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Glaube ohne Werke ist tot

Martin Oberkinkhaus über Jakobus 2,14-26.

Vorschaubild: Jakobus 2

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Jakobus 2

Was hilft’s, Brüder und Schwestern, wenn jemand sagt, er habe Glauben, und hat doch keine Werke? Kann denn der Glaube ihn selig machen? [...] (Jak 2,14-26; LUT)

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In diesem Teil seines Briefes an die im gesamten Römischen Reich verstreuten ehemaligen Mitglieder der Jerusalemer Gemeinde geht es dem leiblichen Bruder des auferstandenen Jesus mit Namen Jakobus um eine fürsorgliche Begleitung.

Immer wieder ist der Gemeindeleiter in Gedanken bei denen, die sich nicht mehr regelmäßig an der Gemeinschaft der an Jesus Glaubenden beteiligen können. Beruf, Verfolgung oder private Interessen haben diese Menschen in die gesamte damalige Welt verteilt. Manche werden Kontakt behalten und Nachrichten bekommen. Andere werden den in Jerusalem Verbliebenen immer wieder Nachrichten gesandt haben. In dem Jakobusbrief liegt uns ein erstes schriftliches Dokument aus dem ersten Jahrhundert über die Praxis des Glaubens vor.

Ging es im ersten Kapitel und den ersten 13 Versen des zweiten Kapitels um Wahrnehmungen und Hinweise zur Prüfung des Glaubens, um wahren Gottesdienst und um die geschwisterliche Liebe, weist Jakobus die Empfänger des Briefes auf die Beziehung zu Jesus und den daraus folgenden Werken hin. In den Versen, die uns heute zur Besinnung ausgewählt wurden, legt Jakobus den im Glauben Verbundenen eine Losung, ein Lebensmotto oder Leitlinie vor. Sie lautet:

Achtet darauf, dass Eure Beziehung zu Jesus nicht eine private Angelegenheit ist, sondern sich im täglichen Leben bewährt. Seht euch die Situation der Menschen in Eurem Alltag an – mit den Augen der Liebe unseres geliebten Herrn und mit einem bereiten Herzen zum Hören und zum Dienen, wo es Not erfordert.

Alltagsglauben und Evangelisation

Jakobus hat Nachrichten, Berichte und Gespräche in seiner Gemeinde nicht nur gehört, sondern auch mit Interesse registriert: Da sind Menschen, die eine Alltagsbeziehung leben und immer wieder von ihren Erlebnissen mit Jesus erzählen und einladen, auch eine Beziehung mit Jesus einzugehen. Und dann sind dort die Eingeladenen, welche von Jesus und Gott nichts wissen und Schritt für Schritt mehr von Jesus kennen lernen. Und natürlich gibt es auch solche Menschen, die keinen Bezug zu Jesus oder einem Menschen in Beziehung zu Gott und Jesus haben und kritisch beobachten, wie die Christen miteinander umgehen!

Jakobus schreibt von seiner Selbst-Erkenntnis, wie die verbundenen Geschwister in der Glaubensbeziehung mit Jesus und Gott mit den alltäglichen Begegnungen miteinander und mit anderen umgehen. Er bezieht alle Worte von Jesus auf seine eigene Situation und spiegelt seine Einschätzung wider.

Sein Brief ist zwischen 45 und 50 n. Chr. unserer Zeitrechnung verfasst worden. Mehr als ein Jahrzehnt versammelten sich die Leute mit der neuen Jesus-Beziehung in ihren Häusern, um gemeinsam an die Gute Nachricht von Gottes Gesandten Jesus zu erinnern und Gott zu loben. Tag für Tag begegneten sie anderen, ebenfalls Glaubenden und noch nicht Glaubenden. In diesen tausenden von Tagen begegneten sie auch Menschen in Not. Diese Menschen wurden eingeladen, selbst eine Beziehung mit Jesus zu beginnen. „Glauben“ heißt im Sinne der Bibel aber nicht allein, alles für richtig zu halten, was über Jesus gesagt wird. „Glauben“ heißt nicht, zuerst zu verstehen, bevor die Beziehung mit Jesus beginnt!

Lebensänderung

Wie in vielen oder sogar allen Gemeinden seit zweitausend Jahren haben Menschen die Einladung angenommen, im Alltag mit Jesus zu leben und ihre Lebensführung im Licht der von Jesus gesprochenen Worte zu gestalten. Sie haben selbst immer wieder durch Werke Hilfen erfahren. Die Wahrnehmungen und Beobachtungen in dem zurückliegenden Jahrzehnt führten Jakobus zu seiner Lebensregel, die er den anderen damals und heute mit auf den Weg gibt. Sie sind Ergebnis der gesammelten Erfahrung des Scheiterns und des Erfolgs. Seit 2.000 Jahren berichten Menschen davon, wie ihnen von anderen Menschen mit einer Beziehung zu Jesus aus Nöten geholfen wurde und wie sie selbst die Einladung annahmen, im Dienst für Jesus für andere da zu sein.

Das sind zum einen die Bereitschaft zum Zuhören und zum anderen die Bereitschaft zum Handeln, wenn Menschen in Not sind. In der Kirche sind es die Einrichtungen von Caritas und Diakonie, von Maltesern und Johannitern, die unter dem Zeichen des Kreuzes Hilfe organisieren.

Es gibt auch Misserfolge, Menschen mit den Erfahrungen, dass keine Hilfe bei den Christen zu finden war. Der ausgesprochene Satz „Da war niemand, der Hilfe anbot!“ - in Kirchen nicht, auf die hingewiesen wurde, bei einzelnen Christen nicht, die notwendige Hilfe ablehnten oder nur einen Teil leisten konnten.

Jakobus fasst zusammen: Eine Beziehung mit Jesus hat mit Werken der Zuwendung zu tun. Jakobus weiß um die Defizite auf dem Weg des Lernens aller Menschen, die Ja sagen zur Beziehung mit Jesus. Er weiß um die kritischen Blicke und Kommentare all derer, die eine Beziehung mit Jesus ablehnen und jeden Fehler beachten und breittreten.

„Glaube ohne Werke ist tot!“ gibt er seinen Lesern auf dem Weg. Aber er schreibt nichts davon, dass diese Mitchristen zur Strafe ausgeschlossen sind von der Liebe Gottes!

Beziehungsglauben

Die Praxis des Beziehungsglaubens lebt dadurch, dass Menschen, die ihre Untätigkeit, Hilflosigkeit und Ohnmacht erleben, neu anfangen dürfen und durch die Beziehung zu Jesus beim nächsten Mal mit Kraft und Weisheit angemessene Hilfe geben. Die Einzigartigkeit Gottes steht dafür.

Die Praxis des Beziehungsglaubens verbindet eine innere Haltung, das Festhalten an der Beziehung mit Jesus mit allem, was dazugehört, mit allen Auswirkungen auf diese Beziehung. Menschen, die verliebt sind, denen sehen die Menschen in der jeweiligen Umgebung an, dass sie verliebt sind.

Jakobus macht auf die Wirkungen des Glaubens aufmerksam. Von dem Reformator Martin Luther wissen wir, was er wieder entdeckt hat: Die Beziehung zu Gott und Jesus ist die Basis der Werke. Werke ohne Glaubensbeziehung haben letztendlich keinen Wert vor Gott!

Jakobus´ Mahnung und die Erkenntnis Martin Luthers sind kein Widerspruch! Beziehung zu Jesus und Gott bewirkt Auswirkungen dieser Beziehung. An anderer Stelle ist von Früchten oder Werken des Glaubens die Rede. Liebe, Freude, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Selbstbeherrschung. Diese sind gemeint.

Ein Glaube im Sinn von vorbildlichem Für-Richtig-Halten aller Lehrkataloge einer Gemeinde ohne diese Auswirkungen ist tot, ist nichts wert! Das will ich lernen von dem leitenden Bruder Jakobus vor fast zweitausend Jahren: Ein Leben in der Beziehung zu Gott, in dem Liebe, Freude, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung sichtbar wird.

Und wenn ich mal wieder bemerke, dass es an dem einen oder anderen mangelt, dann darf ich in der Beziehung zu Gott und Jesus im Gebet das bekennen und bitten, dass ich weiterhin lerne.

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