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Vom Sinn der Gleichnisse

Thomas Bauer über Matthäus 13,10–17.

Vorschaubild: Matthäus 13

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Matthäus 13

Und die Jünger traten hinzu und sprachen zu ihm: Warum redest du zu ihnen in Gleichnissen? [...] (Mt 13,10-17; LUT)

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„Mit den Ohren werdet ihr hören und werdet nicht verstehen; und mit sehenden Augen werdet ihr sehen und werdet nicht erkennen.“

Oder wie es in Roland Werners Übersetzung von „Das Buch“ heißt: „Ihr werdet etwas zu Ohren bekommen und es doch nicht begreifen. Mit offenen Augen seht ihr es und nehmt es doch nicht wahr.“

Etwas hören und dann verstehe ich es doch nicht. Habe ich nicht richtig zugehört? Oder ich habe die Worte in die falsche Schublade gesteckt? Ein Beispiel: In der Lutherbibel wird der Heilige Geist als Unterpfand bezeichnet. Mir sagt der Begriff „Unterpfand“ nichts. Also steckt die Aussage in meiner Schublade „Nicht relevante Information“. Obwohl es sich um eine großartige Aussage handelt. Aber: Ich habe dies nicht erkannt. Ich habe es mit Ohren gehört und nicht verstanden.

Auch wenn ich das Bibelzitat in der Lutherbibel lese: Wenn ich mit dem entscheidenden Begriff nichts anfangen kann – dann erkenne ich nichts. Und dann können Sie mir noch so viel vorschwärmen: WOW. Unterpfand! Super! Das sagt mir nichts. Und da verstehe ich Ihre Begeisterung nicht. Aber wenn ich den gleichen Text in der Übersetzung der BasisBibel lese: Dann finde ich statt „Unterpfand“ den Begriff „Vorschuss“. Mit dem kann ich etwas anfangen.

Warum? Weil ich etwas damit verbinde.

Mal angenommen, ich hätte den Begriff noch nie gehört. Dann könnte es sein, ich verstehe ihn falsch. Einer schießt vor allen anderen mit seinem Gewehr. Das ist dann ein Vorschuss.

Richtig. Absoluter Blödsinn. Auch wenn ich es als wissenschaftliche Erkenntnis verkaufen würde.

Weit hergeholt? Nein. Es wird ja sogar in den Schulen im Fach Biologie etwas gelehrt, was den Anspruch hat: Das ist wissenschaftlich. Auf der anderen Seite wurde veröffentlicht: Das kann nicht sein. Das widerspricht Naturgesetzen.

Was jetzt? Ist für mich eingemeißelt: Was der Biounterricht sagt, ist das Fakt? Oder sage ich: Was einem Naturgesetz widerspricht, das kann nicht sein? Für was ich mich entscheide, das bestimmt mein weiteres Denken.

Sollte ich der Meinung sein: Damit Leben entsteht, braucht es einen sehr langen Zeitraum – dann fällt es mir viel schwerer an Jesu Wunder zu glauben. Wenn ich sage: Die Schöpfungstage nehme ich wörtlich, dann habe ich es einfacher. Warum? Ich versuch dieses Beispiel: Lazarus. Als Jesus die Szene betritt, da ist Lazarus schon ein paar Tage tot. Und wer die natürlichen Abläufe kennt, der weiß: Da sind keine Synapsen mehr aktiv. Da sind keinen Zellen mehr in Funktion. Da wird kein Gehirn mehr mit Sauerstoff versorgt.

Und Jesus gibt Lazarus einen Befehl: „Komm heraus!“ Die Worte dringen ans Ohr. Aber wie sollen die Schallwellen weiterkommen? Die Verbindung zum Gehirn ist mehrfach beschädigt. Und dann: Zu welchem Gehirn? Was davon ist noch vorhanden? Jesus muss nicht nur heilen, er muss nicht nur reparieren. Er muss neu erschaffen. Lazarus ist somit eine neue Schöpfung. Und dafür brauchte Jesus keinen Millionen Jahre. Lazarus kam sofort aus dem Grab. Schöpfung geht somit sehr schnell!

Wenn Sie meine Worte nachvollziehen können, dann denken Sie in eine andere Richtung als wenn sie sagen: Die Millionen Jahre sind fix. Da kann niemand dran rütteln. Nicht mal Gott.

Kann das sein? Kann es sein, dass Gott limitiert wird? Kann es sein, dass Gott kleingeredet wird?

Ich wurde mal gefragt: „Wie groß ist dein Horizont?“ Und dann bekam ich die Erklärung: Der Horizont ist der Abstand zwischen Kopf und Brett. Wenn ich Gott klein rede, wenn ich ihn limitiere, dann versuche ich ihn zwischen Kopf und Brett zu pressen. Aber eigentlich kommt er lange nach meinem Brett. So weit kann ich nicht denken. So weit kann niemand denken.

Ich geb’s zu: Ich mache es mir einfach. Ich verlasse mich einfach darauf, ich vertraue darauf: Gott kann ich glauben.

Ich zitiere nochmals aus Roland Werners „Das Buch“: „So verpassen sie Ihre Chance zur Umkehr.“

Verpassen – das kann heißen: Jemand ist nicht rechtzeitig da. Oder eine Gelegenheit, eine Chance wird ungenutzt vorübergehen. Zum Beispiel: Ich habe den Bus verpasst. Er fuhr pünktlich um 15:00 ab. Ich war aber fünf Minuten später an der Bushaltestelle. Oder ich hatte die Gelegenheit, kostenlos mit dem Taxi zu fahren. Aber ich sagte: „Glaub ich nicht, dass ich die Fahrt wirklich kostenlos krieg.“ Und bin nicht eingestiegen.

Umkehr: Ich lief vorher in die falsche Richtung. Die freundliche Navi-Stimme würde sagen: „Bitte wenden.“ Jetzt könnte ich sagen: „Warum eigentlich? Die Straße ist schön breit. Und die nächste Stadt schön groß und hat mir viel zu bieten.“ Aber: Ich entferne mich immer weiter vom Ziel. Das Wort aus der Bibel mit der Bedeutung „Zielverfehlung“: Sünde.

Sünde heißt: Ich komme nicht da an, wo Gott möchte, dass ich ankomme. Bei ihm. Für immer und ewig.

Sünde heißt: Ich komme da an, wo Gott es nicht für gutheißt, dass ich sein werde. Entfernt von ihm. Für immer und ewig.

Vergebung und Versöhnung heißt: Gott hat durch Jesus Christus den Weg für den „U-Turn“ bereit gemacht. Durch Jesu Tod und Auferstehung hat er uns ermöglicht „die Kurve zu kriegen“.

Jesus ist die Chance, das Leben nicht zu verpassen: das ewige Leben.

Auch wenn andere mir versprechen, dass ich meinen Spaß habe. Kann ja sein, dass die ihr Versprechen halten. Aber sie haben mir nur etwas vom Leben gegeben. Sie haben nicht das Leben. Das ultimative Leben kann nur der geben, der von sich sagen kann: „Ich bin das lebendige Wasser.“

Zurück zum Anfang der Ansprache. Zurückzusehen. Wenn ich vor Ihnen stehe, dann werde ich gesehen. Aber nicht allein deshalb, weil ich dastehe. Sondern weil Licht auf mich fällt. Dieses Licht wird von mir reflektiert und sagt allen, die in meine Richtung blicken: Da ist der Thomas.

In diesem Sinne sagt Jesus: Ihr seid das Licht der Welt. Nur mit Licht sieht man, was man sonst nicht sieht.

Ich sagte vorher das mit dem Unterpfand. Und dass mir der Begriff nichts sagte. Der Begriff „Vorschuss“ sagt mir was. Ich denke an den Gehaltsvorschuss und daran, dass ich einen eher geringeren Teil des Gehalts vorab bekomme. Den Löwenanteil gibt es später.

So was Großartiges wie der Heilige Geist ist nur der Vorschuss? Was gibt es dann erst nachher?

Das wird dann mehr als großartig. Deshalb: Verpassen Sie die Chance nicht. Sonst gibt es am Ende nichts.

Nehmen Sie Jesus an, dann gibt es am Ende alles.

Ihr Kommentar

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Kommentare (6)

Heike und Bernhard Czech /

Lieber Thomas, wir haben uns sehr über Deinen Beitrag gefreut, besonders das
Bild mit dem Lazarus und den Löwenanteil, den unser Herr uns noch schenken wird. Wir danken Dir und grüßen Dich herzlich

Rike /

Eine lebendig gestaltete Auslegung mit guten Gedanken, die aber m.E. nicht die Kernaussagen des Textes treffen.

Edith /

Vielen Dank Herr Bauer für diese anschauliche Interpretation.

Gottfried L. /

Völlig daneben. Ich bin ratlos. Sollte Jesus wirklich dieses gemeint haben?

Arnold /

Großartig! sehr für junge Leute ausgelegt!

Philipp S. /

Grossartig, wie der eher schwierige Text anschaulich, überzeugend und aus dem Leben gegriffen ausgelegt wurde. Herzlichen Dank!