt Streit Frieden zu stiften.

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Kommentare (1)

Susanne B. /

Vielen Dank für die wunderbare Auslegung. Vor allem hilft mir der Gedanke, eine schwierige Person, in dieser vorgegebenen Weise, in mein Vater unser Gebet einzubeziehen und dadurch Heilung zu erfahren!