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Das Bekenntnis des Petrus und die Verheißung an ihn

Christoph Müller über Matthäus 16,13–23.

Vorschaubild: Matthäus 16

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Matthäus 16

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Das kenne ich aus meinem Leben: Bin ich nicht manchmal auch versucht, Gott vorschreiben zu wollen, wie er jetzt in dieser oder jener Situation handeln müsste? Bin ich da viel anders als Petrus? Die heutige Geschichte erzählt etwas davon, wie eng das fröhliche Bekenntnis zu Gott und der Widerstand gegen seinen Willen zusammenliegen können.

Doch fange ich vorne an. Jesus und seine Jünger befinden sich ganz im Norden Israels. Sehr weit weg von Jerusalem in Cäsarea Philippi - nicht zu verwechseln mit dem anderen Cäsarea, dem Cäsarea am Meer. Die Stadt Cäsarea Philippi ist sehr schön gelegen und befindet sich in der Nähe der Jordanquellen am Abhang des 2814 m hohen Berges Hermon. Hier stellt Jesus seinen Jüngern die Frage, was die Leute denn über ihn so denken?

Sie erzählen, was es für Gerüchte über Jesus gibt, über ihn, der sich ja selbst Menschensohn nennt; ein Hinweis auf sein zukünftiges Leiden und Sterben. Danach fragt Jesus die Jünger nach ihrer eigenen Meinung. Sie, die sie tagtäglich mit Jesus unterwegs sind, sie müssten es doch am besten wissen, wie er einzuschätzen ist. Was haltet ihr von mir?

Petrus ist wieder einmal der schnellste. Er antwortet: „Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes.“ Christus, so wurde der endzeitliche Heilsbringer, der Friedenskönig benannt. Petrus hat also für sich erkannt, dass Jesus derjenige ist, auf den das Volk Israel seit langer Zeit schon wartet. Der Messias, wie Christus auf Hebräisch heißt, ist der von Gott Gesandte, der sein Volk erlösen wird. Das durften seine Jünger als erste glauben und erfahren.

Wie Jesus sein Volk erlösen würde, konnten die Jünger zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht wissen. Es war ja vor Ostern. Und nur so ist es zu verstehen, dass Jesus zu Petrus sagt: „Diese Erkenntnis, dass ich der Messias bin, stammt nicht von dir. Das konntest du nicht von dir aus wissen. Das hat dir ‚mein Vater in den Himmeln‘ offenbart.“

Wer ist Jesus für mich? Ist er ein Sozialrevolutionär, der die Missstände seiner Zeit anprangerte? Ist er ein Wunscherfüller? Ohne den Geist Gottes kann ich seine wahre Identität nicht erkennen. Der Menschensohn ist ganz Mensch geworden und zugleich als Sohn Gottes wahrer Gott geblieben. Das kann ich mit dem Verstand nicht begreifen. Jesus ist kein Rätsel, das ich selbst lösen könnte, er ist vielmehr ein Geheimnis, das mir offenbart werden musste. Es muss mir aber auch offenbart werden, warum es notwendig war, dass Jesus leiden und sich ans Kreuz schlagen lassen musste, um dort unsere Schuld abzuladen, damit wir frei werden konnten.

Diese Erkenntnis war Petrus noch nicht offenbart worden. Das erkennen wir daran, dass er mit diesem göttlichen Plan gar nicht einverstanden ist. Dass Jesus viel leiden und getötet werden sollte, um am dritten Tag aufzuerstehen, kommt für den Jünger nicht in die Tüte. Und das Ungeheuerliche geschieht. Petrus schwingt sich zum Herrn über seinen Meister auf. Er nimmt Jesus beiseite und macht ihm Vorwürfe. Er will ihn vom Weg des Leidens abbringen. Gerade noch hatte Petrus das große Bekenntnis ausgesprochen, dass Jesus der Sohn des lebendigen Gottes sei. Und nun wird er zum Verführer für Jesus, indem er Jesu Ansage und damit dem göttlichen Willen widersteht. Deshalb stößt Jesus dieses drastische Wort aus: „Geh weg von mir Satan.“ Oder anders übersetzt: „Fort! Hinter mich, Satan!“ Damit meint er nicht Petrus selbst, als sei der jetzt der Böse in Person. Er meint den Satan, der sich Petrus bemächtigen will, um Gottes Heilsplan zu torpedieren. Jesus nachzufolgen heißt, hinter ihm herzugehen. Nicht neben oder gar vor ihm, indem wir selbst bestimmen wollen, wo es langgeht. Das musste Petrus noch lernen. Für mich ist es erschreckend, zu sehen, wie schnell es gehen kann, dass wir nach einer göttlichen Offenbarung meinen, nun Gott ganz zu kennen und dadurch versucht sind, aus unserem Verstand heraus etwas zu tun, was letztlich seinem Willen widerspricht. Ja, so sind wir. Ja, ich kenne das von mir selbst.

Ist Jesus mit einem solchen Jünger, der ihn dermaßen enttäuscht hat, fertig?  Nein, das Gegenteil ist richtig. Meine Fehler verhindern nicht, dass Jesus mich zu großen Diensten beruft. Auf sein Bekenntnis hin bekam Petrus eine große Berufung, und er darf diese auch nach seinem Versagen behalten. Durch Petrus´ Dienst wollte Jesus seine Gemeinde bauen. Dabei fällt mir auf, dass Jesus von „seiner“ Gemeinde spricht. Es ist also nicht die Gemeinde des Petrus, die durch den Dienst des Apostels gebaut wird. Es bleibt die Gemeinde des Herrn. Und ein anderes: Die Gemeinde wird durch den Herrn selbst gebaut, nicht durch die Kraft des Apostels. „Ich will meine Gemeinde bauen,“ sagt Jesus. Das lässt mich, als Mitarbeiter Gottes, nachdenklich werden.

Ein Letztes: Die doppelte Schlüsselgewalt, die Petrus übertragen bekommt. Was meint „Binden und Lösen“? Jesus spricht einmal klagend zu den Religionsvertretern seiner Zeit (Mt 23,13): „Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr das Himmelreich zuschließt vor den Menschen! Ihr geht nicht hinein, und die hineinwollen, lasst ihr nicht hineingehen.“

Durch ihre Lehre haben die Religionshüter eine Schlüsselgewalt, sagt Jesus. Sie missbrauchen diese jedoch, wenn sie das Himmelreich mit ihren überzogenen Forderungen an die Menschen zuschließen, statt aufzuschließen. Die Übertragung der Schlüsselgewalt auf Petrus setzt diesen zum Lehrer eines neuen Typus ein. Der Jünger hat die Aufgabe, das Evangelium so zu lehren, dass Menschen dadurch gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. Er soll falsche Lehren aus der Gemeinde ausschließen, heraushalten, binden. Und andererseits mit dem Evangelium der Gnade Menschen helfen, dass sie aus falschen Bindungen herausgelöst und damit frei werden.

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Kommentare (1)

Karla M. /

Danke, lieber Christoph Müller,
für diese klare und aufschlussreiche Auslegung des Bibeltextes.
Geschwisterliche Grüße senden
Harald und Karla M.