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Von der Vergebung

Friedrich Schechinger über Matthäus 18,21-35.

Vorschaubild: Matthäus 18

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Matthäus 18

Jesus sprach zu ihm: Ich sage dir: nicht siebenmal, sondern siebzigmal siebenmal*. [...] (Mt 18,21-35; LUT)

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Carla und Luisa waren dicke Freundinnen in einer Clique von einigen jungen Ehepaaren, die sich supergut verstanden. Gute und echte Freunde sind ein unschätzbarer Wert in unserer anonymer werdenden Gesellschaft. Carla hatte dann aber diesen Wert aufs Spiel gesetzt, indem sie ihren Mann mit einem guten Freund betrog – und diese Affäre hatte das ganze Vertrauen der Clique zerstört. Kann man jemanden verzeihen, der es wagt, in eine Ehe einzubrechen und die tiefsten Beziehungen, die man hat, kaputt zu machen?

Oder da ist ein Arbeitskollege, der monatelang unwahre schlechte Gerüchte über einen anderen Mitarbeiter verbreitete, bis dieser es nicht mehr ausgehalten hat und sich schwor, das verzeihe ich dem nie!

Es gibt wohl drei Gründe, weshalb Menschen nicht verzeihen wollen:

  1. Als Opfer bekomme ich Aufmerksamkeit. Es tut ja so gut, wenn die anderen mich bemitleiden und sagen: „Der Arme. Es wurde ihm wirklich übel mitgespielt.“ Und weil das so guttut, muss ich die Erinnerung an die Verletzung wach halten.
  2. Der Täter soll erniedrigt werden. Indem ich meinen Mitmenschen immer wieder erzähle, was dieser oder jener mir Schlimmes angetan hat, mache ich den Täter schlecht. Ich bestrafe und erniedrige ihn damit, dass alle ihn jetzt als den Bösen ansehen, was meinen Wert erhöht. Und
  3. ich schütze mich vor einer erneuten Verletzung. Es gilt das Prinzip: der soll es immer deutlich zu spüren bekommen, dass er das nie wieder macht! Ich kann doch nicht verzeihen, denn das wäre ja fast eine Einladung des Täters, das gleiche wieder zu tun.

Das sind menschlich einleuchtende Gründe, aber was sagt denn Gott dazu? Wenn ich aufmerksam auf den heutigen Bibeltext gehört habe, dann bleibt mir diesbezüglich erst einmal der Mund offenstehen.

Petrus hat Jesus gefragt: „Herr, wie oft muss ich meinem Bruder vergeben, wenn er an mir Unrecht tut? Ist siebenmal denn nicht genug?“ Und Jesus gibt ihm zur Antwort: „Nein, nicht siebenmal, sondern siebzig Mal siebenmal!“ Damit meint er natürlich nicht, dass wir bei jeder Verletzung immer gut mitzählen und nach 490 Mal darf man endlich heftig zurückschlagen. Nein, Jesus gibt seinen Jüngern und auch uns heute den Rat, unbegrenzt, immer wieder, zu vergeben und zwar bedingungslos. Ich denke, Jesus will uns mit dieser Aussage nicht quälen, sondern uns den einzigen Weg zu einem befreiten und entlasteten Leben zeigen.

Vielleicht denken Sie: Jesus hat gut reden: sieben mal siebzig Mal vergeben! Bei dem, was mir angetan wurde, geht das nicht so einfach. Unter erwachsenen Menschen ist das ja auch tatsächlich manchmal recht schwierig. Kinder haben da oft weniger Probleme.

Jesus erzählt in diesem Zusammenhang die Geschichte, welche Sie im heutigen Bibeltext gehört haben. Der in dem Gleichnis genannte Knecht ist kein Gottloser. Mit der Schuld ist Sünde gemeint, die ein Mensch vor Gott hat, aber auch, wie Menschen untereinander schuldig werden.  Die genannten Schuldbeträge sind auffallend unterschiedlich. Der Erstgenannte schuldet seinem Herrn 10.000 Zentner Silber. Die Schulden des Mitknechts betragen 100 Silbergroschen. Wenn ich diese Beträge in unsere Währung umrechne, dann ergeben die 10.000 Zentner Silber über 12 Milliarden Euro.

Bei den 100 Silbergroschen komme ich auf knapp 10.000 Euro. Übertrage ich dies auf das Jahres-Einkommen zur damaligen Zeit, schuldet der von Jesus zuerst erwähnte Mitarbeiter

400.000 Jahreslöhne. Das kann niemand abarbeiten!! Die Schuld des Mitknechts beläuft sich dagegen nur auf etwa 100 Tageslöhne. Die Schuld des Menschen entsteht durch den Ungehorsam gegen Gott (Matt. 5, Vers 22). Jesus sagt: „Wer mit seinem Bruder zürnt und sagt: Du Narr! Der ist des höllischen Feuers schuldig.“ Er macht deutlich, dass im Leben die Schuldenlast vor Gott ins unermessliche steigt und niemand in der Lage ist, sie je zu begleichen. Und in die ewige Herrlichkeit wird nichts Unreines hineinkommen. Jeder Mensch ist zahlungsunfähig und kann seine Schuld nicht begleichen. Aber Jesus, der Sohn Gottes, hat alle Schuld am Kreuz bezahlt. Wer von ihm Vergebung seiner noch so großen Schuld erbittet, der erhält sie! Und nur wem vergeben ist, für den öffnen sich die Tore zum Himmel. Wer aber mit nicht vergebener Schuld stirbt, geht verloren. Unsere Zugehörigkeit zu Jesus und die Abgabe all unserer Schuld unter seinem Kreuz machen alle, die an ihn glauben, frei von aller Schuld, wie groß diese auch gewesen ist. Deshalb werden sich im Himmel nur begnadigte Sünder befinden. Das ist die Hauptsache in dem Gleichnis, das Jesus erzählt hat, ja die Hauptsache in der ganzen Bibel. Wer dieses Erbarmen Gottes erfahren hat und von aller Schuld befreit ist, der kann jetzt hinausgehen und vor Freude alle Welt umarmen.

Aber leider verhält sich der von seiner Schuld befreite Knecht in der Geschichte von Jesus ganz anders. Der findet einen, der ihm noch ein paar tausend Euro schuldet. Auch dieser kann seine Schuld jetzt nicht bezahlen und bittet deshalb um einen Zahlungsaufschub, der aber kompromisslos abgelehnt wird. Leider hat der Knecht gar nichts verstanden von der Barmherzigkeit Gottes und vom Frieden und Segen, der auf der Vergebung liegt. Er fordert Recht, statt Gnade zu gewähren.

Was nun geschieht, ist äußerst tragisch. Der König macht den schon gewährten Schuldenerlass rückgängig. Das ist krass. Martin Luther hat an dieser Stelle gesagt: „Wenn einer die empfangene Gnade missbraucht, dann geht’s in die ewige Verdammnis.“ Wenn wir dem anderen nicht vergeben, bleiben wir auf unserer eigenen Schuld sitzen. Mit nicht vergebener Schuld ist aber der Zugang zum Himmel verschlossen. Deshalb sind jetzt zwei Dinge persönlich zu prüfen:

  1. Lassen Sie sich heute zu Jesus Christus einladen, um die Schuld Ihres Lebens bei ihm abzugeben.  Er ist bereit, Ihnen jede Sünde zu vergeben. Und dann gehen Sie hin und vergeben auch denen, die an Ihnen schuldig geworden sind.  Und
  2. wenn Sie sagen, ich bin Christ, aber ich vergebe dem anderen nicht, dann leben Sie höchst gefährlich. Vergeben Sie Ihren Schuldigern, dass es Ihnen nicht geht wie dem Knecht im Gleichnis.

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