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Von Ehe, Ehescheidung, Ehelosigkeit

Bernhard Maier über Matthäus 19,1-12.

Vorschaubild: Matthäus 19

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Matthäus 19

Und es begab sich, als Jesus diese Rede vollendet hatte, machte er sich auf aus Galiläa und kam in das Gebiet von Judäa jenseits des Jordans; [...] (Mt 19,1-12; LUT)

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Jesus kommt vom Norden in den Süden von Israel. Von Galiläa nach Judäa. Im Herzstück des Landes, in Jerusalem, Bethlehem, Bethanien oder Jericho eilen sofort viele Menschen zu ihm. Das weckt Neid. Wer ist eigentlich dieser Mann? Er kommt schließlich aus dem nichtsnutzigen Nazareth! Somit darf und kann er nicht der versprochene Messias und Retter Israels sein. Man muss ihn als Hochstapler entlarven. Deshalb wird eine fachmännische Abordnung abgesandt. Diese soll durch raffinierte Fragen Jesus aufs Glatteis führen. Somit hoffen die einflussreichen Leute, dass sie Jesus das Wasser der Menschenströme abgraben können.

Es sind die Pharisäer, die hier zuerst gegen Jesus vorgehen. Die Partei der Pharisäer war eigentlich eine Bibel-Bewegung. Diese sehr überzeugten Menschen wollten das Gesetz Gottes neu in den Mittelpunkt stellen. Dabei stellten sie die Gesetze, die Gebote und vielen Verbote ins Zentrum. Es ging den Pharisäern darum, Gottes Willen zu praktizieren. Was hatten die Menschen zu tun und zu befolgen? Was alles durften die Menschen nicht tun und nicht machen? Mit diesem gesetzlichen, engen Denken traten sie nun Jesus gegenüber.

„Ist Scheidung erlaubt? Darf sich ein Mann von seiner Ehefrau trennen?“ Die erste und entscheidende Zelle des menschlichen Miteinanders ist die Ehe. Mit ihrer Frage rühren die Pharisäer bewusst am Kern der Menschen und der Gesellschaft. Gerade hier setzen die schlauen, erfahrenen Pharisäer an. Rund um die Ehe drehen sich viele Gedanken und Fragen. Das beschäftigt die Menschen. Denn die Ehe ist eine hohe Kunst, eine große Herausforderung und ein umkämpftes Feld.

 „Ist Scheidung erlaubt?“ Aus dieser Frage ergeben sich drei Themen:

  1. Welche Absicht Gott grundsätzlich mit der Ehe verbunden hat
  2. Wie die Menschen Auswege aus der Ehe gefunden haben
  3. Was es neben der Ehe auch noch geben kann

Jesus begegnet souverän der Herausforderung durch die Fragesteller. Er lässt sich nicht aufs Glatteis führen. Jesus gibt Grundsatz-Antworten. Das beeindruckt mich an Jesus. Wie punktgenau er auf Fragen und Anliegen eingeht. Jesus kommt gleich auf den Punkt. Er windet sich nicht damit heraus, dass es zum Beispiel viele verschiedene Fälle in der Ehe gibt. Keine langen Erklärungen. Er flüchtet sich nicht in die Vielfalt. Jesus steuert direkt das Ziel an.

Der Sohn Gottes zeigt klar auf, was das Ziel des Schöpfers mit seinen Menschen ist: „Du Mensch, bist dazu gemacht, dass du jemanden hast. Du musst nicht allein leben. Ich wünsche dir einen kostbaren Menschen an deine Seite. Du Mensch, du bist für eine Beziehung geschaffen! In dir liegt die Sehnsucht, mit einem anderen Menschen in Gemeinschaft zu leben. Du bist ein Mensch, der Gemeinschaft braucht. Du hast die Freiheit, dir ein Gegenüber zu suchen, das dich passend ergänzt.“

Mich begeistert Gottes Plan und Ziel. Die Ehe ist eine großartige Erfindung des Schöpfers. Ich muss nicht allein durch mein Leben gehen. Für mich als Mann ist das spannend. Jesus zitiert die Schöpfungsordnung aus dem Buch Genesis. „Der Mann wird Vater und Mutter verlassen und ganz an seiner Frau hängen.“ Ich verlasse meine Eltern, um eine neue Bindung einzugehen. Diese neue Verbindung ist freiwillig. Mann und Frau entscheiden sich freiwillig füreinander. Das hat Folgen. Dafür werden alte Bindungen gekappt. Das neue Vertrauen traut sich, zusammen zu gehen. Darum ist das Zusammenziehen auch ein Ausziehen. Von der früheren Wohnung in einen neuen, eigenständigen Haushalt. „Wir gehen zusammen“ kann man dazu sagen.

Zu dieser äußerlichen und sichtbaren Tat kommt der innerliche Vorgang. „Die beiden werden ein Fleisch sein“. Für mich steckt in dieser kurzen Beschreibung sehr viel. Aus zwei wird eins. Die beiden werden eine Rechtsperson. Sie sind auch eine eigene Körperschaft geworden. Sie bilden eine neue wichtige Zelle in der Gesellschaft. Ganz praktisch: Das Paar lebt gemeinsam in seiner Wohnung mit einem Namensschild am Klingelknopf, einem Briefkasten und einer Haus- oder Wohnungstüre. Sie führen gemeinsam ihren eigenen Haushalt. In der Praxis werden schon vorhandene Gegenstände ergänzt und Aufgaben füreinander übernommen. Das Paar lebt Intimität und gemeinsame Sexualität. „Sie werden ein Fleisch“, formuliert es die Bibel.

Die Schlussfolgerung von Jesus ist „von Gott zusammengefügt, für Menschen unzertrennlich!“ Daraus ergab sich die klassische kirchliche Formulierung: „…bis der Tod euch scheidet“. Unser menschliches Unabhängigkeitsstreben und unsere antrainierte Selbstbestimmung wollen diese Aussage so nicht hinnehmen. Schon lange gibt es die Suche nach Auswegen. 

So war auch die Lösung in den Gesetzen des Moses pragmatisch. Dann gibt es eben den Scheidebrief. Er soll zum einen dem Mann die Möglichkeit der Trennung einräumen. Zum andern soll der Scheidungsbrief der Frau eine neue Ehe möglich machen. Also nochmals neu starten. Trotz Scheitern nochmal heiraten können. Dies ist doch eigentlich eine gute Lösung. Die Pharisäer tun aber so, als ob Mose den Scheidebrief als ein Gebot formuliert habe. Sie behaupten: „Warum hat dann Mose geboten, ihr einen Scheidebrief zu geben und sich von ihr zu scheiden?“ Jesus weist klar darauf hin, dass es sich hier nicht um ein Gebot handelt, sondern um eine Erlaubnis. Es ist nur eine Notlösung. Er meint: „Bevor zu viel zerstört wird und noch mehr kaputt geht, dann müsst ihr leider auseinander gehen.“ Diese Bestimmung in der Bibel ist ein Ausweg. Sie lässt beiden Partnern, also beiden Seiten, neue Wege offen.

Dabei deckt Jesus zielgenau auf. Ursache sind die harten Herzen. Weil die Liebe nicht mehr fließt, wird es hart. In der Schöpfung, so wie es auf den ersten Seiten der Bibel festgehalten wurde, hat Gott, der Schöpfer, dem Mann viel Verantwortung übertragen. Somit gibt Jesus hier den Männern zu verstehen: „Das Problem seid ihr! Ihr als Männer habt als Verantwortliche versagt. In eurem Herzen sind falsche Weichenstellungen erfolgt.“ In dieser ganzen Auseinandersetzung über das Thema Ehescheidung zeigt sich das Wesen Gottes. Gott hat klar seinen Plan und Willen ausgesprochen. Aber er sieht das Herz des Menschen. Er sieht sein Versagen und Scheitern. Er bietet dem Menschen eine Notlösung an. Gottes Güte und Barmherzigkeit zeigen sich in unserem Lebensalltag. Doch er macht gleichzeitig deutlich: Ursprünglich ist diese Notlösung nicht.

Die Freunde von Jesus, seine Jünger, sind etwas geschockt. Ihre Männer-Dominanz ist erschüttert. Ihre Reaktion: „Steht die Sache eines Mannes mit seiner Frau so, dann ist’s nicht gut zu heiraten.“ Sie meinen: „Wenn ich nicht frei bestimmen kann, dann lasse ich mich erst gar nicht darauf ein!“ Ich spüre hier heraus, dass der Mensch selbstbestimmt leben will. Aber für Jesus ist unsere Anbindung an Gott ausschlaggebend. Entscheidend ist unsere Verbundenheit mit Gott. So wie zwei Menschen einen Ehebund schließen, will Gott durch Jesus einen einzigartigen, hundertprozentig verlässlichen Bund mit jedem Menschen schließen.

In der Lebensgeschichte eines Menschen gibt es außer dem Leben in einer Ehe noch eine weitere Möglichkeit. Jesus spricht hier etwas geheimnisvoll. Wir kennen, Gott sei Dank, keine Eunuchen mehr. Ein Sklavenhalter durfte seinen Sklaven kastrieren lassen. Somit konnte der Besitzer ihn ohne Befürchtungen bei Frauen und mit Frauen arbeiten lassen. Diese Form des sogenannten Verschnitten-Seins war natürlich nicht freiwillig.

Im Altertum war verheiratet zu sein die Normalität. Wer nicht verheiratet war, war eher ein wertloser Mensch. Jesus eröffnet hier einen neuen Lebensstil. Das Leben eines Singles erhielt eine neue Wertigkeit. Im Reich Gottes, der Kirche und Gemeinde, sind Männer tätig, die für sich die Entscheidung getroffen haben, nicht zu heiraten. Da sind Frauen, die bewusst ihr Leben lang auf die Ehe verzichten. Hiermit denken wir an Diakonissen, Nonnen und Mönche, ledige Mitglieder in christlichen Lebensgemeinschaften. Wichtig erscheint mir dabei der Hinweis, dass Frauen und Männer diese Lebensweise freiwillig gewählt haben. Es gibt Menschen, die eine Heiratsmöglichkeit ausschlagen, weil sie im Ledig-Sein Gottes Liebe und Führung für sich erkennen.

Jesus macht seinen Zuhörern deutlich: Wir Menschen erhalten unseren Wert von Gott. Wir sind wertvoll, weil wir von Gott gewollt und erschaffen sind. Der Mensch an sich ist kostbar, weil er von Gott brutto geliebt ist. Wichtig ist, dass wir unseren Lebensentwurf in einer engen Verbindung mit unserem Schöpfergott und seinem Sohn Jesus Christus leben.

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