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/ Bibel heute

Von der Nachfolge

Hans-Martin Steffe über Matthäus 16,24–28.

Vorschaubild: Matthäus 16

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Matthäus 16

Da sprach Jesus zu seinen Jüngern: Will mir jemand nachfolgen, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir. [...] (Mt 16,24-28; LUT)

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Unglaublich herausfordernd, was Jesus seinen Jüngern da zumutet, finde ich. Steile Forderungen. Was will das mir sagen? Und wie gehe ich darauf ein? Als ich jung war, sprangen diese Worte mich an. Was behaupteten wir damals nicht lauthals: „Sei ganz Sein oder lass es ganz sein.“ Und: „Ich bin entschieden zu folgen Jesus“.
Und jetzt Jesus im Original: „Will mir jemand nachfolgen, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.“ Was sagen mir diese Worte Jesu heute? Ich höre den Einwand: ‚Sich selbst verleugnen‘, das macht doch krank. Müsste es nicht heißen: ‚Nimm dich selbst an‘?
Was wollte Jesus seinen Jüngern sagen und was will er mir heute damit sagen?

Eben hatte Jesus seinen Jüngern kundgetan, dass er nach Jerusalem gehen wird und dort viel erleiden muss und hingerichtet wird. Dem widersprach Petrus aufs heftigste: „Das kann doch nicht wahr sein. Du bist doch der Messias. Du bringst uns doch Gottes Reich des Friedens“. Unglaublich harsch stellte ihn Jesus in den Senkel. Der gut gemeinte Rat des Petrus würde Jesus an dem Weg seiner Bestimmung hindern. Das Ziel seines Lebens war nicht Selbsterhalt, sondern Hingabe aus konsequenter Liebe.
In diesem Zusammenhang müssen wir Jesu Worte zur Nachfolge hören und einordnen. Nachfolgen heißt loslassen, was an der Nachfolge hindert. Es geht dabei um mehr als um eine egozentrische Selbstverwirklichung. Es geht um Größeres, weil Jesus Größeres zu bringen hat als ein selbstzentriertes Leben.
Sich von sich selbst lossagen und sich einlassen auf den Weg mit Jesus und im Vertrauen, dass er den Weg kennt und mich führt. Das schließt mit ein: „Der nehme sein Kreuz auf sich“. Der stelle sich dem Schweren in seinem Leben. Der soll annehmen, was ihm von Gott zugemutet wird. Der muss nicht verzweifeln. Jesus ist bei ihm.

Jesus bietet kein Wellnessprogramm an. Keine Meditation zur Selbstoptimierung. Jesus führt uns ein in seine Nachfolge, die zum Leben führt und nicht lebensfeindlich ist. Jesus leitet zum Loslassen an. Sorge um Selbsterhalt treibt viele um. Mir ist das auch vertraut. Dann geht es mir um Besitzstandswahrung und Sicherheit. Dann müssen wir uns schützen vor Fremden, vor Menschen, die auf meine Hilfe warten. Aber Jesus sagt, sich selbst abzusichern, überfordere uns und führe letztlich zum Selbstverlust. Sein Leben loszulassen in das Vertrauen zu Jesus preist Jesus als echten Gewinn. Das Leben finden durch Loslassen eigensüchtiger Entwürfe macht das Leben frei und weit. Im Friesischen gibt es einen Spruch: „Rüm hart, klaar kiming“. Unser Wattführer hat das so übersetzt: „Ein festes Herz und eine weiter Horizont“. Dazu will Jesus uns verführen. Dass wir uns befreien lassen aus dem engen, ängstlichen Selbstfesthalten und Absichern und uns einlassen auf die Dynamik und Energie der anderen Wirklichkeit der Welt Gottes.

Nach den beiden kernigen Worten vom Nachfolgen Jesu mit Selbstverleugnen und sein Kreuz tragen und dem Lebensgewinn durch Lebenshingabe fügt Jesus ein Wort hinzu. Ich vermute mit einem Schmunzeln. „Was hast du davon, wenn du die ganze Welt gewinnst, aber deine Seele verlierst?“ Das kannst du durch nichts wieder gut machen. In der Gier nach immer mehr und in dem krampfhaften Festhalten, was uns doch gehört, und dem Verweigern des Abgebens an die, die es nötiger brauchen, da können wir unsere Seele verlieren. Davor möchte Jesus bewahren. Das sagt er mit Humor und nicht verbissen.

Als Kontrast setzt er dem Ganzen die Krone auf. Jesus kündet sein Wiederkommen an und die Zukunft des Reiches Gottes, das Ende von Hass, Neid, Gier und Selbstsucht, einen weiten Horizont, ein Leben in Gerechtigkeit und Frieden. Jesus bietet den ganzen Himmel auf. Die Herrlichkeit des Vaters und die Engel Gottes.

Und dann setzt er noch einen drauf und da komme ich doch ins Stocken. Das alles soll in allernächster Zeit geschehen. Einige seiner Hörer werden das noch zu ihren Lebzeiten erfahren. Aber so schnell ist das Reich Gottes in Fülle dann doch noch nicht gekommen. Und wir sind noch immer Wartende. Hat sich Jesus getäuscht? Hat er sich von seiner Begeisterung selbst so mitreißen lassen, dass er sein Wiederkommen eben nur ganz nah sehen konnte? Ich kann es mir vorstellen. Jesus hat Gott in seinem Leben erfahren. Im Namen Gottes konnte er Zeichen tun, die für die nahe Zukunft seines Kommens sprachen. „Blinde sehen und Lahme gehen und den Armen wird das Evangelium verkündet.“ Damit hatte er den zweifelnden Johannes den Täufer aufgeklärt. Mit seinem Verkündigen und Handeln ist Gott im Spiel, bricht das Reich Gottes an. Auf die Frage, wann das Reich Gottes in seiner Fülle komme, hatte Jesus aber darauf hingewiesen, dass das nur der Vater im Himmel wisse, nicht einmal er, sein Sohn.

Also wir warten immer noch. Die Frage ist, ob wir in guter Hoffnung sind und in echter Erwartung wie die frühe Christengemeinde, die miteinstimmte in das Maranatha: Amen, komm Herr Jesus. Wir wissen Jesu Ankündigung ist erfüllt. Er wurde wirklich am Kreuz hingerichtet. Aber er ist nicht im Tod geblieben. Der Anfang vom Ende ist gemacht. Das kann uns Mut machen. Wir können die um uns selbst kreisenden Pläne loslassen und uns einlassen auf den Weg mit Jesus und widerspenstig leben und widersprechen Gier und Neid und Hass.  Nachfolge Jesu ist ein Abenteuer. Aber weil es Nachfolge Jesu ist, werden wir durchgetragen.

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Kommentare (1)

Peter W. /

Zurecht weist der Ausleger darauf hin, dass Jesus ausdrücklich nicht einmal selbst wusste, wann er wiederkehren wird. Sehr ernst weist Jesus darauf hin, dass dies nur der Vater im Himmel weiß mehr