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Jesu Einzug in Jerusalem

Nils Bremer über Matthäus 21,1-11.

Vorschaubild: Matthäus 21

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Matthäus 21

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„Stell dir vor“, erzählt mir ein Freund, „neulich klingelt es bei mir. Vor der Tür steht ein Fremder, der mein Auto haben will. ‚Ich bringe es morgen wieder‘,“ sagte er. „Du hast es ihm doch wohl nicht gegeben?“ Frage ich. „Doch, er wirkte vertrauenswürdig auf mich. Hat es auch wirklich zurückgebracht“.

Ganz schön leichtgläubig, mein Freund, oder? Was hätte ich in dieser Situation gemacht? Ich denke, ich hätte mir erst einmal Personalausweis und Führerschein zeigen lassen und abfotografiert. Dann einen schriftlichen Vertrag aufgesetzt und unterschreiben lassen; den Tachostand abgelesen und notiert; mir die Versicherung des Menschen aufgeschrieben.
 

Reingelegt!

Haben Sie das jetzt geglaubt? Dann muss ich leider sagen, dass Sie mir ganz schön auf den Leim gegangen sind. Denn weder die Geschichte von meinem Freund ist wahr, noch würde ich mich auf die gerade beschriebene Weise verhalten. Nein, ich hätte den Bittsteller schlichtweg abblitzen lassen. Sie etwa nicht?

Was glauben wir und was glauben wir besser nicht? In unserem heutigen Bibeltext gibt es ein Ereignis, das meiner erfundenen Geschichte ähnelt. Jesus beauftragt zwei seiner Jünger, eine Eselin und ihr Fohlen zu holen und zu ihm zu bringen. „Und wenn euch jemand etwas sagen wird, so sprecht: Der Herr bedarf ihrer. Sogleich wird er sie zu euch bringen“. Wer ist dieser Jemand?
 

Vier Berichte, vier Perspektiven

Hier ist es interessant, den Bericht des Matthäus mit dem der anderen Evangelisten zu vergleichen. Bei Johannes erfahren wir nichts Genaueres; Markus berichtet von „einigen, die dort standen“ und die Jünger zur Rede stellten. Der Evangelist Lukas schreibt: „Als sie aber das Füllen losbanden, sprachen seine Herren zu ihnen: Warum bindet ihr das Füllen los?“ Dazu zwei Gedanken.

Erstens: es ist kein Zufall, dass alle vier Evangelisten diese Begebenheit beschreiben, dass es aber auch kleine Unterschiede in ihren Berichten gibt. Wenn vier Menschen dasselbe Ereignis gesehen haben, berichtet jeder von ihnen anders darüber. Wir kennen das z.B. von Unfallzeugen. Einer hat von seinem Standort aus eine andere Perspektive auf das Geschehen als ein anderer.

Ein weiteres Beispiel: Wenn vier Leser dasselbe Buch gelesen haben, bleibt bei jedem etwas anderes hängen. Weil Menschen mit verschiedenen Interessen, Bildungsvoraussetzungen, Vorgeschichten jeweils anders an einen Text herangehen. Bei den biblischen Evangelisten ist das nicht anders.

Was ist wahr, was kann ich glauben? Ich finde, unsere Geschichte zeigt sehr gut: die vier biblischen Zeugen widersprechen sich nicht, sie ergänzen sich. Aus meiner Sicht macht das die biblische Überlieferung glaubwürdiger. Zugegeben: das ist eine relative Glaubwürdigkeit.
 

Ein starkes Zeichen

Der zweite Gedanke: der Esel in unserem Text ist keine ausschmückende Randnotiz, die den Text unterhaltsamer machen soll. Er ist so wichtig, dass alle vier Evangelisten über ihn berichten. Warum? Er ist Teil einer Verheißung durch den Propheten Sacharja: „Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm und reitet auf einem Esel, auf einem Füllen der Eselin“.

Jesus will mit diesem Esel zeigen: ich bin die Erfüllung einer jahrhundertealten Vorhersage, ich bin der verheißene Messias. Wer Augen hat zu sehen, der sehe! Gottes Wort ist, anders als das von uns Menschen, absolut glaubwürdig. Was Gott sagt, das geschieht auch. Es gibt also zwei unterschiedliche Arten von Glaubwürdigkeit: eine menschliche und eine von Gott.

Noch einmal zurück zu der Frage: wer ist dieser namenlose Jemand, der wahrscheinlich der Besitzer des Esels ist? Wir wissen nichts über ihn. Ich möchte ihn einmal als Platzhalter sehen und mich selbst an seine Stelle setzen. Hier zum Schluss noch zwei Begebenheiten, die wirklich passiert sind.
 

Wir glauben nicht zu wenig – sondern das Falsche.

Bei meiner früheren Tätigkeit als Buchhändler kam eines Tages ein mir unbekannter Mann in den Laden, der nichts kaufen wollte. Er sprach mich an und erzählte eine Geschichte einer persönlichen akuten Notlage. Er brauche dringend 50 Euro, am nächsten Tag bekäme ich das Geld zurück. Nach anfänglichem Zögern gab ich ihm die Summe aus meinem Portemonnaie. Den Mann und das Geld habe ich nie wieder gesehen.

Ein paar Jahre später ein ähnlicher Besuch. Wieder bat ein Fremder um einen Geldbetrag. Eine echte Notlage oder wieder eine Finte? Was glaube ich, was glaube ich nicht? Ich habe damals kein Geld gegeben – und hatte ein schlechtes Gewissen dabei.

Gebranntes Kind scheut das Feuer, sagt der Volksmund sehr richtig. Das heißt: ich bin geprägt von meiner Vergangenheit, in diesem Fall von meiner schlechten Erfahrung. Auch andere Prägungen wie die genetische Anlage, die Erziehung, das gesellschaftliche Umfeld bestimmen unsere Verhaltensweisen, ohne dass wir es merken. Ich wage mal die Behauptung: wir wollen das gar nicht. Das Problem ist nur: wir glauben nicht zu wenig, sondern das Falsche.
 

Mehr als das Sichtbare

Unsere Wahrheit ist das, was vor Augen ist. Dazu ein kleines Beispiel. In meinem Garten ist neulich bei einer Windböe ein Baum umgestürzt. Eventuell ein Fall für die Versicherung. Die Dame am Telefon fragt, ob ich Bilder von dem inzwischen weggeräumten Baum gemacht hätte. Nein, habe ich nicht. Sie fragt mehrmals nach, weil sie es kaum glauben kann. Was nicht fotografiert ist, das ist quasi nicht passiert.

Wahrheit in Gottes Sinn ist aber viel größer als dies. Sie hat viel zu tun mit persönlichen Beziehungen, mit Vertrauen. Gott will, dass wir nicht allein aus unserer Vergangenheit leben, sondern uns öffnen für seine Zukunft; dass wir nicht allein auf das Sichtbare schauen, sondern auf ihn. Sein Wort ist absolut glaubwürdig: Jesu Ritt auf dem Esel hat ihn nach Golgatha geführt. Dort hat er den Unglauben und falschen Glauben aller Menschen auf sich genommen. Alles andere darf ich in Zweifel ziehen: diese eine zentrale Wahrheit nicht.

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