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Gegen die Schriftgelehrten und Pharisäer (2)

Hanne Horch über Matthäus 23,23-39.

Vorschaubild: Matthäus 23

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Matthäus 23

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„Das Licht scheint vom Ende her“, ist ihr erster Gedanke. Noch klingen die letzten Worte in Lydia nach: „Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn!“

Die Volksmenge ist aufgebracht. Anfangs haben sie nur Wortfetzen, die aus dem Tempel drangen, mitbekommen. Doch jetzt wird mehr und mehr weitergesagt. Die Weherufe von Jesus sind ergreifend. Jeder will erfahren, was Jesus den Schriftgelehrten und Pharisäern zu sagen hat.

„Doch dann hat er zu allen im Tempel gesprochen“, berichtet einer, der ziemlich nah am Eingang steht und einen Blick auf Jesus werfen kann. „Seine Augen wurden ganz traurig. Richtig schmerzerfüllt war sein Ausdruck. Ich konnte nicht alles verstehen. Aber das, was ich mitbekommen habe, ist Jesus sehr, sehr schwer gefallen: ‚Jerusalem, Jerusalem!‘, hat er gerufen mit Tränen in den Augen. Ich habe es genau gesehen und gehört: ‚Du tötest die Propheten und steinigst, die zu mir gesandt sind! Wie oft habe ich deine Kinder versammeln wollen... Und ihr habt nicht gewollt! Seht euch vor: Euer Tempel wird von Gott verlassen und verwüstet daliegen. Das sage ich euch: Ihr werdet mich von jetzt an nicht mehr sehen...‘“

Die Menge bedrängt den Berichterstatter: „Wiederhol das nochmal! Hat Jesus das wirklich gesagt? Konntest du noch etwas verstehen?“

„Ja, das ist schon tiefgehend, was dann kam. Das geht mir absolut unter die Haut: ‚Ihr werdet mich nicht mehr sehen, bis ihr einst ausruft: Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn!‘“

Lydia nähert sich der Gruppe: „Das ist genau das, was ich auch gehört habe.“

Einige drehen sich zu ihr um. „Ich empfinde ein Licht aus diesen letzten Worten. Ein Hoffnungsstrahl dringt in mein Herz.“ Voller Erwartung sind alle Augen auf Lydia gerichtet. Doch sie dreht sich um und geht ihrer Wege.

So in etwa stelle ich mir eine Situation damals am Tempel vor. Meine frei erfundene Lydia hat nur einen Teil des ganzen Textabschnitts mitbekommen. Wie würde es ihr gehen, wenn sie die gesamte Rede von Jesus gehört hätte? Würde sie sich fragen, welche Bedeutung die Aussagen für ihr Leben haben könnten?

Ich persönlich möchte mich schon dem ein oder anderen Gedanken stellen. Es geht ja direkt herausfordernd in Vers 23 los: „Weh euch, Schiftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr den Zehnten gebt von Minze, Dill und Kümmel und lasst das Wichtigste im Gesetz beiseite, nämlich das Recht, die Barmherzigkeit und den Glauben! Doch dies sollte man tun und jenes nicht lassen.

Möchte ich ein Heuchler sein? Meine Gaben gut sichtbar öffentlich platzieren und mich richtig gut darstellen? Schon allein dieser eine Punkt hält mir einen Spiegel vor.

Jesus sagt es ja: Das Wichtigste im Gesetz sind Recht, Barmherzigkeit und Glauben.

Nicht ganz leicht, schießt es mir durch den Kopf. Gerade der zweite Teil dieses Satzes stellt mich auf den Prüfstein. Und beides zusammenzubringen: Eben das eine tun und das andere nicht lassen, bewegt mich.

Als ich weiterlese, bleibe ich an Vers 27 hängen: „Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr seid wie die getünchten Gräber, die von außen hübsch aussehen, aber innen sind sie voller Totengebeine und lauter Unrat! So auch ihr: von außen scheint ihr vor den Menschen fromm, aber innen seid ihr voller Heuchelei und Unrecht.“

Diese Worte sprechen für sich, denke ich. „Außen hui - innen pfui“. Diese Redewendung kennen viele und sie trifft es ganz gut. Ist es nur ein Wunschgedanke: Dass das Äußere dem Inneren entspricht? Richtig echt sein vor sich selbst, vor Gott und vor anderen, das ist nicht leicht. Ein Segen sieht Gott sowieso alles und auch mein Herz. Das ist das Beruhigende an der Sache.

Auf jeden Fall nimmt Jesus hier ganz schön harte Worte in den Mund. Er fühlt den Pharisäern auf den Zahn. Er schenkt ihnen reinen Wein ein. Sie können nicht behaupten: „Wir haben es nicht gewusst. Es ist uns nicht gesagt worden.“

Und dann kommt es, wie es kommen muss. Der Einzige, der Rettung bringen kann, wird gekreuzigt. Ihn wird Israel erst ganz am Ende wiedersehen.

Damit bekommen diese Worte aus Vers 39: „Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn!“ eine ganz neue Dimension. Mit diesem Ausspruch deutet Jesus seinen Tod, seine Auferstehung, sein Wiederkommen und die Bekehrung Israels an[1]. Das Volk Israel wird den Messias erkennen und er wird wiederkommen.

Maranatha! Wie Schuppen fällt es mir von den Augen. Maranatha - Unser Herr kommt! Mit diesem Ausruf haben sich die ersten Christen gegenseitig ermutigt. Maranatha schreibt Paulus den Geschwistern in Korinth am Ende seines ersten Briefes (1. Korinther 16,22).

Der Gedanke an Jesu Wiederkommen ist den Christen damals sehr nahe gewesen. Die spektakulären Ereignisse haben ihren Alltag bestimmt. Wie ein Lauffeuer hat diese Verheißung bestimmt die Runde gemacht.

Apostelgeschichte 1, Vers 11 berichtet: „Dieser Jesus, der von euch weg gen Himmel aufgenommen wurde, wird so wiederkommen, wie ihr ihn habt gen Himmel fahren sehen.“

Für mich heutzutage ist das ganz schön weit weg. Wie schnell rutscht der Maranatha-Gedanke bei dem ganzen Trubel ins Abseits. Eine Fülle von Informationen wird ständig ins Leben gespült. Allein das Beschäftigen damit ist Ablenkung genug. Und dann noch das ständige Auf und Ab im Alltag: Eigentlich reicht´s mir. Genug ist genug.

Und dennoch: Der heutige Bibeltext rüttelt an mir. Er setzt andere Akzente. Besonders der letzte Satz aus dem 23. Kapitel des Matthäusevangeliums ändert meinen Blickwinkel. Er wirkt Freude und Hoffnung in mir. Ja, ein Lichtstrahl erhellt mein Herz. Jesus wird wiederkommen und ich kann ihn jetzt schon preisen!

Und ich stimme mit ein in den Lobgesang: „Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn!“

[1] Kommentar zur Bibel, R. Brockhaus Verlag Wuppertal, 1. Sonderauflage 1992, NT S. 45

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