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Schuld, Gericht und Gnade in Israels Geschichte (1)

Gerhard Feilmeier über Psalm 78,1–31.

Vorschaubild: Psalm 78

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Psalm 78

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In diesem Psalm 78 spricht Asaf, der Gesangmeister am Tempel, zu seinem Volk. Im vorhergehenden Psalm 77 wird deutlich, dass er unter der Situation innerhalb seines Volkes leidet und darüber nicht zur Ruhe kommt. Dort wendet er sich direkt an Gott und ruft sein tiefes Leiden IHM gegenüber direkt aus.

Asaf teilt Gott mit, wieviel Not und Sorge sich bei ihm angesammelt haben. Als er sich an Gott wendet, wandelt und verändert sich sein tiefer Kummer. Er erinnert sich an die Gnade und Barmherzigkeit Gottes und findet einen guten Weg, darüber dankbar zu werden und er kann Gott sogar wieder Lob erweisen.

In Psalm 78 ist es für Asaf an der Zeit, sich seinem Volk zuzuwenden. Von dem persönlichen Austausch im Gebet mit Gott wird hier ein leidenschaftlicher Appel an die Menschen, denen er sich in ganz besonderer Weise verbunden fühlt.

So wie er für sich selbst Antworten und Dankbarkeit, ja den Wunsch, Gott zu loben erfahren hat, so bleibt sein Anliegen, die Menschen um sich herum anzusprechen und ihnen ins Gewissen zu reden, gleich.

Wie mag das auf seine Zuhörer gewirkt haben? Denn seine Rede besteht aus Worten, die den Zuhörern spiegeln, wie sehr sie sich immer wieder im Laufe ihrer Geschichte von Gott entfernt haben. Im Mittelpunkt skizziert er punktgenau ihr Verhalten der Undankbarkeit gegenüber Gott. Bei seinem geschichtlichen Abriss nimmt er dabei alles in den Fokus, was schon geschehen ist, was sie schon alles umgesetzt haben, um sich von Gottes Weg mit ihnen zu entfernen.

Die Aufzählung der vergangenen und bestehenden Vergehen gegen Gott und die sich wiederholenden Formen von Unzufriedenheit und Abwendung von Gott wird lang und immer länger. Psalm 78 umfasst insgesamt 72 Verse, wir schauen heute auf die ersten 31 davon.

Wem würde es in der heutigen Zeit noch zuzumuten sein, sich immer und immer wieder anzuhören, wo er fehlerhaft, ja gottlos und eigensinnig gehandelt hat?

Ich denke, die meisten würden sich nach kurzer Zeit abwenden und verärgert nach Hause gehen. Die Toleranzgrenze an geübter Kritik ist mitunter arg gering geworden. Wer möchte hören, was mit falschem Handeln und gottloser Verhaltensweise zu tun hat und damit in Verbindung gebracht werden?

Wie geht es Ihnen selbst damit, von einem anderen oder von anderen kritisiert zu werden, ja auch und gerade dann, wenn diese Kritik bei näherer Betrachtung durchaus berechtig ist?

Manchmal reicht schon eine einzige Bemerkung, die eine andere, einen anderen in Frage stellt und Beziehungen und Kontakte, die lange bestanden haben, gehen dadurch auseinander. Am liebsten hören wir doch Zuspruch, Lob, Anerkennung und Zustimmung für unser Handeln, oder? Doch Asaf nimmt diese vorhin genannten negativen Reaktionsmöglichkeiten in Kauf. Warum?

Sein persönliches in sich gehen und sein persönlicher Austausch mit Gott, so wie wir ihn in Psalm 77 finden, sind die Grundlagen für seinen eindringlichen Appell an sein Volk, das er jetzt fest im Blick hat.

Ich bin sicher, dass Gottes Geist Asaf diesen Mut, ja diese Notwendigkeit aufgezeigt hat, jetzt zu seinem Volk zu sprechen. Seine persönliche Erkenntnis öffnet ihm den Mund, sein Anliegen nicht für sich zu behalten. Er hat begriffen, dass es jetzt an der Zeit ist, zu sprechen. Und er ist ergriffen von dem Wunsch, seine Mitmenschen aufzurütteln.

Sie sollen die Größe und die Liebe Gottes neu vor Augen haben und erkennen, was so alles schiefgelaufen ist, wo Gott in den Hintergrund oder ganz in Vergessenheit geraten war und ist.

So lenkt Asaf den Blick des Volkes auf die Vergangenheit und auch auf die Gegenwart ihrer Geschichte. Und neben den aufgeführten schuldhaften Vergehen beschreibt er die großen und kleinen Taten Gottes, der mit seinem Handeln immer für sein Volk da war.

Asafs Ziel ist es, die gegenwärtige und auch die zukünftigen Generationen zu erreichen und Veränderung zu bewirken. Die Reaktionen der Menschen kann er nicht vorhersagen. Es kann Ablehnung, aber auch Ergriffenheit, Beschämung und Einsicht geschehen. Dieses Risiko der unterschiedlichen Verhaltensweisen geht er ein.

Und Asaf geht dieses Risiko der unterschiedlichen Reaktionen genauso ein, wie es Jahrhunderte später Jesus Christus auch tat, als er die Menschen seiner Zeit mit klaren und aussagestarken Worten und Reden konfrontierte.

Im neuen Testament finden wir sogar einen Ausspruch Jesu, der dem 2. Vers des 78. Palmes sehr ähnelt. Dort spricht er seinen Zuhörerinnen und Zuhörern gegenüber aus: „Ich will meinen Mund auftun in Gleichnissen und will aussprechen, was verborgen war vom Anfang der Welt an.“

Diese Gleichnisse Jesu sind ein Geschenk an uns, die Art und das Wesen Gottes zu verstehen und sie erschließen sich jedem Menschen, der sich aufmacht, die Bildersprache Jesu zu begreifen und das Gehörte in sein Leben aufzunehmen.

Asaf hat damals nicht anders gekonnt, als sich mit aller Hingabe und allem, was ihm zur Verfügung stand, an sein Volk zu wenden. Diese Hingabe und dieser Wunsch, Menschen ganz tief in ihrem Herzen anzusprechen, entspringt und entspricht Gottes Plan und Gottes Wunsch, dass wir ihn als festen Bestandteil in unserem Leben sehen. Dieses Motiv hat auch Asaf, der Psalmschreiber, damals in sich getragen, mit dem Wunsch und der Intention, Gott im Mittelpunkt von Gemeinschaft und auch der Gesellschaft zu haben. Es war diese Kraft Gottes, die ihn erfüllt hat, die auch uns heute täglich neu erfüllen möchte.

Wer sich dieser Kraft Gottes anvertraut, erfährt seine Wegweisung und seinen Beistand, den uns Jesus Christus ganz fest zugesagt hat.

Auf Gott setzen, ihn fest im Leben zu haben, das kann und das möchte die Sinnfrage unseres Lebens beantworten. Viktor Frankl, der Begründer der Logotherapie, hat seine persönliche Antwort auf seine Lebensfrage in Gottes Existenz und Größe gefunden. Sein Leben hat tiefes Unrecht und Leid erfahren, in unmenschlichen Zuständen der täglichen Todesbedrohung deutscher Konzentrationslager und auch durch den Verlust seiner Frau und seiner Eltern.

 In Situationen, die uns an Grenzen unseres Lebens führen, bleiben die fundamentalen Werte unseres Lebens bestehen. Dann tritt das uns sonst so wichtig erscheinende zurück. Gott ist da, auch wenn wir ihn nicht immer verstehen und gar begreifen, was mit unserem eigenen Leben oder überhaupt in dieser Welt geschieht. Genauso wie Asaf damals, ist es ein guter Weg, sich immer wieder an IHN zu wenden. Der Schöpfer von Himmel und Erde, so allmächtig ER ist, so zugewandt ist er jedem einzelnen Menschen.

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