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Weherufe über galiläische Städte

Martin Schlue über Matthäus 11,20–24.

Vorschaubild: Matthäus 11

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Matthäus 11

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Jesus wirkt wütend. Kurz zuvor hatte er schon die Arroganz der Menschen herausgestellt, wie sie über ihn und über Johannes den Täufer sprachen. Sie bogen sich ihre Wahrheit einfach zurecht, wie es ihnen passte. Sie steckten Jesus in ihre Schublade und mussten dann nicht weiter über ihr Leben nachdenken. Jetzt geht Jesus heftig mit ihnen ins Gericht. Dabei ist er nicht nur einfach zornig über ihren offensichtlichen Unglauben. Es ist ein schmerzhafter Zorn, den er empfindet. Weil Jesus zornig ist aus Liebe und nicht, weil er persönlich gekränkt wäre. Hier ist er ganz Prophet. Er wettert gegen ganze Städte, die die meisten seiner Wunder erlebt hatten, die das aber nicht die Bohne persönlich in Frage stellte. Dreimal erwähnt Jesus seine „Taten“, die in diesen Städten geschehen sind. Das waren nicht einfach nur normale Taten eines interessanten Rabbis. Das waren Wunderwerke, wie etwa Heilungen und übernatürliche Machterweise. Diese Wunderwerke hatten Dynamit – und genau dieses Wort steht auch im griechischen Grundtext. Seine Wunder waren Zündstoff. Zeichen, die ihn als Sohn Gottes erwiesen. An anderer Stelle hätten diese Machttaten wohl auch locker gereicht, um die harte Schale menschlicher Ignoranz aufzubrechen. Aber hier? Nichts.

Es ist bemerkenswert, dass Jesus hier mit Chorazin eine Stadt rügt, von der wir sonst nichts im NT lesen. Chorazin und Betsaida sind kleine Städtchen, gar nicht weit entfernt von Kapernaum, das ja auch noch erwähnt wird. Offensichtlich waren dort die meisten seiner Taten geschehen. Erstaunlich, was wir alles nicht von Jesus wissen. Johannes erwähnt das am Ende seines Evangeliums, dass die Welt die Bücher nicht fassen könnte, wären alle seine Taten und Worte aufgeschrieben worden.

Jesus hatte also viele Wunder getan. Diese Taten zeigten eindrucksvoll: Jesus ist der Christus, der Sohn Gottes! Wenn er aber der Sohn Gottes ist, dann muss man ihm folgen! Das aber wollten sie nicht. Genau das war ihre Sünde, weswegen Jesus sie jetzt so heftig tadelt. Im Bibeltext heißt es, dass sie nicht Buße getan haben. Sie sind also nicht von ihren eigenbestimmten Wegen umgekehrt. Sie blieben, wie sie waren. Sie ignorierten Gottes Anruf. Umkehr aber wäre die logische Konsequenz gewesen. Sie hätten ihr Denken und Handeln ändern müssen. Sie aber kehrten nicht um.

Ignoranz und Gleichgültigkeit sind heute genauso zersetzende innere Kräfte. „Nein, wir haben ja nichts gegen Jesus!“ So redeten sie damals, und so reden viele heute. „Jesus hat bestimmt viel Gutes getan und sehr gute Sachen gesagt.“ Nur tat er das nicht, um interessant zu werden. Nein, er tat es, um Gott als alleinigen Herrn wieder in den Mittelpunkt zu stellen. Er wollte sein Volk wieder zurückrufen in die Beziehung zu Gott. Genau wie heute hatten nämlich viele Menschen diese Beziehung einfach vergessen.

Aber jetzt war ihnen Gott doch irgendwie auf die Pelle gerückt. Jesus trat auf, heilte Kranke, sättigte Hungernde und machte Gebundene frei. Jetzt war doch wieder greifbar, dass Gott konkret eingreift in ihr Leben. Und doch ließ es sie kalt. Gottes Anruf perlte an ihnen ab wie Wasser am gelben Ostfriesennerz. Sie machten es wie die meisten Menschen heute auch noch: sie nahmen das Gute wie selbstverständlich hin, ohne Gott zu danken. Und wenn sie Schlechtes erlebten, empörten sie sich, als hätten sie ein Abo nur für Gutes gebucht und werfen Gott vor: „Wie kannst du das zulassen?!“

Jesus zieht einen gewagten Vergleich. Er sagt: „Wären solche Taten in Tyrus und Sidon geschehen“ – das waren 2 heidnische Städte, über die man die Nase rümpfte – „sie hätten schon längst den Sack umgebunden, sich Asche auf den Kopf gestreut und ihr Leben geändert“ (V. 21). Dieser Vergleich war natürlich eine Zumutung für die Israeliten. Sie werden indirekt an die Geschichte von Jona erinnert, der auch in eine heidnische Stadt geschickt wurde, nämlich Ninive. Dort predigte er und die Leute reagierten genauso, wie Jesus es hier von Tyrus und Sidon beschreibt. Sie änderten nämlich erschrocken und mit klarer Radikalität ihr Leben.

Leider muss Jesus die Stadt Kapernaum genauso tadeln. Es war die Stadt, in der Jesus wohl die meiste Zeit in den letzten drei Jahren gewohnt hatte. Jesus gehörte dazu. Zum Alltag. Er war eben einer von ihnen. Sie hatten sich an ihn gewöhnt, ihn integriert. Er kaufte schließlich morgens seine Brötchen bei ihnen. „Warum bitte schön sollten wir unser Leben ändern?“ Man kann Jesus und den Glauben offensichtlich voll integrieren und trotzdem an Gottes Weg vorbei gehen.

Wissen Sie, warum wir solch einen Bibeltext heute noch unbedingt lesen müssen? Weil Jesus auch uns in unserer ach so schön eingerichteten Frömmigkeit gegen den Strich bürsten muss. Weil er uns vielleicht auch aufstören muss, da wir uns alles so schön mit unseren Vorwänden zurechtgelegt haben.

Jesus stellt auch uns heute in Frage: Wie eigenbestimmt lebst du dein Leben? Nehme ich überhaupt noch wahr, wenn Gott mich auffordert, an einer ganz bestimmten Stelle mein Leben zu ändern? Oder bin ich auch schon so von meinen Vorwänden überzeugt, dass ich mit Ignoranz reagiere? Ich staune manchmal, wie hart unser christlicher Pelz geworden ist. „Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass!“ Und das ist ja meistens gar nicht böse gemeint. Vielleicht bin ich einfach nur blind für die Veränderung meines Lebens. Wie wäre es, wenn ich Gott mal leise frage: „Herr, was denkst du denn von meinem Leben?“

Und zum andern spricht Jesus hier über das kommende Gericht. Es gibt eine „Stunde der Wahrheit“. Einen Tag des Gerichts, an dem Jesus selber als Richter auftreten wird.

Sein „Wehe dir…!“ ist heftigstes Gerichtswort über die Menschen. Wir merken, die Liebe Jesu ist nicht kraftlos, nicht beliebig. Denn wo sie abgelehnt wird, bleibt den Menschen nur noch eine erbarmungslose Verurteilung.

Ich denke, wir haben in Deutschland in den letzten Jahrzehnten viele Wunder Gottes erlebt. Aber wir sind auf dem besten Weg dahin, ohne Gott weiterzumachen. Lassen wir uns doch zur Umkehr rufen!

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