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Die Weisheit von oben

Andreas Achenbach über Jakobus 3,13-18.

Vorschaubild: Jakobus 3

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Jakobus 3

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Nur mal angenommen, was wäre, wenn ich selbst weise wäre? Oder werden wollte? Wie könnte das gehen?

Bei den Eigenschaften der Weisheit, die Jakobus aufzählt, fällt mir auf, dass es mit keinem Wort um Wissen geht. Sondern um eine Einstellung und Haltung. Um Eigenschaften, die meinen Charakter betreffen. Nämlich Friedfertigkeit, Güte, Ehrlichkeit, Barmherzigkeit. Und von der Barmherzigkeit sogar nicht nur ein bisschen, sondern hier ist die Rede von „reich an Barmherzigkeit“.

Weise zu sein oder zu werden hat also mal gar nichts mit einem bestimmten Bildungsstand zu tun. Nichts mit Schulnoten, Prüfungszeugnissen oder einer beeindruckenden Bibliothek im Wohnzimmer.

Weisheit von Gott, und um die geht es ja hier, ist verständlicherweise nicht von Menschen gemacht und funktioniert auch nicht nach menschlichen Maßstäben. Und als Hinweis, ob es sich bei dem, was ich als meine Weisheit ansehe, um echte, von Gott gegebene Weisheit handelt, gibt Jakobus ein Unterscheidungsmerkmal an. Er sagt im Vers 14: „Habt ihr aber bittern Neid und Streit in euren Herzen, so rühmt euch nicht und lügt nicht der Wahrheit zuwider.“ Das ist also einfach. Solange ich Verbitterung, Neid und Streit in mir habe, hat die Weisheit Gottes keinen Raum, um sich auszubreiten.

Weisheit ist also eine Haltung des Herzens. Und hier überlege ich, was ich wohl tun könnte, um mehr Weisheit in meinem Leben zu haben. Wenn ich es denn wirklich wollte. Ich finde in der Bibel drei mögliche Schritte.

Der erste Schritt

Den ersten Schritt finde ich im heutigen Text selbst. Zugegeben ein bisschen unerwartet. Jakobus nennt als eine Eigenschaft der Weisheit, dass sie sich etwas sagen lässt. Ein weiser Mensch hat zwar einen Standpunkt, erhebt sich damit aber nicht über andere. Er ist in der Lage zuzuhören, dazuzulernen und abzuwägen. Vielleicht sogar Fehler zuzugeben. Mir erscheint es oft so, als seien diese Eigenschaften in unserer Zeit besonders vom Aussterben bedroht. So wie ich es wahrnehme, wird in vielen Medien täglich eine Flut von Informationen erzeugt, die in der Hauptsache dazu dient, Aufmerksamkeit zu erregen. Mittlerweile erscheint es schon als eigener Wert, wenn eine Nachricht schnell bei den Menschen ist. Und nicht selten wäre ein Innehalten und Zeit für eine saubere Recherche die bessere Wahl gewesen. Aber: wer redet, möglichst schnell und laut, gewinnt den Wettbewerb um die Aufmerksamkeit und gewinnt an Ansehen. Was ist mit dem Menschen, die abwägen und zuhören? Wo bleibt da Lebensraum für Weisheit?

Also, ein erster Schritt zur Weisheit, wie Gott sie versteht, könnte sein: Weniger reden und mehr zuhören. Wie es im Jakobusbrief, Kapitel 1, Vers 19 heißt: „Jeder Mensch sei schnell zum Hören, langsam zum Reden, langsam zum Zorn.“

Der zweite Schritt

 Wenn ich in meinem Leben einen Mangel an Weisheit feststelle, könnte das daran liegen, dass ich Gott bisher nicht darum gebeten habe. Im Jakobusbrief, Kapitel 1, Vers 5 lese ich dazu Folgendes: „Wenn aber jemand von euch Weisheit mangelt, so bitte er Gott, der allen willig gibt und keine Vorwürfe macht, und sie wird ihm gegeben werden.“ Das sind doch gute Aussichten. Meine eigenen Möglichkeiten, mir Weisheit in Gottes Sinn anzueignen oder anzutrainieren, sind sehr begrenzt. Die bessere Methode ist, Gott darum zu bitten. Das freut Gott und hat schon beim jungen König Salomo gut geklappt. Diese Begebenheit ist nachzulesen im 1. Buch Könige, Kapitel 3. Zu Beginn seiner Herrschaft als König bekam Salomo von Gott das Angebot, ihn um etwas zu bitten. Salomo bat Gott nicht um naheliegende Dinge wie Reichtum, Macht und ein langes Leben. Sondern Salomo bat Gott um ein hörendes Herz damit er das große Volk mit Weisheit führen konnte. Und Gott antwortet auf diese Bitte, indem er ihm tatsächlich Weisheit schenkte. Und zwar so viel davon, dass Salomo dafür sehr berühmt wurde und heute noch von seiner Weisheit gesprochen wird. Übrigens, … die Dinge, um die Salomo ausdrücklich nicht gebeten hatte, schenkte Gott ihm aber trotzdem noch. Als Zugabe sozusagen.

Der dritte Schritt

Das Angebot an Quellen der Weisheit, seien sie nun bewährt oder eingebildet, uralt oder brandneu, kostenlos oder kostspielig, ist heute in jedem Fall sehr groß. Viele Kulturen und Völker haben eine reiche und tiefe Tradition von Weisheit. Für die Weisheit, von der heute die Rede ist, Jakobus nennt es die „Weisheit von oben“ und meint damit Gottes Weisheit, beschreibt die Bibel einen Fundort. Im Brief des Paulus an die Gemeinde in Kollossä benennt er Jesus Christus als den „in dem alle Schätze der Weisheit und Erkenntnis verborgen sind“. Wenn ich also Jesus in den Mittelpunkt meines Denkens und Handelns stelle, stoße ich unvermeidlich auf göttliche Weisheit.

Es lohnt sich also in jedem Fall, immer wieder nachzulesen, was Jesus gesagt und getan hat. Und mein eigenes Denken und Handeln daran zu messen. Zugegeben, damit lege ich die Latte ganz schön hoch. Aber das habe ich als Christ zu tun, wenn ich Jesus nachfolge. Und schließlich bin ich ja auch nicht allein unterwegs. Gott ist da und andere Christinnen und Christen auch. Jesus nachzufolgen, ist ein Mannschaftssport. Gottes Weisheit erlange ich in der Regel nicht im Alleingang.

Was bleibt also?

Die Welt braucht mehr von Gottes Weisheit. Anstatt den Mangel zu beklagen, kann ich mich selbst auf den Weg machen. Ich kann nicht die ganze Welt retten, aber das ist auch nicht mein Auftrag. Ich kann aber bei mir selbst und um mich herum versuchen, einen Unterschied zu machen. Und mich nach Gottes Weisheit ausstrecken. Das wiederum ist mein Auftrag. Ich will es mal versuchen mit den drei Schritten:

Mehr und besser zuhören. Gott um seine Weisheit bitten. Und Jesus Christus immer wieder in den Mittelpunkt stellen.

Ihr Kommentar

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Kommentare (3)

Susanne Z. /

Kostbar die Worte des Jakobus und die ergänzende bibelgetreue Auslegung. Ein Segen. Worte des Ewigen Lebens. Danke und Gottes reichen Segen weiterhin.

Gertrud Marianne G. /

Inhaltlich bin ich ganz auf ihrer Seite. Von Weisheit kann man nie zuviel haben. Deshalb ist das Bitten und Hören nötig. Von sprachlichem Schliff kann man auch nie genug haben und sollte die mehr

Holger B. /

Konkrete drei Schritte, um die Weisheit Gottes im Alltag zu leben. Diese möchte ich beherzigen..Danke für IhreAuslegung